Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, January 25, 2022

Nicht nur Bahnhof verstehen

Robert Garbe

Viele kleine Jungs, und manchmal auch die etwas größeren, spielen gerne mit Modelleisenbahnen. Für einen Tag Lokführer sein, das wäre doch ein Traum! Selten aber wird aus einem Kindheitstraum ein Beruf. Ausgenommen bei Robert Garbe. Der durfte sein ganzes Leben lang mit der Eisenbahn „spielen“.

 

Robert Garbe Rysunek: Krzysztof Stręcioch

 

Geboren am 9. Januar 1847 in Oppeln als ältester Sohn des Schlossermeisters Ferdinand Garbe, erlernte der kleine Robert zunächst den Beruf seines Vaters. Er wollte aber kein Schlossermeister werden und ging nach Breslau, um an der Bauschule weiter zu lernen. Dort arbeitete er zugleich in den Hauptwerkstätten der Oberschlesischen Eisenbahn und bestand im Frühjahr 1867 das Examen zum Lokomotivführer. Er ruhte sich aber nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern studierte weiter: erst in Brieg und dann an der Königlich Preußischen Gewerbeakademie zu Berlin. Sein Studium beendete er in allen Fächern mit den besten Noten! Nicht verwunderlich also, dass ihn die Oberschlesische Eisenbahn gleich als Konstrukteur einstellte. Später wechselte er nach Berlin, nach Frankfurt an der Oder und wieder zurück nach Berlin, und stieg kontinuierlich die Karriereleiter empor.

 

 

Immer beeindruckender wurden auch seine Arbeitsplatzbeschreibungen: Königlicher Eisenbahn-Maschinenmeister, Königlicher Eisenbahn-Maschineninspektor und schließlich, ab 1890 Königlicher Eisenbahndirektor.

 

Garbes größtes Verdienst war die Einführung der Heißdampfloks in Preußen. 1902 konstruierte er seine erste Güterzuglokomotive. Davon wurden 1.000 Exemplare gebaut. Die Garbe-Lokomotiven erzielten gute Leistungen und waren einfach zu bauen. Es ging Robert Garbe nicht darum, die schnellste Lok auf die Gleise zu schicken. Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit, das waren vielmehr die Ziele, die er als Konstrukteur angestrebt hat.

 

Die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg verlieh Robert Garbe, dem Sohn eines einfachen Schlossermeisters aus Oppeln, aufgrund seiner Verdienste um die Entwicklung der Heißdampflokomotive 1912 die Würde eines Dr.-Ing. c.h. (Doktor-Ingenieur ehrenhalber).

 

Anna Durecka

 

Die Veröffentlichung „Superhelden_innen Schlesiens“ wurde vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit herausgegeben und aus Mitteln des Goethe-Instituts Krakau finanziert. Man kann sie kostenlos unter www.haus.plrunterladen.

 

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