Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Sunday, January 23, 2022

VdG-Resolution wartet auf Realisierung

Die Frage des einseitigen Gedenkens anlässlich des bevorstehenden 100. Jahrestages des Dritten Schlesischen Aufstandes wurde vor wenigen Tagen vom Verband deutscher Gesellschaften in Polen aufgegriffen, der bereits zu Beginn des dreijährigen Gedenkens an die Aufstände im Jahr 2019 eine Resolution verabschiedet hat.

 

Darin rufen die VdG-Delegierten dazu auf, das historische Gedenken an diese Zeit auch für die deutsche Gemeinschaft zu respektieren. „Diese Spaltung der oberschlesischen Gesellschaft führte zu Bruderkämpfen in einem Land, das jahrhundertelang ein Modell des friedlichen Zusammenlebens trotz kultureller, sprachlicher und religiöser Unterschiede geschaffen hatte. Das Ergebnis war eine schmerzhafte Teilung Schlesiens, die historisch, kulturell und wirtschaftlich miteinander verflochtene Länder, Städte und Familien trennte“, heißt es in der Resolution, deren gesamten Wortlaut Sie HIER finden.

Wenige Tage vor den auf dem St.-Anna-Berg geplanten Maifeierlichkeiten wandte sich der VdG-Vorsitzende Bernard Gaida an Polens Staatspräsident Andrzej Duda sowie an die Marschalle von Sejm und Senat und den Premierminister, um aller Opfer der damaligen Kämpfe zu gedenken. „In seinem Bestreben, in Übereinstimmung mit dem deutsch-polnischen Vertrag von 1991 über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit die schmerzhaften Kapitel der Vergangenheit zu schließen, übersendet der VdG in Polen Ihnen hiermit erneut den Inhalt der Resolution (von 2019 – Anm. d. Red.) in der Hoffnung, dass während der bevorstehenden Maifeierlichkeiten gemäß des Appells von Papst Johannes Paul II., der 1983 auf dem St. Anna-Berg über die Notwendigkeit einer „vielfältigen Versöhnung“ in Schlesien gesprochen hat, das tragische Schicksal der durch den Bruderkrieg geteilten Schlesier wahrgenommen wird“, schrieb Bernard Gaida.

Diese Worte scheinen auch hier in der Region wichtig, denn kurz vor Ostern fasste der Oppelner Stadtrat einen Beschluss über ein Denkmal zur Erinnerung an 68 Aufständische aus der Landkreis Oppeln. Die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen in Oppelner Schlesien reagierte auf diese Entscheidung mit einer Stellungnahme, in der sie darauf hinwies, dass anstelle eines Gedenkens an die Opfer nur einer Seite des Konflikts von vor 100 Jahren allen Opfern gedacht werden sollte, einschließlich derer, die dafür gekämpft haben, dass Oberschlesien innerhalb der deutschen Grenzen bliebe, denn auch sie ja ein Recht auf eigene Überzeugungen. Die Position der SKGD wurde jedoch von Oppelns Stadtpräsident Arkadiusz Wiśniewski scharf kritisiert, was allen Möglichkeiten eines gemeinsamen Gedenkens an die Opfer ein Ende setzte.

Und letzte Woche (14. April) geschah eine ähnliche Situation in Oberglogau. Auf einer außerordentlichen Sitzung des Stadtrates, die auf Antrag des Bürgermeisters Piotr Bujak einberufen wurde, sollte ein Beschluss über die Anbringung einer Tafel mit folgender Inschrift am Denkmal auf dem Plac Wolności gefasst werden: „Zum Gedenken an die polnischen Patrioten zum 100. Jahrestag des Dritten Schlesischen Aufstandes. Bürger der Gemeinde Oberglogau”. Mehr darüber lesen Sie HIER.

Wird aber die Komplexität der Geschichte und die unterschiedliche Wahrnehmung in Warschau anerkannt, wenn man sich in Oberschlesien selbst, 100 Jahre nach den dortigen Ereignissen, nicht die Mühe macht, aller Opfer gemeinsam zu gedenken, und dieser Ansatz als Geschichtsrevision kritisiert wird?

Rudolf Urban

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