In dem Film”Grenzerfahrung” begleiten die Reporter unter anderem eine junge polnische Paramilitärgruppe. Foto: rbb/Adrian Bartocha/Jan Wiese

 

 

Anfang des Jahres machten sich die rbb-Reporter Adrian Bartocha und Jan Wiese auf den Weg in das deutsch-polnische Grenzgebiet. Zwischen Witnica auf polnischer Seite und der Insel Usedom auf deutscher Seite trafen sie unterschiedliche Menschen und erzählen ihre Geschichte. Darüber sprachen die am fünften Juli bei den deutsch-polnischen Gesprächen in Potsdam.

 

In ihrer Reportage ließen die rbb-Reporter Adrian Bartocha und Jan Wiese die Menschen für sich selbst sprechen. „Wir haben bewusst auf einen einordneten Kommentar aus  dem Off verzichtet. Die Zuschauer sollen mitdenken“, sagte Bartocha bei den deutsch-polnischen Gesprächen in Potsdam. Die ungewöhnlich langen Kameraeinstellungen sollten die Möglichkeit zum Nachdenken bieten und die Sätze wirken lassen.

 

Die Reporter begleiten eine paramilitärische Jugendgruppe in Witnica. Dessen Anführer ist der Überzeugung, dass die Heimat verteidigt werden muss. Dafür trainiert er seine Gruppe, zeigt ihnen, wie man mit verschiedenen Waffen umgeht oder sich im Gelände militärisch bewegt. Der Feind? Die Deutschen sind es offensichtlich nicht. Aber Polen den Polen, Deutschland den Deutschen und Syrien den Syrern, so der junge Mann. „Gegenüber uns Deutschen war die Gruppe äußerst freundlich und zuvorkommend. Gegen Deutsche haben sie nichts“, so Bartocha im Gespräch nach dem Film.

 

Gegen den Nachbarn hat die Gruppe nichts. Es sind die europaweiten Flüchtlingsströme, die ihnen Angst machen. Deshalb, sagen sie, sollten die Grenzen wieder kontrolliert werden. Das findet auch auf Usedom der Hotelier, der sein Geld im Bankgeschäft gemacht und später sich ein Hotel gekauft hat. „Die Polen können doch ihren Pass an der Grenze zeigen oder nur hochhalten, das ist doch kein Problem“, sagt er. Dem widerspricht der preisgekrönte polnische Koch des Hotels, ohne zu wissen, was sein Chef gesagt hat. Würde er an der Grenze länger warten müssen, käme er nicht mehr auf deutscher Seite arbeiten.

 

Eine pensionierte Architektin aus Frankfurt (Oder) spricht sich dagegen für die Offenheit  der Grenze aus: „Wenn die Grenzen, aus welchen Gründen auch immer, wieder hochgezogen werden, dann wäre es für mich gegen alle menschliche Vernunft.“

 

Gegen die Ausnutzung der polnischen Arbeiter bei Amazon an der polnischen Grenze bei Stettin organisieren sich Gewerkschafter aus Polen und einer aus Deutschland. „Es kann doch nicht sein, dass dieser Amazon-Betrieb nur für den deutschen Markt arbeitet, deutsche Preise nimmt, aber polnische Löhne zahlt“, sagt ein Mitarbeiter.

 

Der Film „Grenzerfahrung“ ist noch ein Jahr lang in der rbb-Mediathek im Internet abrufbar.

 

Die monatlich stattfindenden deutsch-polnischen Gespräche in Potsdam sind eine Initiative der Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi e.V. Sie will damit das Thema Polen näher an die Potsdamer Bevölkerung herantragen und Interessierten die Möglichkeit geben, die vielfältigen Facetten Polens und des deutsch-polnischen Verhältnisses kennenzulernen.

 

Christian Schmidt