Pfarrer Tarliński zeigt uns die komplette Sammlung unserer Zeitung seit 1991. Sämtliche Ausgaben sind in der Bibliothek verfügbar Foto: Łukasz Biły.

Pfarrer Tarliński zeigt uns die komplette Sammlung unserer Zeitung seit 1991. Sämtliche Ausgaben sind in der Bibliothek verfügbar Foto: Łukasz Biły.

Die beliebte Caritas-Bibliothek „Joseph von Eichendorff“ in Oppeln ist wohl die größte Büchersammlung der deutschen Minderheit nicht nur in Schlesien, sondern in ganz Polen. Zwar lesen die Menschen heutzutage immer weniger, doch in der Ulica Szpitalna ist neuerdings frischer Wind zu spüren. Dieser soll es leichter machen, die in der Bibliothek wartenden Schätze zu entdecken.

 

„Seit wir unsere Tätigkeit begonnen haben, ist bereits recht viel Zeit vergangen. Wie auch andere Einrichtungen der deutschen Minderheit feiern wir dieses Jahr unseren 25. Geburtstag. Die Idee war von Anfang an, das hier zusammengetragene Wissen für alle verfügbar zu machen, ungeachtet der Herkunft oder Nationalität. Deshalb wurde entschieden, diese Bibliothek über die deutsche Caritas einzurichten“, erinnert sich Pfarrer. Dr. Piotr Tarliński, Leiter der Caritas-Bibliothek und zugleich Seelsorger der deutschen Minderheit.

 

Das Jahr 2016 ist für die Bibliothek ein besonderes Jahr, nicht nur wegen des Jubiläums, sondern auch aufgrund einer erheblichen Änderung an ihrer Struktur. So haben zwei Neue die Reihen der Mitarbeiter verstärkt, von denen einer sich zuvor aktiv beim Bund der Jugend der Deutschen Minderheit engagierte. Aber auch beim Buchbestand erwartet die Bibliothek eine grundlegende Veränderung: „Tatsache ist, dass wir uns in einem gewissen Umbau befinden. Geholfen hat uns dabei sehr das deutsche Bundesministerium des Innern durch Vermittlung des Verbandes deutscher Gesellschaften, wodurch wir neue Ausrüstung erhalten haben. Und wir haben auch neue Mitarbeiter eingestellt. Wir können diese jungen Leute sehr gut gebrauchen, denn schon bald steht uns eine ganz große Aufgabe ins Haus“, berichtet Pfarrer Tarliński. Der Direktor spricht von einer anstehenden Digitalisierung der Bestände. Die Absicht dahinter ist, dass insbesondere ältere, inzwischen stark abgegriffene Bücher künftig in elektronischer Form zugänglich sein müssen, am besten im Internet. Langfristig soll die gesamte Büchersammlung der Caritas-Bibliothek auch digital zur Verfügung stehen.

 

Mit der Digitalisierung will die Bibliothek aber nicht nur ihr zusammengetragenes Wissen vor der ein jedes Papierbuch erwartenden Zerstörung bewahren. Man will auch den Zugang zu den Buchbeständen für alle Interessierten weltweit erleichtern. Und an interessantem Wissen herrscht in der Ulica Szpitalna kein Mangel. Pfarrer Tarliński nimmt uns mit in die Kellerräume der Bibliothek, wo sich wahre Schätze unseren Augen offenbaren: unter anderem die komplette Sammlung einer deutschen Zeitung, die in Breslau von 1933 bis 1945 erschien. „Da braucht man sich nur hier einzuschließen und kann schon eine Promotionsarbeit schreiben. Diese Zeitung vermittelt ein genaues Bild davon, wie die schlesische Gemeinschaft im damaligen Breslau auf die Diktatur der Nazis reagierte. Das sind ja Dinge, die nirgendwo beschrieben noch aufgearbeitet sind“, kommentiert Pfarrer Tarliński.

 

Das in der Caritas-Bibliothek zusammengetragene Wissen wäre nach Ansicht ihres Direktors perfekt geeignet als Ergänzung für ein Geschichtsforschungsinstitut der deutschen Minderheit. Da die Forschungsstelle am Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Zukunft womöglich nach einem eigenständigen Sitz suchen wird, werden z.Zt. nicht genutzte Räume der Caritas-Bibliothek mit Sicherheit wohl in Betracht gezogen.

 

Łukasz Biły