Unsere Redaktion hatte Besuch von der deustchen Minderheit aus Kasachstan. Fünf Wochen lang hat uns Anastassiya Koroleva, Redakteurin bei der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ (DAZ) in Alamty, bei der Arbeit über die Schultern geschaut. Am Ende der Hospitation hat sie eine eigene Radiosendung entwickelt, denn künftig will die DAZ auch Audiobeiträge produzieren. Außerdem hat Anastassiya Koroleva ihre Eindrücke aus Oppeln in einer Kolumne in unserem Wochenblatt festgehalten. Wir haben sie an dieser Stelle noch einmal zusammengetragen.

 

AUDIO

 

 

Meine ersten Eindrücke

Kulturfestival der deutschen Minderheit in Breslau. Foto: Marie Baumgarten

 

Mein Name ist Anastassiya Koroleva und ich komme aus Kasachstan, aus der sonnigen Stadt Almaty, wo ich bei der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ (DAZ) als Social Media Redakteurin arbeite. In den kommenden Wochen lebe ich aber in Oppeln und hospitiere beim Wochenblatt.pl.

 

Die „DAZ“ ist eine deutsch-russische Wochenzeitung für Kasachstan und ganz Zentralasien. Zu den Schwerpunktthemen gehören die deutsch-kasachstanischen Beziehungen, Entwicklungen in Politik, Kultur und den Gesellschaften Zentralasiens und Deutschlands sowie Perspektiven und Ausbildungsmöglichkeiten der Jugend.

 

Meine Kollegen rieten mir, an dem Hospitationsprogramm des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) teilzunehmen, das Mitgliedern der deutschen Volksgruppen ermöglicht, Institutionen der Minderheiten in anderen Ländern kennenzulernen. Ich freue mich, dass ich dieses Stipendium bekommen habe und beim Wochenblatt.pl gelandet bin, wo ich neben der Zeitungsarbeit auch Radio und Fernsehen kennenlernen kann. Außerdem bin ich sehr interessiert zu erfahren, wie generell die deutsche Minderheit in Polen aufgestellt ist und welche Projekte sie auf die Beine stellt.

 

Dafür gibt es zwei Gründe: erstens bin ich Mitglied der Almaty kultur-ethnische Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ und aktive Teilnehmerin des Klubs der deutschen Jugend in Almaty „Vorwärts“. Zweitens finde ich die deutsche Minderheit in Polen einzigartig. Wegen des kompakten Siedlungsgebietes der Volksgruppe herrscht ein starker Zusammenhalt, was ich bei dem Kulturfestival in Breslau beobachten konnte, bei dem ich das Glück hatte, anwesend zu sein. Man kann es als glücklichen Zufall bezeichnen, denn dieses Festival findet nur alle drei Jahre statt.

 

Die Veranstaltung war in ihrem Umfang bemerkenswert. Etwa 6500 Menschen versammelten sich in der Jahrhunderthalle in Breslau (Weltkulturerbe). In Kasachstan werden solche Feste mit der gleichen Häufigkeit abgehalten, aber die Anzahl der Besucher ist mit ca. 300 viel kleiner, was daran liegt, dass Kasachstan sehr groß ist und die dort lebenden Deutschen weit verstreut wohnen. Auch die ältere Generation lässt sich nur schwer überwinden, große Entfernungen auf sich zu nehmen. Damit sie aber nicht leer ausgehen, werden jährlich Kulturfestivals der Gesellschaften der Deutschen in allen Regionen Kasachstans organisiert.

 

Die kommenden fünf Wochen werde ich also bei der deutschen Minderheit sein und in meiner Gastrubrik versuchen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider deutschen Volksgruppe näher zu beleuchten.

 

 

Erste Vergleiche

Beim BJDM in Oppeln. Foto: Marie Baumgarten

 

Heute möchte ich die Hauptprioritäten der deutschen Gesellschaft in Kasachstan, also Jugend und Medien, mit ihren Entsprechungen in Polen vergleichen.

 

Das Personal der “Deutschen Allgemeinen Zeitung” (DAZ) ist nicht so groß: Direktor, Chefredakteur, technische und Sozial-Media-Redakteurinnen, zwei Korrekturleser (für die russischen und deutschen Teile der Zeitung) und eine ifa-Redakteurin. Früher war das Team viel größer, es gab damals die Tageszeitungen und der Name war anders – “Freundschaft”, aber in den 90er-Jahren zogen viele Mitarbeiter nach Deutschland und die Redaktion zog bald von Astana nach Almaty um, wo sie bis heute im Deutschen Haus ihren Sitz hat.

 

Jede Woche berichten wir über das Leben der deutschen Minderheit in Kasachstan, beleuchten die politischen, wirtschaftlichen und sonstigen Ereignisse der beiden Länder. Im Prinzip, wie die deutsche Zeitung in Polen, jedoch variieren die Methoden zur Verbreitung von Informationen.

 

In Kasachstan sind soziale Netzwerke sehr beliebt (Instagram, Odnoklassniki, Facebook, Twitter). Mitarbeiter der DAZ pflegen die Website und die sozialen Netzwerke der Zeitung und der Deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“. Bei der deutschen Minderheit in Polen, so scheint es, ist dagegen die gedruckte Version der Zeitung noch viel wichtiger. Das wurde beim Kulturfestival in Breslau bestätigt, wo viele Leute eine Printausgabe kauften. Wir versuchen auch die Anzahl der Abonnements für die Zeitung zu erhöhen, dafür setzen wir die Idee von “Ein Dorf – eine Zeitung” um.

 

Bei den Jugendorganisationen gibt es auch Ähnlichkeiten. Der BJDM und der Verband der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK) wurden in den 90er-Jahren gegründet und beide haben viel Erfahrung. Junge Leute zwischen 14 und 29 Jahren können Mitglied des VDJK werden, die Jugendorganisation Polens hat diesen Rahmen auf 35 Jahre ausgedehnt. Merkmal dieser Organisation ist ihr Büro in Oppeln und ein “eigener” ifa-Kulturmanager. Das kompensiert der VDJK durch häufige Beratungen und Ratstagungen.

 

Beide Organisationen haben auch internationale Verbindungen. Der BJDM arbeitet oft mit Partnerorganisationen in der Tschechischen Republik, in Russland, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Litauen und Serbien zusammen, beteiligt sich auch an Projekten der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV/ YEN). Der VDJK kooperiert dagegen mit Organisationen in Deutschland, Russland, sowie mit Jugendlichen aus Georgien und Kirgisistan.

 

Wir freuen uns immer über neue Partner und Projekte, wir würden gerne einen zuverlässigen Freund in Polen gewinnen wir hoffen, dass sich die Beziehungen zwischen den beiden Jugendorganisationen in naher Zukunft verbessern werden.

 

 

Arbeit im VdG

Beim vdg in Oppeln. Foto: vdg.pl

 

Es ist Zeit, die Arbeit der Büros der beiden Hauptorganisationen der deutschen Minderheit in Kasachstan und Polen zu vergleichen. Es geht um die Gesellschaftliche Stiftung „Der Vereinigung der Deutschen Kasachstans ´Wiedergeburt`“ und den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaft in Polen (VdG).

 

Der VdG hat seinen Hauptsitz in Oppeln, unsere Organisation hat ihren Sitz in zwei Städten, denn 25 Jahre lang befand sich das gesamte Personal des Exekutivbüros im Deutschen Haus in Almaty, jetzt wurde aufgrund der Umstrukturierung ein Büro in Astana, der Hauptstadt,  eröffnet.

 

Die Verwaltung der Stiftung „Wiedergeburt“ erfolgt durch ein Kollegium – das Kuratorium, besteht aus 17 Mitgliedern. Der VdG dagegen hat neun Vorstandsmitglieder, dazu kommen drei Mitglieder, die eine Prüfungskommission des Verbands bilden.

 

Die Arbeit beider Organisationen zielt auf die ethnische Selbsterhaltung der Deutschen ab. Die Gesellschaftliche Stiftung „Wiedergeburt“ realisiert Projekte wie ein Netzwerk von Begegnungszentren, Wahlfachschulen, Projektmanagement, Bildungsinformationszentren (BiZ), ein Netzwerk von Sozialstationen, Kurbehandlungen, den Deutschen Sozialfonds, Sprachcamps und vieles mehr.

 

Ich kann sagen, dass beide Organisationen viel harte und wichtig Arbeit leisten. Die jüngere Generation entfernt sich allmählich von den Traditionen ihrer Ethnien, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen ist nicht leicht, unter dem Einfluss der Globalisierung werden die Grenzen zwischen den Kulturen ausgelöscht, aber Kultur ist das, was die Welt interessanter macht. Die deutsche Minderheit außerhalb Deutschlands ist ein prominenter Vertreter der deutschen Kultur.

 

Die Arbeit des Büros ist jedoch nicht nur mit der Durchführung großer kultureller Veranstaltungen verbunden, es gibt viel Papierkram. Seit Beginn der Woche arbeitete ich im Büro des VdG als Büromanagerin, ein Zufall, aber in meiner Heimatorganisation hatte ich auch Erfahrung in diese Positionen. Zu meinen Aufgaben gehörte das Registrieren der Korrespondenz, das Empfangen von Anrufen und andere Arbeiten im Büro.

 

Hier erfuhr ich auch, was eine Kaffeepause bewirken kann. Jeden Tag um 12 Uhr treffen sich alle Mitarbeiter an der Rezeption, trinken Kaffee und reden über verschiedene Themen – eine Art „Teambuilding“. Ich würde gerne vorschlagen, die gleichen Kaffeepausen in Kasachstan einzuführen. Es gibt noch mehr Dinge, die der Vereinfachung der Papierarbeit dienen, und ich werde sie auf jeden Fall zu Hause mitteilen.

 

 

Es wird Zeit “Auf Wiedersehen!” zu sagen

Vor unserer Redaktion in Oppeln. Foto: Dominika Bassek

 

Es war ein schöner Monat. Ich habe die Arbeit des Dachverbands der deutschen Minderheit in Polen kennengelernt, Kenntnisse im Bereich Fernsehen, Erfahrungen im Radio und in der Zeitung erworben, und natürlich, einer der lebendigsten Eindrücke war ein Besuch des größten Kulturfestivals der deutschen Minderheit in Breslau (Wroclaw).

 

Ich konnte auch mit dem Bund der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM) zusammenzuarbeiten und an ihrem Projekt mit Schülern, an einer “Stadtrallye”, teilnehmen. Man kann sagen, dass ich alle wichtigen Strukturen etwas kennengelernt habe, die bei der deutschen Minderheit in Polen arbeiten, aber nicht alle von ihnen wurden in meiner wöchentlichen Kolumne erwähnt.

 

Eine große Entdeckung für mich war das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, wir haben keine Analogien zu einer solchen Organisation. Dann möchte ich noch die Deutsche Bildungsgesellschaft erwähnen, das Bildungs- und Informationszentrum (BIZ) engagiert sich in ähnlicher Weise in Kasachstan.

 

Die Hauptleistung meines Aufenthalts hier war meiner Meinung nach, die Aufnahme des ersten Audio-Podcasts. Wie ich in einem der ersten Artikel geschrieben habe, hat die „Deutsche Allgemeine Zeitung” einen großen Wunsch, Rundfunk im Internet anzubieten. Mit der großen Unterstützung der Mitarbeiter von Wochenblatt.pl wurde der erste Schritt zur Erreichung dieses Ziels getan – ein vollständig zusammengestellter Bericht über das Projekt des BJDM “Stadtrallye” in deutscher und russischer Sprache.

 

Es ist schwierig den ersten Schritt zu machen, ein Anfang wurde mit Hilfe eines Partners aus Polen gemacht, und ich hoffe, dass die Verlage in Zukunft aktiv zusammenarbeiten und sich gegenseitig helfen.

 

Ich wünsche mehr gemeinsame Projekte der deutschen Gesellschaft Kasachstans und Polens. Ich danke dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) für die Gelegenheit, die deutsche Minderheit in Polen kennenzulernen, und danke allen, die ich hier getroffen habe!

 

Und übrigens: Mehr Informationen über die Deutschen ins Kasachstan gibt es immer aktuell auf http://daz.asia/.

 

Anastassiya Koroleva

 

Die Hospitation hat das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) ermöglicht. Das Hospitationsprogramm ist ein Qualifizierungs- und Förderprogramm für Mitarbeiter und ehrenamtlich Engagierte von Vereinen, Verbänden und Redaktionen der deutschen Minderheiten im Bereich Kulturmanagement, Jugendbildung und Medien. Es leistet darüber hinaus einen Beitrag zurländerübergreifenden Vernetzung der Institutionen der deutschen Minderheiten.

Für einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen erhalten Hospitanten ein Stipendium, umthemenspezifische Modelle und Arbeitsweisen länderübergreifend an einerindividuell gewählten Gastinstitution der DMi in Mittelost-, Südosteuropa oder den GUS-Staaten -oder in besonderen Fällen in Deutschland – kennenzulernen.

Mehr Infos und Möglichkeiten zur Bewerbung gibt es hier.