Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, October 26, 2021

Vor dem Vergessen bewahren

Seit drei Jahren organisiert der Verband deutscher Gesellschaften im Sommer eine Fahrt in den Norden, und zwar in die Gemeinde Stolpmünde. Die jungen Teilnehmer aus Oberschlesien machen dort aber nicht einfach Urlaub, sondern sie helfen, die deutsche Geschichte der dortigen Region vor dem Vergessen zu bewahren.

 

In diesem Jahr stehen ein vergessenes Dorf und ein alter evangelischer Friedhof im Mittelpunkt der Arbeiten. Das Dorf heißt Salesker Strand (Zalesin) und existiert heute nicht mehr. Einer Legende nach sollen Anfang des 17. Jahrhunderts vier Schweden das Dorf gegründet haben, das später von pommerschen Deutschen bewohnt wurde. Deren Nachfahren mussten ihre Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg verlassen und so wurde das Dorf, in dem dann kurze Zeit noch Ordensfrauen ein Kinderheim betrieben haben, aufgegeben. Die Umgebung, in deren Nähe sich schon seit Jahren ein Truppenübungsplatz befand, wurde ausschließlich vom polnischen Militär genutzt.

 

Der Friedhof von Salesker Strand lässt sich als solcher nur schwer erkennen. Foto: Zbigniew Łukaszewski

 

Einige Gräber konnten mittlerweile aber wieder hergerichtet werden. Foto: Zbigniew Łukaszewski

 

Ein Dorf, das nicht mehr existiert

Heute zeugen nur noch wenige Fundamente der Häuser und eben der alte evangelische Friedhof von der Existenz von Salesker Strand. Auch wenn der Friedhof bereits vor Jahren von lokalen Hobbyhistorikern und den Mitgliedern des Stolpmünder Historischen Vereins „Adler“ (poln. Usteckie Stowarzyszenie Miłośników Historii „Orzeł”) wieder sichtbar gemacht wurde, gibt es bis heute noch unentdeckte Teile. „Wir haben an diesem Friedhof einige Aufräumarbeiten gemacht, vor allem aber die Umgebung, also das eigentliche Dorf, erkundet. Die Jugendlichen bekamen Metalldetektoren und machten sich auf die Suche nach Überbleibseln der früheren Dorfbewohner. Sie haben u. a. Münzen gefunden: eine Ein-Pfennig-Münze aus dem Jahr 1900 und eine Zehn-Pfennig-Münze datiert auf 1915. Es war eine Suche im Gestrüpp zwischen herausragenden Fundamententeilen, die aber den Jugendlichen sichtlich Spaß bereitet hat“, sagt Beata Sordon, Koordinatorin des Projektes seitens des VdG.

 

Metalldetektoren kamen zum Einsatz, um Überbleibsel des einstigen Dorfes zu entdecken. Foto: VdG

 

Evangelische Ruhestätte

Auf der anderen Seite der Gemeinde Stolpmünde liegt das Dorf Strickershagen (Przewłoka). An der Ausfallstraße Richtung Wintershagen (Grabno) befindet sich der alte evangelische Friedhof. Seit 2018 kümmert sich der Geschichtsverein „Adler“ auch um diese Nekropole und die 16 Jugendlichen aus Oberschlesien helfen in diesem Jahr dort aus. „Wir befreien das Gelände des Friedhofs von Gras und Gestrüpp, um erstmal alles übersehen zu können, was die Mitglieder des Vereins „Adler“ noch nicht freilegen konnten. Und dann machen wir uns an Aufräumarbeiten und auf die Suche nach Grabteilen, um diese nach Möglichkeit wieder sichtbar zu machen. Auch hier sind Metalldetektoren unsere wichtigsten Helfer“, berichtet Beata Sordon.

Aber nicht nur Arbeit steht auf dem Programm, denn die Jugendlichen sollen auch Freizeit am Meer genießen können, bevor es am Freitag wieder nach Hause geht.

Rudolf Urban

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