Das Opel-Werk Gleiwitz teilte seiner Belegschaft noch vor Weihnachten seinen Beschluss mit, Mitarbeiter freiwillig ausscheiden zu lassen. Dabei können Dienstälteste mit einer Abfertigung im Gegenwert von mehr als einem einjährigem Gehalt rechnen. Das Programm hängt mit dem geplanten Ausstieg aus dem Drei-Schicht-System zusammen.

 

Das Gleiwitzer Opel-Werk Foto: Brücke-Osteuropa/Wikipedia

 

Hintergrund: Im August 2017 übernahm der französische Konzern PSA Opel und Vauxhall von General Motors. Insgesamt bezahlten die Franzosen für dieses Geschäft 2,2 Milliarden Euro. Auf dieses Weise ist nun der nach Volkswagen zweitgrößte Automobilhersteller in Europa entstanden. Wie die PSA-Gruppe mitteilte, sollen mit der Übernahme Opels Einsparungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro jährlich ermöglicht werden. Opel selbst hatte seinerseits Anfang November sein Umstrukturierungsprogramm PACE bekanntgegeben. Zum Projekt gehört es unter anderem, künftig stärker auf Elektrofahrzeuge zu setzen (bis 2024 sollen sämtliche Pkw-Modelle auch in elektrischer und hybrider Ausführung verfügbar sein), die Produktionskosten pro Fahrzeug um 700 Euro zu senken und 20 neue Auslandsmärkte zu erschließen.

Fünf Jahre Beschäftigungsverbot bei Konkurrenz

Mit diesem Ansatz soll bis 2020 die Rentabilität des Unternehmens zwei Prozent mehr erreichen und sechs Jahre später um vier Prozent mehr. Hierbei hat Opel zwar keine Massenentlassungen vorgesehen, dafür aber ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden von Mitarbeitern ins Auge gefasst. Noch vor Weihnachten wurde das Programm ausführlich der Gleiwitzer Belegschaft dargelegt. So will man 190 Mitarbeiter, darunter 140 aus der Produktion und 50 andere dazu bewegen, aus dem Arbeitsverhältnis auszuscheiden. Wer darin einwilligt, erhält eine gesetzlich vorgeschriebene Abfindung in der Höhe von einem bis drei Monatsgehältern. Bei Mitarbeitern mit mindestens 20 Dienstjahren kommt eine zusätzliche Abfindung in Höhe von bis zu 14 Monatsgehältern sowie eine Entschädigung für die Auflösung des Arbeitsvertrages hinzu. Ein freiwilliges Ausscheiden hängt allerdings auch damit zusammen, dass man danach fünf Jahre lang nicht bei der Konkurrenz arbeiten darf! Für ihre Entscheidung haben die Mitarbeiter allerdings nicht allzu viel Zeit: „Anfang dieses Monats sollen diejenigen Mitarbeiter, die an einem freiwilligen Ausscheiden interessiert sind, ihren entsprechenden Antrag in der Personalabteilung stellen. Sobald der Antrag vom Arbeitgeber gebilligt ist, wird eine Vereinbarung abgeschlossen, die den Arbeitsvertrag zum Ende des Monats auflöst. Wird ein Antrag hingegen abgelehnt, bleibt die betreffende Person nach bisherigen Regeln bei Opel Gleiwitz angestellt“, heißt es auf der Internetseite der betriebsinternen Gewerkschaft „Solidarność”.

Ab Februar nur noch zwei Schichten

Wie die Gleiwitzer Geschäftsführung mitteilte, sollen diejenigen Beschäftigten, die nach der Auflösung des Drei-Schicht-Systems weiterhin angestellt bleiben, ab dem 5. Februar 2018 in zwei Arbeitsschichten tätig sein. „Diese Schritte sind notwendig, um das Produktionsniveau an die aktuelle Nachfrage auf dem Markt anzupassen und im Endeffekt die hohe Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit dieses polnischen Standortes aufrechtzuerhalten. Unser Ziel ist es, zwangsmäßige Entlassungen zu vermeiden um der Herausforderung gerecht zu werden, die Zahl der Beschäftigten auf eine sozial verantwortungsvolle Art und Weise an die jetzige Situation anzupassen”, sagte die Gleiwitzer Opel-Sprecherin Agnieszka Brania. Und wie haben nun die Mitarbeiter auf das Ausscheide-Programm und das bevorstehende Ende der Drei-Schicht-Arbeit reagiert? Entgegen dem Anschein sind nicht Wenige daran interessiert, genau zu den angebotenen Bedingungen die Firma zu verlassen. Dies gilt insbesondere für Mitarbeiter mit der längsten Betriebszugehörigkeit. Das ändert aber nichts daran, dass ein großer Teil der Belegschaft um seine Zukunft bangt. Zudem geht noch das Gerücht um, dass die jetzigen Änderungen nur der Anfang von etwas Größerem seien, das viel drastischer und für die gesamte Gleiwitzer Opel-Belegschaft gefährlich sein könnte.

 

 

Weniger Optimismus

Das ist ein gefährlicher Moment, denn bekanntlich hat die Furcht große Augen und ist kein guter Ratgeber. Gesteigert wird diese noch durch das Ausbleiben konkreter Aussagen vonseiten Opels. Man bekommt von der Betriebsleitung lediglich zu hören: Alles wird gut. Dass aber gleichzeitig die Konzernführung sagt, man müsse nun den Gürtel enger schnallen, stimmt nicht gerade optimistisch. Zudem ist unlängst die offizielle Information aufgetaucht, dass das Opel-Werk im deutschen Rüsselsheim (Hessen) ein neues Opel-Modell zur Herstellung bekommen soll. Dies könnte bedeuten, dass das Unternehmen sich nunmehr womöglich vor allem auf Betriebsstätten in Deutschland konzentrieren will. Das sind vorerst allerdings nur Vermutungen und Mutmaßungen. Was wirklich kommt und was noch alles vielleicht dahinter steckt, wird sich im Laufe dieses Jahres zeigen. Zur Erinnerung: Zurzeit sind bei Opel Manufacturing Poland in Gleiwitz und Tichau insgesamt knapp 4.000 Mitarbeiter beschäftigt. Wie viele von ihnen werden dort am Ende dieses Jahres wohl noch arbeiten?

Krzysztof Świerc