Der Lehrstuhl für Germanistik der Ermländisch-Masurischen Universität in Allenstein hatte zusammen mit den Österreichischen Instituten in Breslau und Krakau die Österreichischen Tage organisiert. In einem vielfältigen Angebot zu sprachlichen Fragen, Literatur, Landeskunde und Musik fanden Dozenten und Studierende, Lehrer und Schüler Anregungen zur Beschäftigung mit Österreich im Deutschunterricht.

 

Jugendliche beim Österreich-Puzzle
Foto: Uwe Hahnkamp

Ein wichtiges Anliegen dabei war den Vertretern der Germanistik gerade die Verbindung zu Mittelschulen, in denen Deutsch unterrichtet wird. „Wir haben Lehrer und Schüler gezielt zu Werkstätten über allgemeine Landeskunde, aber auch zu den fachspezifischen Vorlesungen eingeladen“, sagte Professor Anna Dargiewicz, die Leiterin des Lehrstuhls, die sich dank solcher Veranstaltungen steigende Studentenzahlen bei der Germanistik erhofft.

 

Doktor Aneta Jachimowicz, die die organisatorische Leitung übernommen hatte, war es gelungen, mit dem emeritierten Professor Sigurd Paul Scheichl von der Universität Innsbruck einen hervorragenden Kenner der österreichischen Literatur und Sprache zu gewinnen. In seinem Eröffnungsvortrag ging es um das Sprachbewusstsein in Österreich, das durchaus anders ist als in Deutschland. „Wenn jemand österreichisches Deutsch verwendet, geht es häufig um ein Abgrenzen vom übermächtigen Hochdeutsch, um ein Bewahren der eigenen Tradition“, erklärte Professor Scheichl.

 

 

Sprache und Geschichte

Doch es gibt dafür auch historische Gründe, so Andreas Kurz vom Verein Kultur und Sprache in Wien, der für das österreichische Bildungsministerium im Ausland Dozenten und Lehrer für Deutsch betreut, in einem Vortrag über die Erste Republik. „Österreich war nach 1918 auf einmal sehr klein und die Österreicher wussten nicht mehr, wer sie oder ihr Land noch sind“, machte Andreas Kurz deutlich, „also versuchte man, das Land dem Deutschen Reich anzunähern.“ Eine Verbindung der Staaten wurde von den Siegermächten politisch verhindert, aber sowohl die Demokraten der Ersten Republik (bis zum Jahr 1934) als auch die österreichischen Faschisten im Ständestaat (1934-1938) sprachen bei offiziellen Anlässen das damalige Reichsdeutsch. „Nach 1945 und der Gründung der heute noch existierenden Zweiten Republik suchte man andere, österreichisch sprechende Vorbilder wie den bekannten Wiener Schauspieler Hans Moser oder später den Kabarettisten Helmut Qualtinger“, beschrieb Professor Scheichl den Wandel.

 

 

Österreichische Kultur

Er hatte außerdem für die Studierenden eine Übung zur Interpretation von österreichischer Lyrik vorbereitet, um ihnen zum einen Poesie, zum anderen die selbst Germanisten häufig eher unbekannte österreichische Literatur näher zu bringen. „Es war zu spüren, dass sie noch wenig mit Gedichten zu tun hatten, aber zum „Reiselied“ von Hugo von Hofmannsthal brachte eine Studentin eine Deutung ins Spiel, die ich so noch nie gesehen habe“, freute er sich über das lebhafte Interesse.
Die Studierenden der Germanistik selber hatten für Schüler eine landeskundliche Reise mit mehreren Stationen zu Essen, Geographie, Festen oder bekannten Persönlichkeiten gestaltet, wo diese sich der Kultur Österreichs spielerisch nähern konnten. Außerdem gaben sie als Ergänzung einer von Andreas Kurz geleiteten Werkstatt zu moderner österreichischer Musik am Abend des sechsten November ein kleines Konzert mit Liedern von Udo Jürgens, der einer der bekanntesten Liedermacher Österreichs war.

 

Uwe Hahnkamp