Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, January 21, 2022

Sanierung der Kreuzritter-Schlossruine hat begonnen

Nur wenige Spuren hat die Geschichte Ortelsburgs (Szczytno) hinterlassen. Die Stadt ist vor allem für ihr historisches Kreuzritterschloss bekannt. Das hochragende Bauwerk war einst Mittelpunkt der Stadt, heute erfüllt seine Ruine diese Rolle.

 

 

Ortelsburg (Szczytno) – Ruine des Kreuzritterschlosses.
Foto: Stadt Ortelsburg

 

 

Das Schloss blickt auf eine lange und reiche Geschichte zurück. Im Stadtzentrum zwischen dem Großen Haussee und dem Kleinen Haussee gelegen, wurde es in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts durch den Deutschen Orden, anstelle einer preußischen Vorzeitburg, als eine hölzern-irdene Trutzburg erbaut. Knapp zwanzig Jahre später wurde die Festung von litauischen Truppen unter Prinz Keistut verbrannt. Nach diesem Ereignis wurde zwischen 1370 und 1380 ein gemauertes Schloss errichtet. Dieses fungierte als wichtiges Verwaltungs- und Militärzentrum des Deutschordensstaates – seinen Sitz hatte dort der Komtur und Prokurator, der dieses Zentrum leitete. Nach der Auflösung des Deutschordensstaates und der Gründung des Herzogtums Preußen als Lehen der polnischen Krone im Jahr 1525 büßte das Schloss seine Bedeutung als Grenzbastion ein. Es blieb jedoch Landratssitz und sein Umbau in den Jahren 1579 bis 1581 zu einer Jagdresidenz der preußischen Herzöge hatte enormen Einfluss auf den starken wirtschaftlichen Aufstieg der Schlosssiedlung in nächsten Jahrhundert. 1628 und 1639 war im Jagdschloss, von dem es hieß, es sei das schönste in Preußen, der sich dort zur Jagd aufhaltende polnische König Wladislaw IV. zu Gast. 1656, während des polnisch-schwedischen Krieges, nahm das Ortelsburger Schloss zum letzten Mal seinen schützenden Bestimmungszweck wahr. Die Besatzung wehrte dabei einen Überfall tatarischer Hilfstruppen des polnisches Heeres ab.

 

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts geriet das Schloss in Verfall und wurde verlassen. Die Stadtverwaltung verschlimmerte noch den Ruin, indem sie Ziegelsteine vom Schlossgemäuer an Ortelsburgs Bürger für den Bau von Wohnungen verkaufte. Dabei wurden der Schlossturm und der Schlossflügel am Vorplatz sowie die Schutzmauer abgetragen. Auch die oberen Stockwerke der übrigen Flügel wurden damals vermutlich zerlegt.

 

Am Ende des 18. Jahrhunderts beherbergte das Schloss kein einziges Amt mehr. Es stand nur noch verwahrlost da und wurde folglich teilweise zerlegt. In den Jahren 1925 bis 1944 war in den Überresten des Bauwerks das Heimatmuseum Kreis Ortelsburg untergebracht.

 

 

 

Ortelsburg (Szczytno) – Schloss- und Heimatmuseum in den 1920er Jahren.
Foto: Archiv des Verfassers.

 

 

1937 wurde auf dem einstigen Schlossvorplatz ein vom Königsberger Architekten Kurt Frick entworfenes monumentales Rathaus erbaut, das einem mittelalterlichen Schloss ähnelte. Das Rathaus soll in den folgenden Jahrzehnten nichts von den Qualitäten des modernen Verwaltungssitzes einer Stadt verloren haben. Erbaut aus Beton und Eisen auf einem viereckigen Grundriss, der die Überreste des alten Schlosses mit Innenhof und einem 46 Meter hohen Turm in der südöstlichen Schlossecke umfasst, knüpft es an eine befestigte Burg an. Denn gemäß der Erwartungen der damaligen Stadtväter musste das Rathaus architektonisch die Anforderungen an ein modernes Bauwerk mit der historischen Tradition seines Errichtungsortes kombinieren.

 

Heute fungiert das Rathaus als Sitz der Stadt und des Landkreises Ortelsburg. Im Erdgeschoss seines Ost- und Südflügels befindet sich das auf der Basis von Sammlungen des deutschen Museums eingerichtete Masurische Museum Ortelsburg als Niederlassung des Allensteiner Museums des Ermlandes und Masurens.

 

Polenweit berühmt wurde das Ortelsburger Schloss vor allem durch den ersten polnischen Literatur-Nobelpreisträger, Henryk Sienkiewicz (1846-1916), der in diesem Bauwerk des Deutschen Ordens die Handlung seines Geschichtsromans „Die Kreuzritter“ ansiedelte. Dort soll Danusia, die hinterlistig entführte Tochter des Jurand von Puppen (poln. Spychowo) festgehalten worden sein. Das Schlossverlies wurde auch zum Ort der Inhaftierung des Komes. Diesem wurden auf Befehl des Komturs Siegfried der Löwe die Zunge und eine Hand abgeschnitten und er wurde geblendet.
Nach misslungenen Versuchen eines Wiederaufbaus wurden die Schlossmauern schließlich in den Jahren 1990 bis 1992 als Dauerruine abgesichert. Sie schließen von Westen den viereckigen Innenhof des städtischen Rathauses ab. Allerdings hat die Stadt ihr Bemühen um eine Sanierung der Schlossruine nie aufgegeben.

 

Im November 2017 wurde mit der damaligen Stadtbürgermeisterin Danuta Górska und dem stellvertretenden Woiwodschaftsmarschall Gustaw Marek Brzezin ein Vertrag über die Umsetzung des Projekts „Kreuzritterschloss Ortelsburg – ein neues touristisches Produkt der Woiwodschaft Ermland-Masuren” unterzeichnet.

 

 

Seit einem halben Jahr wird die Ruine des Ortelsburger Kreuzritterschlosses saniert. Tag um Tag fördert der Bauauftragnehmer dabei bislang unsichtbare Teile der Schlossruine zutage.. Die Sanierungsmaßnahme soll 2021 abgeschlossen sein.
Foto Stadt Ortelsburg

 

In der zweiten Jahreshälfte 2019 wurde nun mit der Sanierung der Schlossruine begonnen. Für die Restaurierung hatte die Stadt 15 Mio. Złoty erhalten, davon 7,9 Mio. Złoty aus der EU. „Es ist unser Vorzeigeprojekt und wir glauben, dass es zu einem Abschluss gebracht werden muss“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Ilona Bańkowska. Im Rahmen der bereits angelaufenen Arbeiten sollen die Überreste der alten Kreuzritterburg als eine denkmalgeschützte Dauerruine bewahrt werden. Die mittelalterlichen Mauern werden nun abgesichert und das unterirdische Gewölbe freigelegt und für Besucher zugänglich gemacht. Die Überreste des Bauwerks werden dabei ihr Erscheinungsbild ändern und neue Funktionen hinzugewinnen. Geplant sind u.a. ein Restaurant, ein Ausstellungsraum und ein Ort für Kammerkonzerte. Der einstige Hof soll auf das mittelalterliche Niveau abgesenkt werden. Dort soll zudem ein Brunnen rekonstruiert und in der südöstlichen Ecke eine kreisförmige Steinbastei aus der Erde geborgen werden. Wiederhergestellt und mit Wasser gefüllt wird auch der Burggraben. Das Ortelsburger Bauwerk gilt als Beispiel für eine kleine, aber stark fortifizierte Kreuzritterburg. In der Ruine wurden zuletzt Spuren einer Siedlung aus der Zeit vor mehr als 2.500 Jahren sowie das Fundament eines alten Ofens entdeckt.

Das sanierte Schloss soll, wie bereits vor Jahrhunderten, zu einem Aushängeschild der masurischen Stadt werden.

Alfred Czesla

 

Schloss Ortelsburg (Szczytno) – Schlossvorplatz auf einer Postkarte von 1939.
Foto: Archiv des Verfassers.

 

 

Ruine des Kreuzritterschlosses Ortelsburg (Szczytno).
Foto Stadt Ortelsburg.

 

 

 

Ruine des Kreuzritterschlosses Ortelsburg (Szczytno). Foto Stadt Ortelsburg.
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