Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, December 3, 2021

Rettung für die Leschnitzer Orgel

Zum Jahresende 2019 wurden Orgel und Prospekt aus der Leschnitzer Pfarrkirche in ihre Einzelteile zerlegt und in die Werkstätten nach Leuber (Lubrza) und Neisse (Nysa) gebracht. Die erste Etappe unseres Projektes „Restaurierung der Leschnitzer Orgel“ war damit geschafft.

 

Hier in der Werkstatt der Firma “Kamerton s.c.” in Leuber. Das Team um Handwerkmeister Wiesław Jeleń, Inhaber der Firma, arbeitet an der Restaurierung der Elemente des Versorgungssystems: d.h. Gebläse, Schlalldämpfer, Lufteinlassregeler, schalldämmende Verkleidung des Gebläses.

 

In der Stadtkirche von Leschnitz versah über fast 100 Jahre eine Orgel der Firma Schlag und Söhne ihren Dienst. Im Jahr 1995 musste sie auf Grund von erheblichen Schäden, bedingt durch die lange Zeit ohne Restauration, außer Betrieb genommen werden. 2014, in Vorbereitung auf das 120jährige Bestehen der Orgel, gründete sich deshalb aus Mitgliedern des Kirchenvorstandes und Bürgern von Leśnica ein Initiativkreis, der sich die Rettung der Orgel als Ziel gesetzt hat.

 

Hilfe von Freunden

Seit über 20 Jahren verbindet das Christlich-Soziale Bildungswerk Sachsen e. V. (CSB) und die Stadt Leśnica (Leschnitz) eine freundschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Auf Grund der guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit wandte sich Berthold Malik, der Sprecher des Initiativkreises, zu Beginn des Jahres 2018 mit der Bitte um Unterstützung bei der Restaurierung der Orgel an das CSB. Gemeinsam wurde ein Projektantrag zur Restaurierung der Orgel erarbeitet und am 11. Dezember 2018 bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien eingereicht. Anfang Oktober 2019 erhielt das CSB die Mitteilung, dass die Mittel für die Restaurierung der Orgel zur Verfügung stehen, ein Zuwendungsbescheid erarbeitet und dieser dann zeitnah dem Antragsteller zugehen wird. Am 16. Oktober 2019, dem Festtag der heiligen Hedwig, der Patronin Schlesiens, überreichten die polnischen Initiatoren sowie Peter Neunert, Geschäftsführer CSB und Thaddäus Ziesch, verantwortlich für die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern im SLK, Pfarrer Henryk Pasieka symbolisch einen Scheck, auf dem die zur Verfügung gestellten Fördermittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Höhe von 64.513 Euro eingetragen waren.
Zuvor haben Mitglieder der Pfarrgemeinde Leśnica durch Spenden einen erheblichen Beitrag für die Aufbringung des Eigenanteils gesammelt. Die Stadt Leśnica und der Kreis Powiat Strzelecki gaben ebenfalls eine finanzielle Unterstützung von jeweils 20.000 Zloty. Eigenmittel in Höhe von 19.600 Euro waren die Voraussetzung, dass eine Bewilligung erfolgen konnte.

 

Arbeiten laufen auf Hochtouren

Trotz der aktuell sehr schwierigen Situation laufen die Arbeiten an der Restaurierung der Orgel weiter. Die Einzelteile der Orgel befinden sich in der Werkstatt der Firma „Kamerton s.c.“ in Leuber. Das Team um Handwerksmeister Wiesław Jeleń, dem Inhaber der Firma, hat nach akribischer Reinigung des Instruments bis heute sämtliche Holzelemente der Konstruktion imprägniert und die pneumatische Traktatur restauriert. Derzeit arbeitet man an der Restaurierung der Elemente des Versorgungssystems.

Das Prospekt der Orgel hingegen wird der notwendigen Konservierung und Restaurierung in der Werkstatt der Firma „Konserwacja Dzieł Sztuki A. M. Barski“ in Neisse (Nysa) unterzogen. Bis heute wurden die Elemente von Schmutz und Staub sowie Übermalungen befreit, anschließend desinfiziert und einer Desinsektion (Vernichtung tierischer Schädlinge) unterzogen. Danach hat man sie imprägniert und die Haftung der Polychromie an der Oberfläche wiederhergestellt. Aktuell werden an den einzelnen Holzverzierungen vorhandene Schäden beseitigt und Dekorteile erneuert. Nach Abschluss der Maßnahmen erfolgt wieder der Aufbau des Instrumentes in der Leschnitzer Pfarrkirche.

Beim Treffen der Initiativgruppe am 13. März 2020 bat Pfarrer Pasieka alle Beteiligten, in ihrem Engagement nicht nachzulassen. Auch die geplanten Aktionen, bei der Schüler Zeitzeugen befragen, die die Orgel erlebten, als sie erklang und die möglicherweise sogar auf ihr spielten, ebenso, welche Bedeutung die Firma Schlag und Söhne für den Orgelbau in Schlesien hatte, sollen nach der Wiederaufnahme des Schulunterrichtes in die Tat umgesetzt werden. Denn man hat sich ein ambitioniertes Ziel gestellt: Die Orgel soll am 15. November 2020, zum 300. Kirchenjubiläum, das erste Mal wieder erklingen.

 

BM

 

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