Der Europarat hat Dänemarks Minderheitenpolitik keine Höchstnote ausgestellt

Schon zu einer Tradition ist es geworden, dass die Experten, die sich im Europarat mit Themen der nationalen Minderheiten befassen, einen periodischen Bericht veröffentlichen, der die Situation der jeweiligen Minderheiten in Europa beschreibt. Nun liegt ein solcher Bericht auch für die deutsche Minderheit in Dänemark vor. Obwohl deren Status als beispielhaft gilt, gab es von den Experten nicht in allen Bereichen Lob.

 

Dass das Wort der Experten des Europarates viel wiegt, weiß auch beispielsweise die deutsche Minderheit in Polen. Von den von ihnen veröffentlichten Berichten wird nämlich auch die Regierung der jeweiligen Länder in Kenntnis gesetzt. So hat Polen beispielsweise Anweisungen bekommen, inwiefern es die Situation der deutschen Minderheit und der ihrer Sprache verbessern kann und muss.

 

Die meisten Dinge, welche die Experten für Polen vor einiger Zeit angesprochen haben, sind für die deutsche Minderheit in Dänemark längst geregelt. Die Volksgruppe gilt als Modellbeispiel für die anderen Minderheiten in Europa, verfügt über ein ausgeprägtes Schulsystem in der Sprache der Minderheit, kann politisch aktiv sein und erfreut sich der allgemeinen Zweisprachigkeit in der Öffentlichkeit, besonders in Nordschleswig – der Heimatregion von Dänemarks Deutschen. Dies spricht auch der Europarat in seiner neuesten Pressemitteilung zu der Minderheit an. Die Analyse der Situation der Deutschen in Dänemark zeigte demnach „einen zufriedenstellenden Stand der Dinge, wenn es um die deutsche Sprache in der Bildung und im kulturellen Bereich geht. Großes Lob nach Meinung der Experten des Europarates verdienten die Minderheitenschulen, die es in Dänemark gibt: „Es gibt in Dänemark die Möglichkeit, eine deutsche Bildung auf allen Ebenen des Bildungsweges zu erhalten.“ Eine so starke Unterstützung der deutschen Bildung in dem Land, sei aber kein Zufall, denn „die deutsche Sprache war die einzige Sprache, die sich Dänemark verpflichtet hat, im Rahmen der Europäischen Sprachencharta zu unterstützten.“

 

Trotz der allgemein guten Einschätzung der Situation von Dänemarks Deutschen, gab es aber für das Land nicht nur Lob, sondern auch – ähnlich wie in Polen – Verbesserungsbedarf. Dies betrifft vor allem den Bereich der deutschen Medien, der nach dem Rat, „verbesserungswürdig“ sei. Zwar habe die deutsche Minderheit eine eigene deutschsprachige Zeitung – den Nordschleswiger – jedoch solle man vor allem auch „Fernsehprogramme über die Minderheit produzieren und die Anzahl der Radiosendungen, welche die Minderheit thematisieren, erhöhen.“ Dazu raten die Experten auch Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, die deutsche Sprache auch vor Gericht in Dänemark benutzen zu dürfen. Dies sei im Moment leider noch ein Manko.

 

Ebenfalls wurden im Bericht des Europarates die Finanzen thematisiert, doch die charakteristische Teilung, nach der Deutschland die deutsche Minderheit in Dänemark und Dänemark die dänische Minderheit in Deutschland finanziert, sieht der Europarat als gerecht an.

 

Ein ähnlicher Bericht für Polen müsste schon bald vorliegen.

 

Łukasz Biły