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Marie Baumgarten

Mit Angela Merkel und Beata Szydlo stehen in Deutschland und Polen zwei Frauen an der politischen Spitze. Doch im weltweiten Vergleich sind beide eine absolute Ausnahme, denn noch immer wird Politik vor allem von Männern gemacht. Doch wie sieht es eigentlich mit den Frauen in der Politik der deutschen Minderheit aus?

 

Das Rathaus in Proskau – es ist etwas Besonderes. Denn hier hat eine Frau die Hosen an. Als Bürgermeisterin hat Róża Malik einen großen Einfluss auf die Entwicklung der oberschlesischen Kleinstadt. Kinderspielplätze, Altenpflege, Abwassersysteme – all das liegt in ihren Händen.

 

„Ich war wirklich nicht sicher, ob ich das schaffe. In Schlesien, einem solchen Traditionsland. Die Frau soll sich um die Familie kümmern und das Feuer hüten. Und dann sofort auf so einen Posten. Ein Mann war mein Konkurrent. Und plötzlich habe ich es geschafft”, erinnert sich  Róża Malik.

 

Seit mittlerweile 15 Jahren ist Roza Malik im Amt. Und die anfängliche Unsicherheit ist verflogen.

 

„Ich weiß jetzt, dass ich mich realisiere auf diesem Posten. Das ist der Sinn meines Lebens. Das wollte ich machen. Das wollte ich für die Leute machen. Ich will wissen, dass die Leute durch meine Handlungen glücklicher sind, zufriedener sind. Und dass sie überzeugt sind: Zusammen schaffen wir es!”

 

Eine Frau mit politischem Einfluss sitzt aber nicht nur in der Zweieinhalbttausend-Einwohner-Stadt Proskau, sondern auch in der Woiwodschaftshauptstadt Oppeln . Im Kreisrat entscheidet Sibylla Stelmach über wichtige Angelegenheiten u.a. im Schulwesen und Straßenbau mit  – und das neben einer Stelle als Schulleiterin und Übersetzerin. „Das ist für mich eine sehr wichtige Aufgabe. Ich wurde von der Gesellschaft gewählt, sie gab mir einen Vertrauensvorsprung. Und es liegt in meiner Verantwortung, meine Aufgaben so gut es geht auszuführen“, sagt Stelmach.

 

Ihrer Berufung geht sie seit 12 Jahren nach. Dabei betont Stelmach, dass im Landrat ihre Meinung genauso viel zähle wie die der männlichen Kollegen.

 

Debatte in Oppeln

 

Trotz positiver Beispiele wie dieser gehen auch im neuen Jahrtausend die Diskussionen um Frauen in der Politik weiter. Am 3. Oktober  organisierten das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit und die Friedrich-Ebert-Stiftung in Oppeln eine Debatte zu diesem Thema. Zu Gast sind Redner aus Deutschland und Polen – und zwar ausschließlich Frauen. Sie finden es eine Schande, dass immer noch zu viele Männer die Politik bestimmen.

 

„Man spricht häufig in der Politik von einer gläsernen Decke. Ein Mechanismus davon ist, dass es  noch zu viele Männer gibt, die sich untereinander sehr gut organisieren.und die Frauen nicht an diese Position heranlassen“, erklärt Afra Gamoori, Vorsitzende der SPD Vahrenheide-Sahlkamp. Sie fordert mehr Frauen in Führungspositionen. „Was wir brauchen ist, dass Frauen nicht nur im Hintergrund arbeiten, nicht nur als Hilfeleistende, sondern auch wirklich als diejenigen, die den Ton angeben“, so Gamoori.

 

Und weil die Männer sich in der Politik so gut organisieren, kriegen sie auch die gut bezahlten Posten. Für Frauen bleibt häufig nur das Ehrenamt. Das müsse sich ändern.

 

„Frauen kommen in Ministerämtern genauso gut zurecht wie Männer. Das zeigen Beispiele wie Frankreich und Kanada. Die Verteilung von Männern und Frauen in der Regierung ist annähernd gleich,“ sagt Professor Malgorzata Niewiadomska-Cudak von der SLD in Lodsch.

 

Zeit für eine Wende?

 

Gleichheit in der Politik – das wollen auch Sybilla Stelmach und Róża Malik. Sie haben viel erreicht, doch sie wollen mehr. Das nächste Ziel heißt: Abgeordnete der deutschen Minderheit im polnischen Sejm. Denn bis heute waren es ausschließlich Männer, die die deutsche Minderheit dort vertreten haben. Vielleicht ist es Zeit für eine Wende.

 

Marie Baumgarten

 

 

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