Das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit (HDPZ) organisiert  am 12. und 26. Mai Exkursionen entlang einer der einst stabilsten Grenzen Europas. Dörfer und Städte beiderseits dieser Grenze waren Teil unterschiedlicher Staatsgebilde.

Grenze in Herby
Foto: Privatsammlung

 

 

„Es gab nicht viele Grenzen in Europa, die sich durch eine derartige Stabilität auszeichneten, wie die 600 Jahre bestehende Grenze am östlichsten Rand von Oberschlesien“, so Dawid Smolorz, Autor und Journalist, der für das HDPZ beide Exkursionen zu den Relikten dieser Grenze leitet. „Vom 14. Jahrhundert bis 1922 bzw. 1939 schlängelte sich zwischen den Dörfern und Städtchen, die oft gegenseitig in Sichtweite lagen, eine Staatsgrenze. Die Gebiete westlich der Trennlinie gehörten den schlesischen Herzögen, danach waren sie Teil des Königreichs Böhmen, des Habsburgerreiches, Preußens und am Ende des vereinten Deutschen Reiches. Östlich von ihr erstreckte sich das Königreich Polen bzw. später die polnisch-litauische Adelsrepublik. Als diese im ausgehenden 18. Jahrhundert von ihren Nachbarn geteilt wurde, verschwand die Grenze für eine kurze Zeit. Doch schon 1807, nachdem Napoleon das Großherzogtum Warschau gegründet hatte, tauchte sie wieder auf. Seit 1815 war das Russische Reich der östliche Nachbar Oberschlesiens und nach 1918 der wieder erstandene polnische Staat“, berichtet Smolorz, der zu diesem Thema auch eine Ausstellung konzipierte.

 

Mentale Andersartigkeiten, unterschiedliche historische Erfahrungen und Entwicklungszustände bildeten eine eindeutige Kulturgrenze jedoch nie eine Sprachgrenze, weiß Smolorz, denn auch in den Gebieten, die außerhalb des polnischen Staates lagen, war der Gebrauch des slawisch-oberschlesischen Dialekts weit verbreitet. „Dieser Umstand wirkte sich jedoch bekanntlich nicht automatisch auf die Identität der slawischen Oberschlesier aus“, sagt er.

 

Das wohl bekannteste Symbol dieser Grenze ist das Dreikaisereck zwischen dem deutschen, dem österreichisch-ungarischen und dem russischen Kaiserreich, das schon im späten 19. Jahrhundert Reisende aus Mitteleuropa anzog. Von der Myslowitzer (Mysłowice) Innenstadt führte dorthin eine Allee, an der sich mehrere Lokale befanden. Direkt am Dreikaisereck konnte man Souvenirs kaufen, einen Blick ins russische Gebiet hinein werfen oder über eine Fußgängerbrücke auf die österreichische Seite hinübergehen. Dort wurden an Verkaufsständen zu – aus Sicht eines preußischen Bürgers – günstigen Preisen diverse Waren angeboten. Darüber berichtet Smolorz am 12. Mai, denn diese Exkursion führt von Myslowitz nach Sosnowitz (Sosnowiec).

 

Am östlichen Rande des oberschlesischen Kreises Lublinitz (Lubliniec) und etwa 20 km westlich von Tschenstochau entfernt liegt Herby, eine Ortschaft mit 2.500 Einwohnern, die heute aus einem oberschlesischen und einem ehemals kongresspolnischen Teil besteht. „Im 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts galt der kleine Grenzort Preußisch-Herby als Tor nach Russland. Hier endete das berechenbare Königreich Preußen, später das Deutsche Kaiserreich, und begann mit Russisch-Herby das endlose und für viele Europäer exotische Zarenreich“, berichtet Smolorz, der am 26. Mai die Reise nach Woischnik und Herby leitet. Treffpunkt für beide Reisen ist der HDPZ-Sitz in Gleiwitz, ul. Bojkowska 37 um 9:00 Uhr. Der Teilnehmerbeitrag beträgt 12,50 PLN, Anmeldung und Information unter haus.pl

 

K. Kandzia