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Wer kennt sie nicht – Grimms Märchen. Doch haben Sie schon mal etwas von „Grimms Manga“ gehört? Das ist eine Kreuzung aus Grimms Märchen und japanischem Comic, dem sogenannten Manga. Zu diesem Thema veranstaltete die SKGD gemeinsam mit dem BJDM in Oppeln einen Maga-Workshop.

 

 Fotos: Marie Baumgarten

 

Erfinderin von Grimms Manga ist die japanische Zeichnerin Kei Ishiyama – sie verbindet die Figuren aus den deutschen Märchen der Gebrüder Grimm mit japanischen Mythen und Erzähltraditionen. Das Märchen Rotkäppchen wird aus der Perspektive des Wolfes erzählt. Sein Name ist Wölfchen „Das ist eine typisch japanische Namensgebung – wenn man ein Wolf ist, kann man Wolf heißen“, erklärt Manga-Experte Adrian Golly.

 

Wölfchen hat die Gestalt eines Jungen. Er bekommt von seinem Vater, Wolf, den Auftrag, ein junges Mädchen zu fressen. Dabei stößt er auf Rotkäppchen – und er verliebt sich. Wölfchen will es heiraten, doch kann nicht. Er will Rotkäppchens Leben nicht dadurch zerstören, dass er es ihn seine Welt zieht. Von nun an will er es beschützen bis zum Lebensende. „Ein typisch japanisches Motiv: Wenn man jemanden liebt, opfert man ihm sein Leben“, sagt Adrian Golly. „Den Gebrüdern Grimm wär so etwas niemals eingefallen! Das ist das Schöne bei der Verbindung zweier so unterschiedlicher Kulturen. Es entsteht dadurch etwas völlig Neues.“ Auch optisch werden die deutschen Märchenfiguren generalüberholt und auf Manga getrimmt.„Die großen Augen sind das Charakteristischste einer Manga-Figur“, sagt Manga-Zeichnerin Małgorzata Kokot aus Groß Döbern, bei der die Teilnehmer des Workshops Tipps und Tricks für das Manga-Zeichnen bekommen haben.

 

Woher die Vorliebe der Japaner für große Augen kommt? Böse Zungen behaupten, sie entstanden aus einem Komplex der Japaner, die gegenüber den Europäern kleine „Schlitzaugen“ haben. Alles Quatsch, sagt Projektleiter Roman Szablicki von der Oppelner SKGD: „Ein europäisches Sprichwort lautet: Die Augen sind der Spiegel der Seele. Daran angelehnt, zeichnen die Japaner die Augen überproportional groß. Alle Emotionen werden über die Augen vermittelt.“

 

Nicht nur die Märchen der Gebrüder Grimm, auch Friedrich der Große und die Figur des Homunculus aus Faust II wurden in japanische Mangas adaptiert. „Die Japaner sind verrückt nach deutscher Kultur – sie verbinden mit ihr etwas Magisches“, erklärt Adrian Golly. Deshalb müssen Zaubersprüche in japanischen Mangas auf deutsch sein – oder zumindest so klingen. Sie transkribieren sie ins Japanische und ahmen somit den Klang des deutschen Wortes nach.

 

 

Marie Baumgarten