Ronald Urbanczyk ist 2011 das erste Mal nach La Gomera geflogen. Die Faszination der Insel lässt ihn seitdem nicht mehr los. Foto: Arche Noah Filmproduktion

 

Ronald Urbanczyk hat vor genau 30 Jahren seine oberschlesische Heimat verlassen. Als Spätaussiedler hat er mit der Familie ein neues Leben im Ruhrgebiet begonnen, wo er später als Filmemacher Fuß fassen konnte. Wie ihn die Erfahrungen der Aussiedlung geprägt haben und was ihn mit deutschen Auswanderern verbindet, das zeigt der gebürtige Beuthener nun in seinem aktuellen Film.

 

 

„Wenn der Winter zum Sommer wird“ heißt das neueste Projekt von Ronald Urbanczyk. Ein Dokumentarfilm über die Sehnsucht des Menschen nach einem anderen, vermeintlich besseren Leben. Eine Sehnsucht, die der Filmemacher gut kennt. Ronald Urbanczyk  ist 1976 im oberschlesischen Beuthen (Bytom) zur Welt gekommen – damals wie heute ein Ort der Trostlosigkeit, den viele junge Menschen verlassen, um anderswo ihr Glück zu suchen. 1985 haben die Eltern die Genehmigung zur Ausreise in den Westen erhalten. Mit gemischten Gefühlen hat die Familie die oberschlesische Heimat verlassen. Die Oma war schon alt und so krank, dass eine Ausreise für sie unmöglich wurde, sie blieb zurück – für die Familie ein schwere seelische Belastung.

 

 

 

 

 

Doch es war die Hoffnung auf eine bessere, chancenreiche Zukunft für die beiden Kinder Ronald und Robert, die der Familie bei dieser schwierigen Entscheidung Kraft gegeben hat. Im Ruhrgebiet fand die Familie ein neues Zuhause, und Ronald Urbanczyk konnte sich hier als Filmemacher verwirklichen.

 

Foto: Arche Noah Filmproduktion

 

Überall in der Welt beschließen Menschen auszuwandern, um, so wie Familie Urbanczyk, an einem anderen Ort ein neues Leben zu beginnen. Die Motivation ist oft die selbe, und die Hoffnungen und Erwartungen sind groß. Bei deutschen Aussteigern ist Valle Gran Rey auf der Insel La Gomera besonders beliebt und sie ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Bereits in den 70ern kam eine bunte Vielfalt von Aussteigern, Rebellen und Hippies hierher. Ihnen folgen bis heute Naturliebhaber, Künstler und Andersdenkende, die oft Heilung vor dem reiz- und stressüberfluteten Zuhause suchen und finden.

 

Foto: Arche Noah Filmproduktion

 

Ronald Urbanczyk ist 2011 das erste Mal auf die Insel geflogen. „Nach einer langjährigen, gescheiterten Beziehung wollte ich dort wieder meine Mitte finden“, sagt Urbanczyk. Er wurde nicht enttäuscht. „ Noch weitaus mehr als erwartet ist mir auf der Insel möglich geworden.“ Bis heute lässt ihn die Faszination der Insel nicht los. Urbanczyk hat deshalb beschlossen, in seinem Film eine Brücke zu schlagen zwischen den Aussteigern auf La Gomera und der eigenen Migrationsgeschichte.

 

Im Vordergrund stehen einzelne Lebensschicksale deutscher Neu-Insulaner, die auf  La Gomera ihre Sehnsucht nach dem besseren Leben zu stillen versuchen. Ob und wie ihnen das gelingt, dokumentiert Urbanczyk in hinreißenden Bildern vor einer idyllischen Naturkulisse. „Das Valle Gran Rey dient vielen deutschen Immigranten als Ort der Inspiration. Es birgt positive Energie und wirkt motivierend. Das Besondere möchte ich dem Zuschauer näher bringen und ihn daran teilhaben lassen“, sagt Urbanczyk.

 

Die eigene Migrationserfahrung eines Spätaussiedlers, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt, davon ist der 42-Jährige überzeugt,  helfen, einen unmittelbaren  Zugang zu den Identitätsfragen der deutschen Insulaner zu finden.

 

 

Der Film „Wenn der Winter zum Sommer wird“ soll in seiner inhaltlichen und gestalterischen Aufmachung frei von senderspezifischen TV-Formatvorgaben sein. Aus diesem Grund wird er aus eigenen Mitteln finanziert. Bis zum zweiten Dezember kann man das Projekt durch Crowdfunding unterstützen: www.startnext.com/wenn-winter-zum-sommer-wird

Mehr unter www.archenoah-film.de

 

Marie Baumgarten