Foto: Henryk Kroll, langjähriger Sejmabgeordneter, und Ryszard Galla, heute alleiniger Vertreter

Es gehört zur Tradition der Oppelner SKGD, dass man sich zu Beginn eines neuen Jahres im Kreis der Kommunalpolitiker und Vorstände der DFKs trifft und das vergangene Jahr noch einmal bespricht. Diesmal kamen die Oppelner Deutschen in Chrzumczütz, in der Gemeinde Proskau zusammen.

 

„Ich wünsche vor allem ein normales Jahr 2017“, sagte bei seiner Ansprache zu Beginn des Neujahrsempfanges der SKGD Ryszard Galla, Abgeordneter der Deutschen Minderheit im Sejm, und spielte damit auf die kontroversen Entscheidungen des Parlaments sowie der Regierungspartei an. Es begann, so Galla, bereits damit, dass Präsident Duda zu Beginn seiner Amtszeit die Novelle des Minderheitengesetzes nicht unterzeichnet hatte und später sei es nur noch schwieriger geworden. „Schließlich wurde vom Senat aus auch ein neuerlicher Krieg gegen die Denkmäler angezettelt, als der Sejm eine Novelle des Gesetzes gegen die Propagierung des Kommunismus und anderer totalitärer Systeme vorgesetzt bekommen hatte. Es ist mittlerweile zwar etwas ruhiger um dieses Thema geworden, ganz aus der Welt ist es aber nicht geschafft“, unterstrich Galla.

 

Hauptthema der Ansprachen war allerdings die Grenzerweiterung der Stadt Oppeln, auf die sich vor allem SKGD-Vorsitzender Rafał Bartek bezog: „Es geht dabei nicht nur um die sichtbaren Zeichen, wie die zweisprachigen Ortsschilder, die vor wenigen Tagen abmontiert wurden. Es geht auch um das Mitbestimmungsrecht in den eigenen Wohnorten, das nach der Neuordnung der Stadtteile für die ehemaligen Dörfer und die dort lebenden Deutschen viel schwieriger wird.“

 

Der Neujahrsempfang sollte sich aber nicht nur auf die schwierigen Themen konzentrieren, sodass Rafał Bartek auch auf die breite Kulturarbeit der SKGD im Jahr 2016 verwies. Zu den Erfolgen gehörte u.a. die Gründung zweier neuer DFK-Ortsgruppen und neuer Filialen der „Miro Deutschen Fußballschulen“. Die SKGD feierte auch die Jubiläen 25 Jahre des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages und des Verbandes deutscher Gesellschaften. „In 422 Schulen wird Deutsch als Minderheitensprache angeboten und es ist uns gelungen das erste Lehrbuch für den Deutschunterricht herauszugeben. Außerdem gibt es in 200 Pfarreien deutsche Gottesdienste, obwohl man sich sicherlich eine höhere Zahl wünschen könnte“, zählte Rafał Bartek weiter auf.

 

Daher, wie die deutsche Konsulin in Oppeln Sabine Haake sagte, solle sich die Deutsche Minderheit trotz objektiver Schwierigkeiten nicht unterkriegen lassen und positiv in die Zukunft schauen. „Und in ihrer Arbeit können sich sich auf die Unterstützung der Bundesregierung verlassen, nicht nur finanziell sondern auch moralisch“, sagte Konsulin Haake.

 

Rudolf Urban