Mit einer großen Abschlusspräsentation ging am 1. August das internationale Sommercamp für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren der deutschen Minderheiten aus Mittel- und Osteuropa zu Ende. Vor dem großen Finale mit Publikum standen aber zwei Wochen Spaß mit alten und neuen Freunden an der Orlík-Talsperre in Mittelböhmen unter dem Motto „Jugend bewegen – Europa gestalten“.

Für die Landesversammlung, das ifa, das Goethe-Institut und ihre Partnerorganisationen in den Teilnehmerländern und Deutschland endete das internationale Sommercamp in Tschechien am 1. August 2018.
Foto: Tomáš Randýsek

 

 

Das von der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik in Zusammenarbeit mit dem ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) und dem Goethe-Institut Prag veranstaltete Ferienlager war bereits das fünfte seiner Art und fand schon zum zweiten Mal in Tschechien statt. Nachdem 2015 die jugendlichen Camp-Teilnehmer die Gegend um Reitendorf (Rapotín) am Fuße des Altvatergebirges in Mähren erkunden durften, war diesmal die Landschaft um das beeindruckende Stauwerk der Moldau-Kaskade etwa 80 Kilometer südlich von Prag an der Reihe.

 

Dazwischen machte das Sommercamp Station in Valea lui Liman, etwa auf halber Strecke zwischen Temeswar (Timișoara) und Hermannstadt (Sibiu) in Rumänien, und Sensburg (Mrągowo) am Rande der Masurischen Seenplatte in Polen. Auch in Zukunft soll das Projekt jedes Jahr wandern und so den länderübergreifenden Aspekt unterstreichen. Die Umgangssprache im Sommercamp ist dabei Deutsch, wodurch die Jugendlichen ganz nebenbei auch noch ihre sprachlichen Fähigkeiten trainieren und ausbauen.

 

 

Lebendige Mischung

Ihr sprachliches Können nutzten die 84 Jugendlichen aber nicht nur bei der Freizeitgestaltung und der mittlerweile traditionellen Campolympiade, sondern auch in fünf gemeinsamen Workshops, deren Themen von Demokratieverständnis bis Umweltbewusstsein und von Medienkompetenz bis Integration reichten. Dabei halfen zehn engagierte Workshopleiter, die schon Monate vor dem eigentlichen Beginn des Ferienlagers ihr Programm bei einem Treffen im Prager Goethe-Institut abgestimmt hatten. Viele von ihnen waren schon zum wiederholten Mal beim Sommercamp dabei und konnten so ihre Erfahrungen aus den Vorjahren einbringen. Aber auch die Jugendlichen nehmen immer wieder gern am Camp teil. So gibt es schon zum Auftakt des Ferienlagers ein fröhliches Wiedersehen und zum Abschluss Freude auf das nächste Jahr.

 

Dabei sind Freundschaften nicht nur über Ländergrenzen, sondern sogar über Kontinente hinweg entstanden. Mittlerweile sind nämlich deutsche Minderheiten aus elf Ländern, darunter Tschechien, Polen und Rumänien, aber auch beispielsweise Ukraine, Kasachstan und Russland an dem Projekt beteiligt und schicken ihre Jugendlichen zum internationalen Austausch mit Gleichaltrigen. Auch die Lehrkräfte kommen aus verschiedenen Regionen Mittel- und Osteuropas und bringen ihre ganz eigenen Erfahrungswerte mit. So entsteht eine lebendige Mischung, von der alle Teilnehmer profitieren.

 

 

 

 

 

Ausflug mit Schirmherr

Aber nicht nur im Camp selbst lernten die Teilnehmer ihre Umwelt besser kennen. Zum umfangreichen Begleitprogramm gehörten auch Ausflüge. Unweit des Sommercamps besuchten die Jugendlichen zum Beispiel die Burg Orlík aus dem 13. Jahrhundert, die sich seit der Flutung des Stausees in den 1960er Jahren nur noch einige Meter über der Wasseroberfläche befindet. Die Burg ist heute ein Touristenmagnet und bietet neben Rundgängen durch die Anlage auch Ausstellungen an. Zudem befindet sich die Burg Orlík seit der Restitution im Jahre 1992 wieder im Besitz der Familie Schwarzenberg, deren wohl bekanntester Vertreter, Karel Schwarzenberg, nicht nur Politiker in Österreich und späterer Außenminister Tschechiens war, sondern auch die tschechische Schirmherrschaft über das Sommercamp übernommen hat.

 

Die deutsche Schirmherrschaft über das Ferienlager übernahm Bernd Fabritius, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Er wurde in Agnetheln (Agnita) in Rumänien geboren und unterstützt seit vielen Jahren die Belange der Donauschwaben, aber auch die weiterer deutscher Minderheiten. Fabritius besuchte das Sommercamp trotz seines vollen Terminkalenders auch persönlich und sprach mit den Jugendlichen über die Herausforderungen für Minderheiten in Deutschland und Europa.

 

Ein Tagesausflug führte die Jugendlichen auch nach Prag, wo sie einen Rundgang durch die Deutsche Botschaft absolvierten und dann von fachkundigen Fremdenführern von Pragkontakt durch die tschechische Hauptstadt geführt wurden. Kampa-Insel, Lennon-Wand und Karlsbrücke standen dabei auf dem Programm. Nach einem Eis ging es dann auf eigene Faust durch die Stadt zu Erkundungen, Besichtigungen und Einkauftouren.

 

 

Abschied und Vorfreude

Zurück im Camp gingen die Vorbereitungen für die Abschlussveranstaltung weiter. Dafür zogen die Jugendlichen und ihre Workshopleiter alle multimedialen Register und konnten schließlich vor großem Publikum Filme, Vorträge und sogar Schattentheater aufführen. Im Publikum saß dabei neben Vertretern der Deutschen Botschaft, des ifa und des Prager Goethe-Instituts auch das gesamte Präsidium der Landesversammlung, das seine Präsidiumssitzung extra in das Camp verlegt hatte. Die Abschlussveranstaltung wurde zudem von Mind_Netz, der Medienplattform des ifa für deutsche Minderheiten, bei Facebook live übertragen. Das Video ist als Aufzeichnung weiterhin abrufbar.

 

Für die Jugendlichen ging es am Tag nach der Abschlusspräsentation wieder zurück nach Hause. Obwohl vielen der Abschied von ihren Freunden schwerfiel, so bleibt doch die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen und dank sozialer Medien auch ein Kontakt über Ländergrenzen hinweg. Für die Landesversammlung, das ifa, das Goethe-Institut und ihre Partnerorganisationen in den Teilnehmerländern und Deutschland endete das zweite erfolgreiche internationale Sommercamp in Tschechien. Erste Planungen für das nächste Jahr haben aber bereits begonnen. Wo das Sommercamp dann stattfinden soll, wird aber noch nicht verraten.

 

 

Tomáš Randýsek