AUDIO

 

 

Die Schriftstellerin Hanna Sukare stellte gestern im Oppelner Germanistik-Institut ihr Romandebut „Staubzunge“ vor. Das Buch wurde in diesem Jahr mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet. Zehn Jahre hat die Autorin daran gearbeitet, ihre Recherchen führten sie dabei immer wieder nach Lodsch.


 

 

Previous Image
Next Image

info heading

info content


 

 

 

Mit dem Einmarsch der Wehrmacht 1939 nach Lodsch, mussten die Einwohner, ähnlich wie in Schlesien, sich zu einer Volkszugehörigkeit bekennen und wurden deutschen Volkslisten zugeordnet, weiß Hanna Sukare von ihren Recherchen in Lodsch:

 

„Wenn man gesagt hat, man sei zwar vor über 200 Jahren von Deutschland nach Polen gekommen, habe sich aber bereits assimiliert, konnte es einem so ergehen wie einer Industriellenfamilie aus Lodsch. Sie haben sich geweigert, sich als Deutscher oder Pole zu klassifizieren. Schließlich leben man gemeinsam hier.“

 

Dass Hanna Sukare als Handlungsort Lodsch auswählt, ist nicht zufällig. Die Mutter und die Großmutter stammen von dort – es ist die Motivation zu diesem Buch, eine Suche nach der eigenen Zugehörigkeit, so die Autorin. Doch ihre Recherchen führen sie auch nach Österreich in ein Heim für Alzheimerkranke, zu einer ehemaligen KZ-Insassin.

 

“Im Altenheim habe man diese Frau im letzten Jahr vor ihrem Tod nicht mehr verstanden. Sie habe so komisch geredet. Dann hätte ein Pfleger gesagt: Das ist die KZ-Sprache! Eine Trainerein für alte Menschen bestätigte, dass im Alter oft die Erinnerungen wieder hochkommen. Ich denke, es ist besser, vorher darüber zu sprechen, vielleicht kann man sich dann so eine Ende ersparen.”

 

Mit ihrem Roman legt die Autorin den Finger in die Wunden des 20. Jahrhunderts und plädiert dafür, das Ungesagte endlich auf den Tisch zu bringen.

 

Das Buch „Staubzunge“ ist im Otto Müller Verlag veröffentlicht. Die Autorin kam im Rahmen des Österreichischen Frühlings nach Oppeln.

 

Marie Baumgarten