Vertriebenenbischof Dr. Reinhard Hauke (links) mit dem Vorsitzenden des Heimatwerkes Dr. Bernhard Jungnitz Foto: Johannes Rasim

Vertriebenenbischof Dr. Reinhard Hauke (links) mit dem Vorsitzenden des Heimatwerkes Dr. Bernhard Jungnitz
Foto: Johannes Rasim

Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ fand am letzten Januarwochenende die Jahrestagung des Heimatwerkes Schlesischer Katholiken statt. Neben dem Vorstellen der Arbeit mehrerer Organisationen richtete sich der Blick in die Zukunft. Die geplante Umstrukturierung stieß auf heftige Kritik.

 

Anders als in den Vorjahren bot der erste Tag der Jahrestagung eine Vielzahl von Kurzreferaten, in denen mehrere Vereine und Organisationen, die Schlesien und Schlesier in Deutschland und in Polen vertreten, ihre Arbeit vorstellten. So sprach unter anderem für das Heimatwerk Grafschaft Glatz e. V. Großdechant Prälat Franz Jung (Münster), für den Arbeitskreis Schlesische Musik e. V. Ulrich Gorki, für die Seelsorge der Deutschen Katholiken in Niederschlesien Pater Dr. Marian Arndt und für den Verband deutscher Gesellschaften Monika Wittek.

 

Die kirchliche Seelsorge für Vertriebene wurde zum Hauptthema der Diskussionen. „Sie befindet sich am Wendepunkt, weil das bisherige System der Seelsorge über die Visitaturen Ende 2016 wegbrechen wird. Wir sind in der Situation, dass wir gehalten sind, eigene Geistliche zu suchen, die uns seelsorgerisch in die Zukunft begleiten“, erklärte der Vorsitzende des Heimatwerkes Dr. Bernhard Jungnitz (Holzwickede).

 

Im zweiten Teil der Tagung sprach unter anderem Weihbischof Dr. Reinhard Hauke (Erfurt) über die Zukunft der Vertriebenenseelsorge, die nach dem Vorhaben der Deutschen Bischofskonferenz sich im kommenden Jahr entscheidend ändern soll. Geplant ist die Abschaffung der Visitaturen, die vielen Vertriebenen einen Heimatersatz bieten, was von zahlreichen Teilnehmern heftig kritisiert wurde. Vertreter der Erlebnisgeneration sprachen von einer „Vertreibung aus der Kirche“.

 

Seit der politischen Wende siedelten mehr als 650.000 deutsche Katholiken von Polen nach Deutschland um. Die Deutsche Bischofskonferenz richtete einen Beauftragten und eine Arbeitsstelle ein, die sich den Themen der Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge zuwandten. Darüber hinaus wurden Visitaturen zur Seelsorge für die heimatvertriebenen deutschen Katholiken aus den Gebieten Ostmittel- und Südosteuropas eingerichtet. Drei Visitaturen: Ermland, Breslau-Branitz und Grafschaft Glatz haben seit 2006 ihren Sitz in einem gemeinsamen Verwaltungshaus, im Ermlandhaus Münster. Die Visitaturen vertreten nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen heimatvertriebene Katholiken und deren Nachkommen.

 

Das Heimatwerk Schlesischer Katholiken entstand 1959 in Münster als Dachorganisation für alle katholischen Verbände aus dem ehemaligen Erzbistum Breslau. 2015 wurde es satzungsmäßig neu als „Heimatwerk Schlesischer Katholiken e. V.“ gefasst.

 

Johannes Rasim/Klaudia Kandzia