Textautor und erster Seelsorger der Deutschen in der Diözese Oppeln, Prälat Wolfgang Globisch (links) zusammen mit dem Ururenkel des Namensgebers der Eichendorff-Bibliothek, Georg Freiherr von Eichendorff Graf Strachwitz  Foto: Johannes Rasim

Textautor und erster Seelsorger der Deutschen in der Diözese Oppeln, Prälat Wolfgang Globisch (links) zusammen mit dem Ururenkel des Namensgebers der Eichendorff-Bibliothek, Georg Freiherr von Eichendorff Graf Strachwitz
Foto: Johannes Rasim

Jahrelang sehnte sich die ältere Generation nach Gottesdiensten in deutscher Sprache, mit den von Kindheit vertrauten Liedern. Endlich, nach 45 Jahren Unterdrückung, sollte der Traum in Erfüllung gehen.

 

Den Anfang machte die deutschsprachige Heilige Messe am 4. Juni 1989 auf dem Sankt Annaberg. Es folgten weitere, jeden Sonntag nachmittags. So dauerte es nicht mehr lange, bis der Ruf aus den Gemeinden kam: ,,Wir wollen die deutsche Sprache auch wieder in unserer Kirche haben!“. Es war kein leichtes Unterfangen, fehlte es doch an liturgischen und Gesangsbüchern, und die Geistlichen waren größtenteils sprachlich überfordert.

 

Anfang September 1989, während der Priesterkonferenz in Oppeln, bat mich Bischof Alfons Nossol, dass ich mich der Problematik der deutschsprachigen Seelsorge annehme.

 

Erste Richtlinien für die Seelsorger

 

Die ersten Richtlinien erhielten die Gemeinden im November 1991. Laut Amtsblatt der Diözese Oppeln (Wiadomości Urzędowe Diecezji Opolskiej) vom Oktober 1990 sollte die Seelsorge der Minderheiten das Feiern der Gottesdienste in der „Sprache des Herzens“ fördern und dadurch helfen, das Verhältnis zu Gott und der Heimat zu vertiefen. Auch solle die Seelsorge der Minderheit regionales Brauchtum bewahren und religiös-kulturelle Initiativen unterstützen. Beim Gebrauch der „Sprache des Herzens“ in der Kirche müsse man die Rechte aller Gemeindemitglieder berücksichtigen. So habe ein Pfarrer die Pflicht, in umsichtiger Weise die Bitten der Gläubigen nach Gottesdiensten in deutscher, mährischer, litauischer, ukrainischer oder einer anderen Sprache zu erfüllen.

 

1992 wurden weitere Richtlinien für die Seelsorge der Minderheiten im Diözesanamtsblatt veröffentlicht. Die Veröffentlichung beinhaltete einen Aufruf des Oppelner Bischofs Alfons Nossol, der am 3 November 1992 schrieb: „In den Gemeinden, in denen die ersten Richtlinien verwirklicht und die Liturgie in der „Sprache des Herzens“, unter Berücksichtigung der pastoralen Anliegen, in kluger Weise eingeführt wurden, verlief es meistens problemlos und die Gläubigen sind ihren Seelsorgern äußerst dankbar. Eine besondere Anerkennung gebührt all den Priestern, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, und viel Mühe aufgebracht haben, um den Menschen effektiver zu dienen (…). Leider gibt es aber immer noch Gemeinden, deren Seelsorger den Gläubigen das Recht zu Feier der Liturgie ihrer Sprache verweigern. Um Missverständnisse zu vermeiden, lege ich Folgendes fest:

 

– Alle Minderheitsgruppen: Deutsche, Ukrainer, Mährer und Armenier haben das RECHT, möglichst jeden Sonntag und Feiertag, eine Heilige Messe in ihrer Muttersprache zu feiern.

 

– Die Gläubigen haben das Recht auf eine sprachlich korrekte Liturgie. Der Seelsorger sollte sein Möglichstes tun, um die Liturgie in der Sprache der Minderheit würdig zu feiern

 

– Der Wortgottesdienst sollte zweisprachig sein, um auch denen die Teilnahme zu ermöglichen, die die Sprache nicht beherrschen. Dies betrifft die Einführung, eine der Lesungen, das Evangelium, die Predigt und die Fürbitten. (…). Alle Mitbrüder bitte ich inbrünstig, sich der Problematik der Seelsorge für die Minderheiten anzunehmen und auch anderen nahe zu bringen (…)“, schrieb Bischof Nossol.

 

Umfragen zu deutschen Messen

 

1996, 2000 und 2001 wurden Fragebögen an die oberschlesischen DFK-Vorstände und die Priester in den betroffenen Gemeinden gesandt. Die Antworten zeigten, dass eine ständige Motivation und Anregungen notwendig sind, damit deutschsprachige Gottesdienste regelmäßig stattfinden können. Die 45-jährige Verbannung der deutschen Sprache hinterließ ihre Spuren, deshalb wurde Bischof Nossol gebeten, bei den jährlichen Priesterkonferenzen über die Notwendigkeit einer Hilfestellung für deutschsprachige Gottesdienste zu sprechen. Daher wurden mehrmals Priesterkonferenzen bezüglich deutscher Gottesdienste einberufen. Seit 1997 stand im bischöflichen Visitationspotokoll die Frage an den Pfarrer: ,,Werden in ihrer Kirche Gottesdienste in deutscher Sprache gehalten?“. Alle Theologiestudenten im Priesterseminar wurden verpflichtet, am deutschen Lektorat teilzunehmen.

 

Eine besondere Chance für die Rückkehr zur Normalität in den Kirchen der

 

Oppelner Diözese war die von Erzbischof Nossol 2002 einberufene Diözesansynode. Alle DFK-Gemeinden wurden vom Beauftragten für Minderheitenseelsorge besucht, informiert und angeregt Angaben an das Synodalsekretariat zu senden, um eine rechtliche Grundlage für die deutsche Sprache in den Kirchen der Diözese zu erreichen. Zahlreiche Eingaben der DFK-

 

Vorstände um eine gerechte Reglung der deutschsprachigen Seelsorge sind beim Sekretariat der Synode eingegangen. Inzwischen beschäftigte sich die Synodalkommission für die Seelsorge der Minderheiten unter dem Vorsitz des Beauftragten sehr intensiv mit der Erstellung von Vorlagen für die Synodalstatuten. Seit dem 28. Juni 2005 sind die 15 Synodalstatuten eine rechtliche Grundlage für die geistliche Betreuung der Deutschen und der Roma.

 

Erste zweisprachige Gebetsbücher

 

Bereits 1988 hatte der aus Oberschlesien stammende Professor Joachim Piegsa in Augsburg ein zweisprachiges Gebetbüchlein unter dem Titel: „Weg zum Himmel. Droga do nieba“ für Spätaussiedler, die in Scharen in die Bundesrepublik kamen und sich in den Kirchen nicht zurechtfanden, herausgebracht . Mit Unterstützung der deutschen Bischöfe wurden 286.000 Stück gedruckt, davon kamen 250.000 nach Oppeln. Auf diese Weise konnte nun jeder auch ohne deutsche Sprachkenntnisse an der Heiligen Messe teilnehmen. Auch alle Geistlichen, die es wünschten, bekamen deutsche liturgische Bücher von der Deutschen Bischofskonferenz geschenkt. Außerdem wurden für Priester Messetexte und Sonntagslesungen als Audioversion auf Kassetten zu Verfügung gestellt. Hinzu kam, dass die Bundesregierung für jedes Dekanat Kopierer und Büromaterial zu Verfügung stellte, damit eine Art Hilfsmaterial für Gottesdienste als Kopien an alle betroffenen Gemeinden versendet werden konnten.

 

Neuer „Weg zum Himmel“

 

Das Gebetbüchlein aus dem Jahr 1989 stellte sich bald als nicht ausreichend dar. In Zusammenarbeit mit dem Regens des Priesterseminars, Dr. Joachim Waloszek, gelang es im Jahre 1997 ein neues Gebet-und Gesangbuch mit 910 Seiten zu erstellen. Der neue „Weg

 

.zum Himmel. Droga do nieba“ war das erste Andachtsbuch polenweit mit Noten. Die Auflage von 50.000 Exemplaren war in wenigen Wochen vergriffen. Inzwischen sind vier Auflagen mit ca. 100.000 Exemplaren gedruckt worden. Auf Wunsch älterer Menschen wurde auch eine Ausgabe im Großformat herausgegeben. Seit 2007 gibt es den „Kleinen Weg zum Himmel. Mała droga do Nieba“ für Kinder.

 

Um den Organisten die musikalische Begleitung der deutschen Messen zu erleichtern wurde 2003 ein Orgelbuch (Choral) erstellt. Für die Gestaltung des Martinsfestes und die Sternsinger gibt es Broschüren in deutscher Sprache.

 

Die Heimatkirche

 

Für die Zusammenkünfte der Deutschen in ihren Ortsverbänden wurde das Liederbuch „Stimme des Herzes – Głos serca” herausgegeben. Darin findet man moderne, religiöse, Volks-und Kinderlieder. Die erste Ausgabe erschien 2003 und vier Jahre später die zweite, erweiterte Auflage.

 

Um die Problematik der Minderheitenseelsorge möglichst umfassend an die

 

Gläubigen heranzutragen, entstand die Idee eines Informationsblattes. Die ersten 67 Nummern wurden durch die DFK-Vorstände kopiert und an die Mitglieder verteilt, bis sich das Deutsche Generalkonsulat bereiterklärte, den Druck zu finanzieren. Seit April 2006 (Nr. 68-69) erscheint die Heimatkirche in einer Auflage von 6.200 Exemplaren der deutschen Version und 6.000 Exemplaren als Kurzfassung in Polnisch.

 

Diese 25 Jahre waren keine leichte Zeit, aber ein gesegneter Abschnitt in der Geschichte Oberschlesiens.

 

Prälat Wolfgang Globisch/kan