Für die Eheleute Rosemarie und Richard Urban aus Nakel sind deutsche Wallfahrten ein Muss. Bild: Klaudia Kandzia

Für die Eheleute Rosemarie und Richard Urban aus Nakel sind deutsche Wallfahrten ein Muss. Bild: Klaudia Kandzia

Am 9. August ist es wieder so weit. Aus allen Teilen Schlesiens und der Bundesrepublik pilgern Katholiken zur Mutter Gottes in die Albendorfer (Wambierzyce) Basilika. Die Zahl der Pilger nimmt ab, doch die Bedeutung des Wallfahrtsortes bleibt für die Schlesier unverändert groß.

Klaudia Kandzia

 

Besonders für die Breslauer Deutschen hat Albendorf eine besondere Bedeutung. Sie pflegen nämlich eine Jahrhunderte alte Pilgertradition. Sogar nach 1945 durften sie sich einmal im Jahr dort zur deutschen Pilgermesse versammeln. „Seit meiner Kindheit pilgere ich nach Albendorf. Früher war der Bus rappelvoll. Mein Vater stammte aus dem oberschlesischen Benkowitz im Kreis Ratibor und kannte die Tradition des Pilgerns. Ich habe es vererbt bekommen. So sind wir eben jedes Jahr gepilgert“, erinnert sich Edith Pischtzan aus Breslau.

 

Erste Pilgerbusse schon seit der Nachkriegszeit

 

Die ersten Pilgerbusse nach Albendorf organisierte Pater Bonaventura Hassa, der die Seelsorge der Deutschen in Niederschlesien nach dem Krieg ausübte. In Gedenken an den Seelsorger der Nachkriegszeit hält der Pilgerbus stets in Glatz, wo der 1974 verstorbene Franziskanerpater begraben ist.
„Wir wussten bis zum Beginn des Hochamts nicht, ob die Messe tatsächlich in deutscher Sprache stattfinden wird. Es lag in der Hand des amtierenden Pfarrers in Albendorf, der unserem Seelsorger erlaubte, auf Deutsch zu zelebrieren oder eben nicht. Doch wir waren nie enttäuscht“, erinnert sich Renate Zajączkowska, Chefin der deutschen Gesellschaft in Breslau.

 

Mit Privatautos angereist

 

Ausschlaggebend war dabei nicht selten der bevorstehende Einwurf in die Klingelbeutel, denn die Pilger waren stets großzügig und die vertriebenen Schlesier unter ihnen waren in Valuta entsprechend spendenfreudig. Die anderen haben es sich eben mühsam zusammensparen müssen. Besonders schwierig war es in der Krisenzeit, als der Sprit rationiert wurde. Pilger, die von weit weg mit Privatautos anreisten, mussten übers Jahr schauen, dass für den zweiten Sonntag im August die Spritkarten noch ausreichten. „Wir kamen damals mit mehreren Autos aus Oberschlesien angereist. Alle, die sich als Deutsche gefühlt haben, sind mit uns mitgefahren. Jeder Platz war besetzt. Damals hielten die Deutschen in den Ortschaften noch zusammen“, erinnert sich Maria Kandulla aus Klodnitz bei Cosel. Es war auch nicht ungefährlich – vor allem für die „nichtoffiziellen“ Deutschen aus Oberschlesien, denn die deutschen Wallfahrten besuchten auch Mitarbeiter des Geheimdienstes. „Man hatte immer angst, sich gegenseitig auf Deutsch anzusprechen. Erst bei dem Gottesdienst, als wir gesungen und gebetet haben, hat man gesehen, wer Deutscher ist oder die Sprache eben nicht beherrscht“, so Zajączkowska.

 

Heute braucht man weder Spritmarken noch Angst vor Repressalien wegen einer deutschen Gesinnung zu haben. Viele Familien nutzen die Wallfahrt als eine willkommene Naherholung, denn die Landschaft im Glatzer Bergland ist wohl die schönste ganz Schlesiens.