Am 23. März zeigten Schüler aus Grundschulen und Gymnasien des Kreises Neidenburg (Nidzica), die Deutsch als Minderheitensprache lernen, wie gut sie auf Deutsch singen können. Anlass war der dritte Walter-Kollo-Gesangswettbewerb im Rittersaal der Burg in Neidenburg.

Insgesamt 13 Schülerinnen und ein Schüler nahmen am Deutschen Liederwettbewerb in Neidenburg teil.
Foto: Uwe Hahnkamp

Die Zahl der Schüler, die in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Deutsch als Minderheitensprache lernen, steigt seit Jahren stetig an. Ein Schwerpunkt liegt dabei im Kreis Neidenburg. Dort haben Sabina Wylengowska, Deutschlehrerin und Vorsitzende der Neidenburger Gesellschaft der deutschen Minderheit, und Rafał Ziółkowski, der Direktor der Grundschule „Johannes Paul II.“ in Grünfließ (Napiwoda), einen Gesangswettbewerb ins Leben gerufen. Er soll um Schülern in ihrem Landkreis ermöglichen, ihr Können zu präsentieren.

Der Namensgeber des Projekts, Walter Kollo, wurde am 28 .Januar 1878 in Neidenburg geboren. Bekannt wurde er in Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts für seine Operetten und Schlager. Die Musikauswahl der jungen Sänger wäre sicher nach seinem Geschmack gewesen. Während die Jüngsten aus den Klassen eins bis drei deutsche Volks- und Kinderlieder vortrugen wie „Grün, grün, grün sind alles meine Kleider“, wählten die Älteren überwiegend moderne deutsche Musik wie beispielsweise von Helene Fischer und Anette Louisan. Dabei suchten sie durchaus die Herausforderung anspruchsvoller Texte und schwieriger Melodien. Ein Kriterium für die Bewertung war neben sprachlichem und musikalischem Können auch der Gesamteindruck auf der Bühne.

Bei den Klassen eins bis drei erfüllte Oliwer Reguła aus Neidenburg, bei den Klassen sieben bis neun Paulina Gontarska aus Lahna diese Kriterien am besten und so trugen sie den Sieg davon. Lange Diskussionen gab es bei den Klassen vier bis sechs, weil es hier besonders viele sehr gute Leistungen gab. Am Ende setzte sich Maja Brzozowska aus Neidenburg durch und wurde sogar, als besondere Auszeichnung, von Edyta Gładkowska, der Vertreterin der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein und Mitglied der Jury, zum Sommerfest der deutschen Minderheit im Juni in Osterode eingeladen.

Insgesamt 13 Schülerinnen und ein Schüler stellten sich mit je zwei Liedern den kritischen Ohren und Augen der vierköpfigen Jury. Preise gab es natürlich für alle Teilnehmer, aber vor allem verbessern die Schüler durch die Vorbereitung auf den Walter-Kollo-Gesangswettbewerb ihr Deutsch erheblich. Und gerade das ist in der Region ein wichtiges Anliegen, wie die Schirmherrschaft von Neidenburgs Bürgermeister Jacek Kosmala deutlich macht. Aus diesem Grund wird es voraussichtlich auch im kommenden Jahr wieder einen deutschen Liederwettbewerb in der rund 21 000 – Einwohnerstadt geben.

Uwe Hahnkamp