Blasius Hanczuch (2 v.r.) und Georg Latton im Benkowitzer Museum.
Foto: mittendrin.pl

Am 30. August vor 80 Jahren kam Blasius Hanczuch in Benkowitz bei Ratibor auf die Welt. Wie viele andere musste er sich nach 1945 an eine neue Realität in Schlesien anpassen, die deutsche Sprache und Kultur hat er aber nicht ins Abseits gestellt, sondern pflegte sie, wo und wie auch immer es nur ging.

 

Was für die Oppelner Deutschen Gogolin ist, ist für die Mitglieder der Minderheit in der heutigen Woiwodschaft Schlesien Benkowitz (Bienkowice), ein kleines Dorf in der Gemeinde Kranowitz (Kzyzanowice). U.a. von hier aus wurde die Organisation der Deutschen in der damaligen Woiwodschaft Kattowitz 1990 gegründet. Gründnungsvater und bis heute der gute Geist der Deutschen in der Woiwodschaft Schlesien ist Blasius Hanczuch.

Bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als die nun polnische Schule wieder ihre Pforten öffnete, eckte der junge Blasius Hanczuch an, denn er hat trotz offiziellem Verbot mit seinen Mitschülern weiterhin deutsch in der Pause gesprochen. „Das ging dann soweit, dass auch meine Mutter mir das deutsch Sprechen in der Öffentlichkeit verboten hatte, denn ihr wurde wegen meinem Benehmen die Aussiedlung angedroht“, erinnert sich Blasius Hanczuch heute. Was von nun an Draußen nicht mehr ging, wurde im Stillen Zuhause weitergepflegt.

 

Musik und Sprache

Einige Zeit später, in den frühen 50er-Jahren, traf Blasius Hanczuch einen deutschstämmigen Lehrer in Ratibor, der wegen seiner Zweisprachigkeit nicht ausgesiedelt, sondern als Lehrer beschäftigt wurde. Er gründete einen Jugendchor, bei dem der junge Hanczuch, den es auch immer zur Musik zog, gerne mitgemacht hat. „Wir haben also als Schulchor in polnischer Sprache gesungen, trafen uns dann aber auch heimlich um auf Deutsch zu singen“, sagt Balsius Hanczuch.

Neben dem Singen wollte Hanczuch auch ein Instrument erlernen und spielte zunächst Trompete, später Gitarre, von der er sich aber trennen musste, denn sie wurde ihm von der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr ausgeliehen und da er dort nicht Mitglied gewesen ist, durfte er sie nicht behalten. Für Blasius Hanczuch sollte dieser Umstand aber kein größeres Problem darstellen, denn als Tischler – diesen Beruf erlernte er auch aus familiärer Tradition heraus – baute er sich kurzerhand selbst eine Gitarre. „Und auf ihr habe ich dann viele Jahre gespielt. Erst zu meinem 50. Geburtstag schenkte mir mein Sohn Konrad ein neues Instrument“, erinnert sich Hanczuch.

 

Werkstatt

Lebensmittelpunkt für Blaisus Hanczuch war schon immer Benkowitz und sein Vaterhaus, in dem auch der Tischlerbetrieb ist. Dort arbeitete Hanczuch in den vielen Jahren nicht nur an Aufträgen von Außen, sondern es war auch ein Ort, an dem er über die Geschichte und die Zukunft nachdenken konnte. So kam es dann auch in den 70er-Jahren, dass er zusammen mit anderen Gleichgesinnten den Entschluss gefasst hatte, am Massengrab deutscher Soldaten in Benkowitz ein Kreuz zu errichten. Die ca. 45 in und um Benkowitz gefallenen Soldaten wurden Anfang 1945 in einem Bombentrichter am dortigen Friedhof verscharrt und Blasius Hanczuch wollte diesen Ort vor dem Vergessen bewahren. „Ich habe also ein Kreuz, das an das Eiserne Kreuz angelehnt ist, mit Eichenlaub in Holz erstellt, zusammen mit anderen haben ich auch die Grabstelle mit einem Zaun umfasst, sodass das bis dahin den Bewohnern zwar bekannte Grab nun auch als solches sichtbar geworden ist. Dafür bekam ich zwar vonseiten des Staates Probleme, aber schließlich konnte die Grabstelle so bestehen bleiben“, freut sich Hanczuch bis heute.

Die Tischlerwerkstatt bekam in den darauffolgenden Jahren aber auch noch eine andere Funktion, nämlich die eines Proberaumes für den Anfang der 80er-Jahre gegründeten Chor, aus dem später der bis heute bekannte Eichendorff-Chor entstanden ist. „Am Freitag, nach der Arbeit, wurde die Werkstatt blitzblank geputzt, damit der Chor sich dann am Wochenende treffen konnte, um sowohl Eichendorff- als auch verschiedene andere Volkslieder einzuüben. Ich kann also sagen, dass wir wirklich in Oberschlesien den ersten deutschen Chor gegründet haben“, unterstreicht Blasius Hanczuch.

 

Wichtige 80er-Jahre

Doch nicht nur einen Chor haben die Ratiborer und Benkowitzer um Blasius Hanczuch auf die Beine gestellt. Lange bevor in den anderen Regionen die Deutschen offiziell aufgetreten sind, plante Blasius Hanczuch mit seinen Freunden schon ein polenweites Treffen der Deutschen. Alles wurde sorgfältig geplant, die Organisatoren haben sich zudem so gut es ging abgesichert, damit die Staatssicherheit das Treffen nicht unterwandern konnte. Insgesamt sollten 200 Deutsche aus ganz Polen in die Nähe von Ratibor kommen, um dort zum ersten Mal gemeinsam über die Zukunft der Minderheit zu beraten. „Die Staatssicherheit hat aber einen Wink davon bekommen und einen aus dem Organisationsteam zur Befragung zitiert. Schließlich ist er dann weich geworden und hat unsere Pläne verraten. Damit mussten wir den großen Kongress leider abblasen“, erinnert sich Blasius Hanczuch, fügt aber gleich hinzu, dass man sich trotzdem nicht hat unterkriegen lassen und veranstaltete kurz darauf ein ähnlich angelegtes Treffen, zu dem dann aber nur noch 60 Personen eingeladen wurden.

 

Anerkennung

Schließlich kam dann Anfang 1990 die offizielle Anerkennung der Deutschen als Minderheit in Polen und Blasius Hanczuch sowie seine Mitstreiter konnten sich von nun an offiziell zu ihrer Herkunft bekennen und die Kultur und Sprache pflegen. „Wir haben zu Beginn der offiziellen Tätigkeit natürlich sofort angefangen einen Deutschunterricht zu organisieren und kurz darauf waren wir schon soweit, ein Lehrerkolleg auf die Beine zu stellen, denn wir wussten, dass wir unbedingt unsere eigenen Deutschlehrer brauchen“, sagt Blasius Hanczuch.

Und so entwickelte sich der DFK in Schlesien, wie die Organisation der Deutschen kurz genannt wird, und Blasius Hanczuch war mittendrin. Heute ist er weiterhin aktiv und unterstützt die Tätigkeit des DFKs, wo er kann. Sein Augenmerk richtet sich aber wieder besonders auf sein Heimatdorf Benkowitz und den dort im ehemaligen Nonnenhaus tätigen DFK. Dabei ist das Museum dort für Blasius Hanczuch besonders wichtig, denn es zeigt nicht nur die jüngere Geschichte der Region, sondern auch Funde von vor mehreren Jahrtausenden. Blasius Hanczuch lässt es sich auch nicht nehmen, die Besucher selbst durch die Ausstellung zu führen. Nur in dieser Woche nimmt er sich frei, denn den 80. Geburtstag will Blasius Hanczuch mit Freunden und Familie gebührend feiern.

Rudolf Urban