Im Volkswagen-Werk im sächsischen Zwickau wird derzeit die Herstellung von Benzin- auf Elektrofahrzeuge umgestellt. Im Herbst soll das erste Elektromodell ID.3 vom Band rollen. Bis dahin aber muss man die gesamte Produktion umgestalten und tausende Mitarbeiter umschulen. Dabei ist die Zeit knapp bemessen, denn bereits im November startet dort die Herstellung von Elektroautos.

 

Das Zentrum der knapp 100.000-Einwohnerstadt Zwickau
Foto: AndreKarwath/Wikipedia

 

 

Die Zeit drängt umso mehr, als 7.700 Mitarbeiter umgeschult werden müssen. Das bedeutet 13.000 Trainingstage und über 300 verschiedene Programmmodule, die je nach Aufgabenbereich zwischen wenigen Stunden und 24 Monaten im Falle von Experten dauern können. In einem im Werksgelände eigens errichteten Containerdorf will Volkswagen die Beschäftigten für die Zukunftsautos überzeugen und begeistern: „Vor allem wollen wir spielerisch Wissen vermitteln, die Teamkompetenz stärken und für die E-Mobilität faszinieren”, sagte die Projektleiterin Katja Neef.

 

Noch in diesem Jahr

Unterdessen wird überall gearbeitet, besonders im Walzwerk und in der Montage- und Karosserieabteilung, denn ab Mitte kommenden Jahres will man in Zwickau ausschließlich Elektrofahrzeuge herstellen. Die Produktionsumstellung findet übrigens fortlaufend statt und man hat dabei 1.500 geholt, von denen die Hälfte bereits im Einsatz ist! In der 85.000 Quadratmeter großen Karosseriebauhalle gilt das alte Produktionssystem nicht mehr: Dort warten Roboter mit langem Ausleger noch teilweise auf ihren Einsatz und werden zurzeit auf die Herstellung elektrischer Geländewagen programmiert. Das Montageband des Elektromodells ID.3 – des ersten in der Geschichte Volkswagens – ist mittlerweile in Betrieb. Bis jetzt sind 200 Testfahrzeuge vom Band gerollt und die erste Serienproduktion startet noch vor Ende dieses Jahres. Dabei wird allein in der Montageabteilung die Automatisierung von derzeit 12 auf 30 Prozent mehr als verdoppelt.

 

Keine Entlassungen, mehr Autos

Ist dies nun gleichbedeutend mit dem Einsatz einer geringeren Anzahl von Mitarbeitern? Anscheinend nicht: Um die Lage zu entschärfen, soll nach Zusicherung des Personalchefs Dirk Coeurs niemand seinen Job verlieren! Niemand, denn die Zwickauer VW-Niederlassung will mehr Fahrzeuge auf die Straßen schicken. Und zwar sollen anstatt der bisherigen 300.000 Fahrzeuge jährlich in Zwickau nunmehr 330.000 die Montagebänder verlassen. Dies bedeutet, dass pro Werktag 1.500 Autos hergestellt werden sollen. Verkaufen will man diese nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, allen voran in China, wo Volkswagen zuletzt 40 Prozent seiner Jahresproduktion von 10,8 Millionen Fahrzeugen absetzen konnte. Insgesamt will der Konzern mit Hauptsitz in Wolfsburg (Niedersachsen) in den nächsten fünf Jahren 44 Milliarden Euro in E-Mobilität, selbstfahrende Kraftfahrzeuge und Digitalisierung investieren.

 

Johann Engel