Am frühen Samstagmorgen versammelten sich 50 Personen beim Sitz des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz, welches einen Ausflug entlang einer der einst beständigsten Grenzen Europas organisierte. So machten sich die Reiselustigen auf den Weg an Oberschlesiens östlichsten Rand.

 

Myslowitz: Über die Auswanderer-Registrierstation in Myslowitz (Mysłowice) reisten zwischen 1870 und 1914 ca. anderthalb Millionen Menschen nach Amerika aus.
Foto: Manuela Leibig

 

Die Leitung des Ausfluges übernahm hierbei Dawid Smolorz: „Das Besondere an der Grenze ist, dass sie ja so lange sich kaum verändert hat. In dem Teil Europas, der so oft von verschiedenen Kriegen heimgesucht wurde, ist das wirklich einzigartig. Das zeugt auch davon, dass die Ostgrenze Schlesiens bzw. die Westgrenze des polnischen Königreichs einigermaßen eine Friedensgrenze war.“ Gebäude und einzelne Gegenstände in der Landschaft zeugen noch von der Grenze. So machte die Gruppe den ersten Halt bei der Auswanderer-Registrierstation in Myslowitz (Mysłowice). „Zwischen 1870 und 1914 haben anderthalb Millionen Menschen aus Österreich-Ungarn und Russland sich hier registriert und ärztlich untersuchen lassen und Tickets für Zug und Schiff bekommen, um hier die Grenze zu überqueren und nach Amerika auszuwandern“, erklärte der Gruppe Dawid Smolorz. „Wir reisen gerne in ferne Länder, dabei gibt es hier in unserer Nähe so viel zu entdecken! Die Ausflüge vom Haus sind immer sehr spannend, und ich nehme gerne an ihnen Teil und lerne die Geschichte Schlesiens kennen. Und das, obwohl meine Vorfahren aus dem Osten kommen“ sagt Helena Szczepanek aus Gleiwitz.

 

Dreikaisereck: Heute erinnert kaum noch was an den einst für Touristen aus Mitteleuropa interessanten Ort.
Foto: Manuela Leibig

 

Ca. 2,5 Kilometer von Myslowitz entfernt liegt das „Dreikaisereck“. Dieses ist im Wald versteckt, die Teilnehmer des Ausflugs legen den Weg bis dahin zu Fuß zurück. Dieses Stück Land war die Grenzregion zwischen den mächtigsten Staaten Europas: Preußen, Russland und Österreich-Ungarn. Aus einem von Touristen gerne besuchtem Ort mit entsprechender Infrastruktur, wie Restaurants und Souvenirläden, wurde nach der Erlangung der Unabhängigkeit von Polen im Laufe der Zeit ein vergessener Ort: „Das ist nicht wunderlich, denn Polen wollte an die Zeit der Besatzung nicht erinnern“, sagt Dawid Smolorz.
Das HDPZ will demnächst weitere Ausflüge zu anderen Themen unternehmen. Einzelheiten in Kürze auf www.haus.pl und im Wochenblatt.

 

Manuela Leibig