Das erste Exponat des Monats des Museums der Moderne des Städtischen Kulturzentrums Allenstein MOK im Jahr 2019 präsentierten Artur Sobiela und Rafał Bętkowski am 22. Januar. Dabei handelt es sich nicht um ein Ausstellungsstück, sondern gleich um acht – historische Straßenschilder Allensteins von Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts.

Artur Sobiela spricht über Allensteiner Straßenschilder aus deutschen Zeiten. Foto: Uwe Hahnkamp

 

 

Die Straßenschilder stammen alle aus der gleichen Zeit, Ende der 1880er-Jahre, als die Schilder im Deutschen Reich ein einheitliches Aussehen bekamen. Historisch interessant ist, wann und warum sie abgenommen wurden. „Aus Straßenschildern kann man viel ablesen, daher ist es schade, dass man sie so wenig beachtet, und sie oft spurlos verschwinden, wenn sie entfernt werden“, bedauert Artur Sobiela vom Museum der Moderne.

 

Heute ist das nicht mehr ganz so, denn dank des Internets gibt es einen Markt von Sammlern, die Interesse an solchen Gegenständen haben. „Genau dort tauchte auf einer Auktion der Satz Straßenschilder aus Allenstein auf, gut erhalten von einem Dachboden. Es gelang uns, dank des MOK, ihn zu erwerben“, freut sich Rafał Bętkowski. Er vermutet als ursprünglichen Eigentümer eine Person mit Verbindung zur Allensteiner Stadtverwaltung, die es nicht übers Herz brachte, die alten Schilder wegzuwerfen.

 

 

Die Schicksale der Schilder im Museum der Moderne umfassen einen großen Teil des 20. Jahrhunderts. Die „Guttstädter (auch Guttstaedter) Chaussee“ etwa führte von der Allensteiner Altstadt nach Norden. Als sich die Stadt entwickelte, wurde aus einem Teil der Chaussee die Guttstädter Straße, 1903 bis zur heutigen Stadtgrenze die Königsstraße und 1933 die Adolf-Hitler-Allee. „Es sind übrigens mehr Änderungen von Straßennamen in Allenstein mit dem Jahr 1933 als mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verbunden“, erklärt Artur Sobiela, „die Nationalsozialisten wollten damals so ihre Macht beweisen.“ Sogar die „Zeppelinstraße“, die nach langer öffentlicher Diskussion 1909 die „Obervorstadt“ ersetzt hatte, die damals durch die Stadtentwicklung unpassend und unmodern geworden war, musste weichen.

 

Erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand vom Stadtplan die ulica garncarska (früher „Töpferstraße“) mit ihren historischen Häusern. Dort, zwischen evangelischer Kirche und Allensteiner Burg, verläuft heute eine Promenade mit Cafés. Bis heute existiert dagegen die ehemalige „Steingasse“. „Das sollte aus Sicht des MOK das wichtigste Stück der Sammlung sein, denn das Schild hing am Gebäude eines Warenspeichers in der Innenstadt, der heute als Galerie ´Spichlerz´ zum MOK gehört“, so Rafał Bętkowski. Die Steingasse ist ein kleines Gässchen, das weder auf dem damaligen Stadtplan noch im Straßenverzeichnis erfasst war. Anfangs weckte der Name daher sogar Zweifel, ob die Schilder nach Allenstein gehören; Rafał Bętkowski gelang es jedoch kurz vor der Vorstellung der Exponate, sie auf Katasterplänen ausfindig zu machen.

 

 

Uwe Hahnkamp

 

BU: Artur Sobiela, Museum der Moderne: „Aus Straßenschildern kann man viel ablesen. Es ist schade, dass man sie so wenig beachtet, und sie oft spurlos verschwinden.“