Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, December 1, 2021

Schloss Steinort

Der Sprung aus dem Fenster

Mitten in der Sperrzone um das Führerhauptquartier in der Wolfsschanze bei Rastenburg lag der Sitz der Familie von Lehndorff, Schloss Steinort. Heinrich von Lehndorff gehörte zur Gruppe des Attentats am 20. Juli 1944 und floh nach dessen Misslingen durch ein Fenster seines Schlosses. Unter dem Stichwort „Fenster“ wird in Schloss Steinort in diesem Jahr daran erinnert – und das kulturelle Programm dieses Sommers eingeläutet.

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Ein Spielplatz der Geschichte

Seit einigen Jahren wird Schloss Steinort im Kreis Angerburg renoviert, es fließen Gelder aus dem deutschen und polnischen Kultusministerium. Voraussetzung ist ein Konzept zur künftigen Nutzung. Dazu gehört das Palastfestival im Sommer, dessen dritte Ausgabe Anfang August stattfand. Ein Höhepunkt dabei war die deutsch-polnische Festival-Theaterproduktion „Steinort 1935“.Read More …

Chronist unserer Träume

Uwe Hahnkamp, Das Schloss Steinort im Mai 2011; das Dach war damals noch nicht ganz fertig.

„Chronist unserer Träume. Schloss Steinort 1947-2017“ – diesen Titel trägt die Ausstellung der Ethnologin  Hannah Wadle, die am 3. Mai in Steinort (Sztynort) eröffnet wurde. Sie beschäftigt sich vor allem aus der Sicht von Zeitzeugen mit der wechselvollen Geschichte von Schloss Steinort nach dem Zweiten Weltkrieg, stellt aber auch die Frage nach der Zukunft des Gebäudes.  

 

Steinort ist ein Örtchen südlich von Angerburg (Węgorzewo) auf einer Halbinsel zwischen dem Dargeimer See (jezioro Dargin) und dem Mauersee (jezioro Mamry). Das dortige Schlossgut war Sitz der Grafen Lehndorff, denen der Ort gehörte. Es lag in der Sperrzone um das Führerhauptquartier Wolfsschanze bei Rastenburg (Kętrzyn) und wurde 1944 als Feldquartier für Außenminister von Ribbentrop requiriert. Der damalige Besitzer Heinrich Graf von Lehndorff gehörte dagegen zum militärischen Widerstand und bezahlte das missglückte Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 mit seinem Leben.

 

Schloss Steinort nach 1945

Weniger bekannt ist das Schicksal des Schlossgebäudes nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ethnologin Hannah Wadle hat jetzt dazu ein Ausstellung eröffnet. „Chronist unserer Träume. Schloss Steinort 1947-2017“ heißt sie und dokumentiert Gespräche mit Menschen, die mit Schloss Steinort verbunden waren. Darunter Anwohner, die dort gearbeitet hatten, als im Gebäude die Verwaltung einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft angesiedelt war, die dort ihre Ferien verbracht haben, als es als Ferienheim genutzt wurde, und Segler, die am nahe liegenden Hafen angelegt hatten, als das Gelände einer Yachtgesellschaft in Steinort gehörte. Ihre Ausstellung, die ein facettenreiches Bild der Geschichte von Schloss Steinort ergibt, kann noch bis zum dritten Oktober in Steinort besichtigt werden..

 

Nachnutzung des Schlosses

Ein weiterer Aspekt der Ausstellung ist die mögliche Zukunft des Gebäudes. Zwar ist das Dach seit einigen Jahren dicht und die Keller seit kurzem wiederhergestellt, so dass das Schloss nicht mehr einsturzgefährdet ist, zu einer möglichen Nutzung ist es aber noch ein weiter Weg. Es gibt einen Investor, der auf dem Gelände des Gutes ein Hotel errichten will. Nach diesem Konzept soll Schloss Steinort Standort eines Museums des deutschen militärischen Widerstands gegen Hitler und ein Zentrum für Tagungen zu historischen Themen werden. Derzeit ist das noch Zukunftsmusik, dennoch ist eine frühzeitige Diskussion der Optionen mit allen Beteiligten notwendig. Denkanstöße bietet die Ausstellung über Schloss Steinort allemal. Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite  Internetseite www.stnort.org.

 

Text: Uwe Hahnkamp