Mit einem Aufruf den Frieden in die Welt und in den Alltag zu tragen und einem Appell gegen Egoismus in der Gesellschaft ist am Sonntag der 101. Deutsche Katholikentag zu Ende gegangen. Mit mehr als 90.000 Teilnehmern war es der größte Katholikentag seit fast 30 Jahren. In vielerlei Hinsicht war es ein Katholikentag der Superlative, bei dem auch schlesische Akzente deutlich sichtbar waren.

 

Dr. Bernhard Jungnitz (Bildmitte) am Informationsstand des Heimatwerkes Schlesischer Katholiken e. V. nahm sich für jeden Besucher Zeit
Foto: Johannes Rasim

 

 

Gemäß den Bibelworten „suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15b) fand vom 9. bis zum 13. Mai in Münster der 101. Deutsche Katholikentag statt, der vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und dem Bistum Münster organisiert wurde. Auf die Besucher des größten Laientreffens der katholischen Kirche in Deutschland wartete ein umfangreiches Programm, das über 1.200 Einzelveranstaltungen umfasste. In über 30 großen Podiumsdiskussionen ging es um konkrete Fragen zum Thema Krieg und Frieden, aber auch um gesellschaftliche Konflikte zwischen Generationen, Kulturen und Weltanschauungen. Ebenfalls wurden Auseinandersetzungen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich thematisiert.

Prof. Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sagte eingangs des Katholikentages auf einer Pressekonferenz sichtlich stolz: „Seit dem historischen Katholikentag 1990 in Berlin, kurz nach dem Fall der Mauer, haben nicht mehr so viele Menschen den Weg zum Katholikentag gefunden, und ich bin sicher, es werden in den kommenden Tagen noch mehr“, denn in Zahlen im Vorverkauf hieß es am 8. Mai: 50.135 Dauerteilnehmer und 21.481 Tagesteilnehmer.

 

 

Politische Signale

In den Ansprachen und Diskussionsrunden des Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin und des rund einem Dutzend Ministern stand der Krieg in Syrien und der schwellende Konflikt zwischen den USA und Iran im Vordergrund. Die Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump das Iranabkommen zu beenden, wurde von allen Spitzenpolitikern und kirchlichen Würdenträgern stark kritisiert. Bundespräsident Steinmeier sprach von einer „Absage an Frieden und internationale Kooperation“ und „einem Rückschlag der Diplomatie“ und der Münsteraner Bischof Felix Glenn von einem „verheerenden Signal“.
Der kolumbianische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos sagte bei einer großen Podiumsdiskussion: „Frieden schaffen ist wie eine Kathedrale zu bauen. Frieden und Versöhnung sind möglich. Kolumbien ist das beste Beispiel. Dazu braucht es ein solides Fundament und sehr viele Ziegelsteine. Die schwierigste Aufgabe ist es, die Opfer zu überzeugen, den Tätern zu verzeihen.“
Die aktuelle Auseinandersetzung unter den deutschen Bischöfen über die Zulassung der protestantischen Ehepartner zur Kommunion wirkte dabei höchst überflüssig. Dennoch konnte die Katholische Kirche in Deutschland die fünftägige Tagung als Erfolg bezeichnen und eine Imageaufbesserung verbuchen.

 

Die oberschlesischen Teilnehmer des Katholikentages waren dank der Tafeln deutlich sichtbar. Foto: M. Neumann

 

 

Edith Stein fand in Münster ihren Frieden

Eines der Wahrzeichen Münsters ist die St. Lambertikirche mit ihren drei Käfigen am Turm, die nach der Niederschlagung der Wiedertäuferbewegung dazu dienten, die Leichname der Anführer zur Schau zu stellen. In Erinnerung an diese Wiedertäuferherrschaft und deren Nachwirkungen trafen sich am Freitag unter dem Motto „Ökumenisches Versöhnungsgebet: Umkehr und Versöhnung unter den Täuferkäfigen. Heilung der Erinnerungen angesichts eines historischen Traumas“ erstmals Vertreter der täuferischen Freikirche der Mennoniten, der römisch-katholischen sowie der evangelischen Kirche zu einem gemeinsamen Buß- und Versöhnungsgottesdienst vor der St. Lambertikirche.
Bei dem Gottesdienst, der von der Edith-Stein-Gesellschaft Deutschland sowie der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert wurde, ging es um das wechselseitige Eingeständnis von Schuld, um schmerzliche Erinnerung und um die Bitte um Versöhnung untereinander und mit Gott. In seiner Predigt sagte der Bischof von Münster Glenn: „Frieden zu suchen ist kein Spaziergang. Es kann sich einprägen bis in Leben und Tod. Und das kann etwas kosten. Das zeigt das Leben dieser großen Frau. Als Jüdin in Breslau geboren, ließ sich Edith Stein mit 30 Jahren aus Überzeugung katholisch taufen. In Münster verbrachte sie schließlich ein entscheidendes Lebensjahr. Hier, in dieser Kirche, betete sie 1933 mit den Worten: „Ich gehe nicht heraus, bis ich nicht die richtige Entscheidung getroffen habe.“ Wenn einer mit sich selbst nicht im Reinen, nicht im Frieden ist, wird er diesen Gedanken nicht weitergeben können. Edith Stein habe diesen Kampf durchlebt. Ja, Frieden im Inneren zu finden, das bedeutet auch, sich dem inneren Kampf auszusetzen, der am Kreuz vollzogen worden ist.“
Genn sagte weiter: „Friede zwischen Völkern und Nationen, Friede zwischen Juden und Christen, Friede zwischen Deutschen und Polen.“ Die Edith-Stein-Gesellschaft übernehme in dieser Hinsicht einen wichtigen Auftrag: die Friedensarbeit zwischen Deutschen und Juden, zwischen Juden und Christen.

 

Schlesier auf dem Katholikentag

Unter den 350 Informations- und Begegnungsangeboten verschiedenster Organisationen und Vereine der katholischen Kirche präsentierten sich auf der Kirchenmeile auf dem Schlossplatz auch das Heimatwerk Schlesischer Katholiken, das Heimatwerk Grafschaft Glatz und die ostpreußische Ermlandfamilie. Das Heimatwerk Schlesischer Katholiken entstand 1959 in Münster als Dachorganisation für alle katholischen Verbände aus dem ehemaligen Erzbistum Breslau. 2015 wurde es als „Heimatwerk Schlesischer Katholiken e. V.“ neu gefasst, in dem nur natürliche Personen Mitgliedschaft beantragen können.
Der Vorsitzende des Heimatwerkes Dr. Bernhard Jungnitz (Holzwickede) erklärte: „Wir freuen uns über einen sehr regen Zuspruch der Besucher. Alleine am Freitag konnten wir über 130 Besucher verzeichnen, mit denen unsere Mitarbeiter und Helfer Einzelgespräche führten. Nach meiner Einschätzung besitzt heute fast die halbe Republik schlesische Wurzeln – die wenigsten von ihnen wissen aber, welch eine reichhaltige Kulturlandschaft Schlesien war und es bis heute ist. Wir versuchen die Brückenlandschaft Schlesien den Besuchern zu verdeutlichen. Die Hauptaufgaben des Heimatwerkes sind die Bewahrung des kulturellen Erbes sowie Versöhnungsarbeit und Kontaktpflege zu den heutigen Bewohnern Schlesiens. So konnten wir während dieser Tage einige Besucher für unsere Wandertage in Schlesien und für unsere Tagungen in Mainz gewinnen.“
Aber nicht nur Informationsstände zeugten beim 101. Katholikentag von Schlesien, sondern auch ein Gruppe aus dieser Region, die sich unter mithilfe des Verbandes deutscher Gesellschaften zusammengetan hat und den Weg nach Münster antrat. Mit dabei waren Bewohner verschiedener Kreise der Oppelner Woiwodschaft sowie aus dem Raum Ratibor. Sie alle nutzten nicht nur die Gottesdienste sondern vor allem auch die Begleitveranstaltungen. Maria Neumann aus der Gemeinde Comprachtschütz war von einem Treffen mit dem Arzt und Kabarettisten Eckhard von Hirschhausen begeistert. “Es war stellenweise natürlich lustig, denn er ist ja Komiker. Aber es wurden auch ernste Themen angesprochen und Hirschhausen sprach auch über seine Krebsstiftung. Solche Veranstaltungen sind es, die den Katholikentag für mich noch interessanter machen, als nur durch das gemeinsame Gebet”, sagt Maria Neumann. Und eine andere Oberschlesierin, Róża Chmiel aus der Gemeinde Tarnau, schwärmte hingegen von ihrem Ausflug in das unweit gelegene Telgte und das dortige Sanktuarium der Schmerzhaften Muttergottes. “Dort bin ich z.B. auch auf die Wallfahrt der Schlesier und Glatzer gestoßen, die im Juni stattfindet und bei der in diesem Jahr “unser” Erzbischof Alfons Nossol dabei sein wird. Das hat mich als Oppelner Gläubige besonders gefreut”, sagt Róża Chmiel. Die 30-köpfige Gruppe aus Oppeln und Ratibor war dabei unter den zehntausenden Besuchern des Katholikentages nicht zu übersehen, denn sie zeigten Tafeln mit der Aufschrift “Die Deutschen aus Schlesien grüßen”.

Mit dem Hauptgottesdienst am Sonntag-Vormittag ging der 101. Katholikentag in Münster zu Ende. Doch so manch einer freut sich bereits auf das Jahr 2021, auch die oberschlesischen Gläubigen. “Dann wird der 3. ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main begangen und ich denke, aus Oberschlesien wird wieder eine Gruppe teilnehmen, wenn Gott es will”, sagt Maria Neumann.

 

Rudolf Urban, Johannes Rasim