Für ihre unermüdlichen Bemühungen zur Pflege der deutschen Sprache und Kultur in Schlesien ist Rosemarie Kerner am 4. Juli mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

 

 

„In seinem Testament sagt mein Vater: Vertragt euch und vergesst nicht, dass ihr Deutsche seid. Meine Eltern würden sich heute sehr freuen“, sagt Rosemarie Kerner, als sie am vierten Juli die Auszeichnung im Breslauer Generalkonsulat erhält. Sie versichert, dass sie diese mit besonderem Stolz tragen werde.

 

Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht Generalkonsulin Ulrike Knotz für die vielen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten, durch die Rosemarie Kerner zur Pflege der deutschen Sprache und Kultur in Schlesien maßgeblich beigetragen hat.

 

Seit vielen Jahren ist Rosemarie Kerner Mitglied im Kuratorenrat der Eichendorff-Stiftung Lubowitz und Vorsitzende der Prüfungskommission – damit gestaltet sie Projekte aktiv mit, beispielsweise den Wiederaufbau des Lubowitzer Eichendorff-Schlosses. Es konnte bereits enttrümmert und die Mauern ausgebessert werden. Aktuell fasst man den Wiederaufbau des östlichen Teils ins Auge.

 

Darüber hinaus ist Rosemarie Kerner seit 1994 Vorsitzende des Gemeindevorstandes der sozialkulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien in der Gemeinde Kandrzin-Cosel, seit 19 Jahren ist sie Mitglied der Bezirksrevisionskommission und war zwei Legislaturperioden Schatzmeisterin des Kreisvorstandes. Sie kandidierte auch bei Wahlen auf Kommunal- und Parlamentsebene.

 

 

Schwere Vorwürfe gegen Goethe-Schule in Kosel-Rogau

Ihr Herzensanliegen ist jedoch die Bildung. Seit 2011 gehört sie der Initiativgruppe der Organisation der Bildungsgesellschaft Kosel-Rogau an, zur deren Vorsitzenden sie gewählt wurde. Die Gesellschaft ist Gründer und Träger des zweisprachigen Kindergartens und der Schule in Kosel Rogau, die den Namen Goethe-Schule trägt. Sie steht Kindern aus der deutschen Minderheit und der polnischen Mehrheit offen. Im Schuljahr 2016/17 zählten Schule und Kindergarten insgesamt 89 Kinder ab zweieinhalb Jahren.

 

„Ihre Kreativität, Ihre Energie und Ihr diplomatisches Geschick waren besonders im Jahre 2012 gefordert“, sagt die Generalkonsulin in ihrer Laudatio und spricht damit die enormen Schwierigkeiten an, in der die Schule zu diesem Zeitpunkt steckte. Denn als der Schule damals noch in der öffentlichen Trägerschaft der Stadt Kandzin Kosel war, drohte wegen Schülermangels die Schließung. Als in dieser Situation die deutsche Minderheit als Träger auftrat, entstand eine heftige öffentliche Kontroverse.

 

Der deutschen Minderheit wurde die rechtswidrige Übernahme einer polnischen Schule und damit eine Diskriminierung der Mehrheit durch die Minderheit vorgeworfen. „Sie, liebe Frau Kerner, standen diese schmerzhaften Attacken mutig durch und konnten mit ihren Verbündeten, mit Beharrlichkeit, Geschick und Pragmatismus den Widerstand einzelner Personen, die damals Einfluss auf das Geschehen nahmen, überwinden“, so die Generalkonsulin.

 

 

Mit mutigen Menschen neue Wege begehen

Für die lange Zusammenarbeit spricht in einer anschließenden Rede Rafal Bartek seinen Dank aus.„Ich kann mir eine deutsche Minderheit im Oppelner Schlesien ohne Sie gar nicht vorstellen“, sagt der SKGD-Chef und bedauert, dass es Menschen wie Rosemarie Kerner immer seltener gebe.

 

„Die Bildungsgesellschaft zu gründen, war mutig von Ihnen, dafür schätze ich sie sehr“, schiebt er nach. „Nur mit mutigen Menschen kann man neue Wege begehen.“

 

Das bekräftigt auch Gaida in einer Ansprache. Für den Chef des Dachverbandes der Deutschen Minderheit in Polen (VdG) sei die Auszeichnung Rosemarie Kerners eine Auszeichnung für die gesamte Volksgruppe. „Damit werden wir gesehen“, sagt er. „Es ist eine besondere Anerkennung für uns alle.“ Darüber hinaus hat Bernard Gaida ein ganz persönliches Anliegen. Er entschuldigt sich, dass er im Jahr 2012 aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes Rosemarie Kerner in den schweren Stunden nicht beistehen konnte.

 

Ganz besonders freut sich über die Auszeichnung auch Renate Zajaczkowska. „Endlich wieder mal eine Frau“, sagt die Vorsitzende der Deutschen Minderheit in Breslau (DSKG). „Viele Herren bekommen die Auszeichnung. Aber ohne die Frauen“, sagt sie, „wäre die Minderheit viel ärmer.“

Und ganz konkret kann man sagen: Die Deutsche Minderheit wäre ohne Rosemarie Kerner viel ärmer.

 

 

Marie Baumgarten