Der berühmte schlafende Löwe ist eine der schönsten Sehenswürdigkeiten von Carlsruhe

Der berühmte schlafende Löwe ist eine der schönsten Sehenswürdigkeiten von Carlsruhe

Wenn sich ein langjähriger, erfolgreicher Politiker mit Vergleichen wie „schlesisches Sanssouci“ oder „Schönbrunn Schlesiens“ aus dem Fenster lehnt, muss er wohl etwas ganz besonderes gesehen haben. So war es Falle des rheinland-pfälzischen Landtagspräsidenten Joachim Mertes, dem die Idee Carlsruhe (polnisch Pokój) in ein „Württemberg Paradies“ umzuwandeln, vorgestellt wurde. Bis dahin sei es aber noch ein langer Weg.

– Kompliment an die Menschen in Polen, dass man mit dem deutschen Kulturerbe dort so umgehen will – kommentierte Mertes nach dem Besuch in Carlsruhe am Donnerstag. Den Politiker verbindet eine langjährige Partnerschaft seiner Region mit der Woiwodschaft Oppeln. Dutzende Initiativen auf der wirtschaftlichen, touristischen-sowie Bildungsebene habe man gemeinsam auf die Beine gestellt, doch ein „Paradies“ aufzubauen, ist ein anderes Kaliber. Dennoch ist das Potenzial riesengroß. Was wenige wissen: Schon im 18. Jahrhundert machte Fürst Karl von Württemberg die kleine schlesische Ortschaft Carlsruhe (32 Kilometer von Oppeln entfernt) zu seiner Sommerresidenz und gab ihr deswegen den Namen nach der Großstadt seiner Heimat. Nicht nur der Name blieb aber nach dem Fürsten. Bis heute sind viele Kulturdenkmäler der Familie Württemberg noch erhalten: – Eine Besonderheit des schlesischen Carlsruhe ist der sogenannte Park von hundert Wunderleien. Das waren bis zu 200 Hektar von Blumen, Schlössern und herzoglichen Teichen. Zur Zeiten des Glanzes musste die Schönheit einen atemberaubenden Eindruck gemacht haben – sagt Liebhaber der Geschichte der Ortschaft Hubert Kołodziej. Je mehr er erzählt, desto mehr kommt einem eine Märchenlandschaft vor die Augen: Denkmäler, Kirchen und Fenstermalereien, sind nur einige Sehenswürdigkeiten, die er nennt.

Genau an dieses Erbe will jetzt die polnische Verwaltung der Oppelner Region anknüpfen. Da wie Joachim Mertes zugibt „vieles von der alten Schönheit den Zahn der Zeit und des Krieges gespürt hat und sich in einem katastrophalen Zustand befindet“, wandte sich der Oppelner Woiwode Ryszard Wilczyński mit einem offiziellen Antrag an das polnische Kulturministerium. Ziel ist, dass Carlsruhe den Status des „Kulturdenkmals“ erhalten soll. Dieser würde den Weg zu Fördergeldern für Renovierungen und Wiederbelebung der Landschaft erleichtern. Eine genaue Summe, die gebraucht wird, ist noch nicht bekannt, Vertreter des Oppelner Woiwodschaftsamt rechnen aber mit Ausgaben von „mehreren Millionen Zloty“.

Hilfe für die Wiederbelebung des Paradieses erhofft sich die Verwaltung auch aus Deutschland. Dabei müsste aber nicht Rheinlad-Pfalz sondern Baden-Württemberg weiterhelfen: Wir haben bereits bei der Vermittlung von Kontakten geholfen – sagt Joachim Metres. Wie so oft, könnte bei Vermittlung von Kontakten nach Deutschland auch die deutsche Minderheit helfen. Der erst im letzten Jahr im VdG anwesende Innenminister von BW Reinhold Gall könnte hier als erster Ansprechpartner dienen. Carlsruhe neuen Glanz zu verleihen, ist jedenfalls eine Aufgabe, die höchste Priorität verdient. Die Chance ein „schlesisches Sanssouci“ zu haben, haben wohl nur wenige Regionen im heutigen Polen, ja ganz Europa.