Der Österreicher Martin Pollack sprach beim Autorentreffen in Oppeln mit seinen Lesern auf polnisch.
Foto: M. Leibig

Im Rahmen des „17. Österreichischen Frühlings“ besuchte der Schriftsteller Martin Pollack Oppeln. Der Österreicher stellte letzte Woche seine neueste Publikation „Topographie der Erinnerung“ in der Woiwodschaftsbibliothek inOppeln vor.

 

In seinen Büchern schreibt der 1944 geborene Pollack hauptsächlich über die Zeit des Nationalsozialismus in Österreich, Polen und Deutschland. Dabei schont er auch seine Familie nicht, wie seinen Vater, der bei der Gestapochef in Linz war, der so genannten „Patenstadt des Führers“: „Ich fühle mich immer noch loyal meiner Familie gegenüber, auch meinem Vater gegenüber, ich bin kein Richter und richte niemanden, das steht mir nicht zu“, sagt Pollack. Und weiter: „Es eine Aufgabe zu nennen, wäre vielleicht zu viel gesagt, aber ich fühle doch eine gewisse Pflicht, diese Geschichte zu erzählen. Es gibt viele derartige Geschichten, aber nicht viele Menschen erzählen es, und ich glaube dass wir ganz offen ohne etwas zu beschönigen, sprechen, auch ohne Schuld zuzuweisen“ so der Autor.

 

 

 

 

 

 

Mit Trauma umgehen

 

Das in Oppeln vorgestellte Buch „Topografie der Erinnerung“ enthält kurze Texte: „Das war wirklich eine Notlösung, da ich im vorigem Jahr mit meiner Krankheit, also ich habe Krebs, leider beschäftigt war. Dabei wollte mein Verlag ein Buch herausbringen, und dann sind wir auf die Idee gekommen, dass wir eine Sammlung von Essays und Reden machen, die Thematisch zusammenpassen“. erklärt Martin Pollack. Bei dem Autorentreffen war Mateusz Pirzyński aus Oppeln dabei: „Ich habe sein Buch „Der Tote im Bunker“ gelesen, also bin ich gekommen um zu Hören was der Autor zu sagen hat, was ich vielleicht aus dem Buch nicht entnommen habe. Interessant ist es, wie Martin Pollack mit Erinnerung umgeht und wie er versucht, mit dem Trauma fertig zu werden, er musste viel daran arbeiten, um gewisse Schlüsse zu ziehen. Denn sein Buch ist kein Geschichtsbuch, sondern eher ein anthropologisch-historischer Essay, ein Geschichtsbuch wäre nicht so interessant“, so Pirzyński.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Oma zum Trotz

 

Das Autorentreffen im Rahmen des „Österreichischen Frühlings“ wurde in polnischer Sprache gehalten, da der Schriftsteller sehr gut Polnisch spricht. Pollack studierte Slawistik, seiner Großmutter zum Trotz, da sie ihm Germanistik vorgeschlagen hatte. „Es ist letztendlich alles gut gelaufen, aber ich rate niemandem seine Studienrichtung zu wählen, nur um jemanden zu trotzen“, lachte bei dem Treffen Martin Pollack.

 

Viele Bücher von Martin Pollack in polnischer und deutscher Sprache sind in der Österreich- Bibliothek in Oppeln den Lesern zugänglich.

 

Manuela Leibig