Der norwegische Skispringer Daniel-André Tande gilt im Vorfeld der Winterolympiade im südkoreanischen Pyeongchang als einer der wichtigsten Medaillenanwärter. So rangiert er in der Weltcup-Gesamtwertung derzeit auf dem hohen vierten Platz und hat bei der Skiflug-WM in Oberstdorf zwei Goldmedaillen errungen.

 

Daniel-André Tande Foto: Ailura/Wikipedia

 

Daniel-André Tande präsentiert seit Anfang der Saison eine gleichmäßig hohe Form: Nur drei Mal gelangte er nicht unter die ersten Zehn eines Weltcup-Wettbewerbs und stand dabei insgesamt vier Mal auf dem Podium. Mehr noch, bei der Skisprung-Weltmeisterschaft zeigte er eine geradezu grandiose Formstärke und ließ dabei zwei Überflieger der aktuellen Saison – den Polen Kamil Stoch und den Deutschen Richard Freitag – im geschlagenen Feld zurück. Dann aber musste er krankheitsbedingt auf eine Teilnahme an den Wettkämpfen in Zakopane verzichten, was zweifelsohne ein großer Verlust für den Wettbewerb im polnischen Tatra-Gebirge war.

 

 

Deutsche Schutzhelme

 

Doch nicht nur wegen seiner hohen Form macht Daniel-André Tande zurzeit von sich reden, sondern auch, weil er einige Tage vor Beginn der Olympischen Spiele den „technologischen Krieg“ im Skispringen kommentiert hat. Ein Grund dafür sind sicherlich die sich am Vortag des Events mehrenden Berichte zu diesem Thema. Schon bei der Vierschanzentournee sprangen die Deutschen in Schutzhelmen mit spezieller Schutzhaube und der Schweizer Champion Simon Ammann hatte neuartige Titanschuhe an. Für mehr Kontroversen sorgten dabei die deutschen Schutzhelme, die mehrere Skispringer zu kritischen Kommentaren veranlassten. Der norwegische Team-Leader sagte dazu: „Die Schutzhelme der Deutschen sehen idiotisch aus und ich glaube nicht, dass sie durch bessere Aerodynamik in höheren Geschwindigkeiten resultieren“, urteilte Daniel-André Tande.

 

 

Horngacher frustriert?

 

Doch nicht nur die Deutschen hatte er Norweger verbal aufs Korn genommen, sondern auch den Trainer der polnischen Nationalmannschaft Heinz Kuttin. Der österreichische Coach der Weiß-Roten hatte zuvor den norwegischen Kader kritisiert, und zwar ihre speziellen Overalls und den Stoff, aus dem diese gemacht sind. Stefan Horngacher glaubt, die Norweger hätten jetzt etwas, das niemand sonst habe. Damit deutete er zwischen den Zeilen an, dass sie nicht ganz fair spielen würden. „Es ist nur gut, dass andere Länder ihre Zeit und Energie für etwas verschwenden, das überhaupt nicht zur Debatte stehen sollte”, meinte Daniel-André Tande und fügte hinzu: „Wir verwenden keine Tricks. Zumindest ist mir nichts davon bekannt. Deshalb empfinde ich die Worte von Stefan Horngacher als Ausdruck einer Frustration, die darauf zurückzuführen ist, dass zufriedenstellende Leistungen fehlen.” Doch hat Horngacher denn tatsächlich Grund zum Frust? Immerhin präsentieren sich die Polen unter ihrem österreichischen Trainer in dieser Saison hervorragend, ob individuell oder als Mannschaft, und dabei auch besser als die Norweger. Offenbar hat sich Daniel-André Tande daher so ziemlich vergaloppiert. Vielleicht ist also wirklich etwas dran an den Overalls, wenn seine Nerven mit ihm durchgegangen sind.

 

 

 

Krzysztof Świerc