Neues Ratsmitglied in Klein Strehlitz Waldemar Weindich Foto: Konrad Bassek.

Neues Ratsmitglied in Klein Strehlitz Waldemar Weindich
Foto: Konrad Bassek.

Das hätte sicherlich anders laufen können: Zwar kann sich ab Mitte Juli die deutsche Minderheit (DMi) aus Klein Strehlitz über einen neuen Vertreter in der Lokalpolitik freuen, doch zu gleichen Zeit hat man einen in Groß Döbern verloren. Nun droht dort sogar der Verlust der Entscheidungskraft.

 

Beide Ergänzungswahlen – sowohl in Klein Strehlitz (Strzeleczki) als auch in Groß Döbern (Dobrzeń Wielki) – waren mit Rücktritten zweier bisheriger Ratsmitglieder aus privaten Gründen verbunden. Besonders groß waren die Erwartungen in der ersten Gemeinde, wo die DMi bei einer Wahl ihres Kandidaten die alleinige Mehrheit im Rat haben konnte. Der Deutsche Waldemar Weindich setzte sich schließlich mit 117 Stimmen durch. Der Sieg war aber alles andere als ein Selbstläufer, denn es entschieden über ihn nicht mal 30 Stimmen – der Gegenkandidat Krzysztof Szewior verfehlte mit 87 Stimmen nur knapp den Platz im Rat.

 

Die politische Mehrheit in Groß Strehlitz (Strzelce Opolskie) legitimiert auch die gesellschaftliche Kraft der Deutschen in der Gemeinde. Nach dem Zensus 2011 ist das Gebiet unter den Gemeinden, die den größten Minderheitenanteil nicht nur in der Oppelner Region, sondern auch polenweit haben.

 

Verpasst ist verpasst

 

Trotz dieser positiven Akzente ist kurioserweise das Status Quo der DMi beibehalten worden. Nachdem man nämlich ein Ratsmitglied in Klein Strehlitz gewonnen hat, hat man eines in Groß Döbern verloren. Die 6-Mitglieder starke Fraktion der DMi war bisher die stärkste Kraft im Döberner Rat, doch nach dem Rücktritt des stellvertretenden Gemeinderatsvorsitzenden Henryk Wosz galt es – um diesen Status beizubehalten – bis Mitte Juli ein Wahlkomitee zu registrieren und einen Kandidaten zur Wahl zu stellen. Dies haben die dortigen Deutschen aber – womöglich im Hinblick auf die Hektik, die mit der Vergrößerung von Oppeln verbunden war – leider verpasst: „Es gibt im Moment keine Möglichkeit mehr, ein weiteres Wahlkomitee zu registrieren. Die Frist hat nur eine Gruppierung eingehalten. Da diesbezüglich nur ein Kandidat zur Wahl steht, wird er am Tag der Wahl – den 25. September – ohne Abstimmung automatisch in den Gemeinderat aufgenommen“, sagt Kornelia Lawer-Kolecka aus dem Büro des Gemeinderates Groß Döbern. Bei dem einen Kandidaten handelt es sich um Rafał Kampa aus der Vereinigung „Aktywny Samorząd“ (Aktive Selbstverwaltung).

 

Erstmals gelassen

 

Nachdem die Registrierung eines eigenen Kandidaten verpasst wurde, droht der DMi in Groß Döbern sogar der Verlust der Entscheidungskraft. Außer den Deutschen (nun 5 Ratsmitglieder) werden in der neuen Konstellation auch vier andere Gruppierungen Ratsmitglieder stellen. Diese sind die Vereinigung „Nasza Wieś“ (Unser Dorf) (3), die Autonomiebewegung Schlesiens (1), die Vereinigung „Świerkle“ (1) und nun auch das Wahlkomitee „Aktive Selbstverwaltung“ (1). Dies bedeutet, dass sogar eine Koalition aller vier Gruppierungen gegen die DMi möglich wäre. Bei einem Stand von 6 zu 5 Stimmen hätten die Deutschen jeglichen Einfluss auf die Lokalpolitik damit verloren.

 

Der Chef der Döberner DMi im Gemeinderat Klemens Weber befürchtet das oben genannte Szenario aber nicht und sieht die Angelegenheit erstmals gelassen: „Die Zusammenarbeit mit den anderen Gruppierungen in unserem Gemeinderat war gut, ist gut und wird auch in Zukunft gut sein. Das neue Ratsmitglied Herr Rafał Kampa ist ein lokaler Aktivist, den ich sehr schätze und habe diesbezüglich keine Angst, dass wir die politische Mehrheit verlieren, nur weil er nicht der deutschen Minderheit angehört“, so Weber. Über politische Konstellationen will sich der Vorsitzende des Stadtrates keine Gedanken machen, sondern eher „die Einheit der Menschen ungeachtet nationaler Differenzen zeigen“. Dies müsse man tun, „weil man etwas hat, wofür man kämpfen muss“. Damit meinte er wohl den Teil der Gemeinde, der schon im kommenden Jahr an die Stadt Oppeln geht.

 

Łukasz Biły, Dominika Bassek