Es ist ein kulturell-wissenschaftliches Forum, das seines Gleichen sucht: Neun Tage verbrachten Aktivisten, Akademiker und Liebhaber der schlesischen Kultur Anfang Februar auf Schloss Wernersdorf (Pakoszów) in Niederschlesien. Dort fand nämlich die traditionelle Winterakademie des Senfkornverlags statt.

 

 

Schlossbesitzerin Frau Dr. Ingrid Hartmann, Dr. Maciej Lagiewski, Nikola Remig und Alfred Theisen auf der Winterakademie im Schloss Wernersdorf im Riesengebirge (v.l.n.r.). Foto: www.schlesien-heute.de.

 

 

Die Winterakademie wurde schon zum wiederholten Mal am selben Ort veranstaltet. Gegründet wurde sie, um die Beliebtheit der schlesischen Kultur vor allem unter Bundesdeutschen zu steigern. Im Rahmen der Akademie finden außer zahlreichen Gesprächen auch Vorträge von Geschichts- und Kulturexperten sowie Ausstellungen statt. Die Akademie gibt auch die Möglichkeit, traditionelle schlesische Kulturstätten, die mit dem deutschen Erbe zu tun haben, zu besichtigen.

 

 

Ich glaube, es war die beste Winterakademie, die wir je hatten, sowohl inhaltlich, wie auch wenn es um die Teilnahme geht“, sagt der Besitzer des Senfkornverlags Alfred Theisen, der die Akademie organisierte. Wie er berichtet, war einer der Leitfäden der diesjährigen Winterakademie die Arbeit und das Interesse Deutschlands für die Kultur Schlesiens. Um über dieses Thema zu referieren, wurde Nicola Remig, Leiterin des Museums für schlesische Landeskunde im Kultur-und Begegnungszentrum Haus Schlesien in Königswinter bei Bonn, eingeladen.

 

 

Ein wichtiger Teil der Akademie waren auch Besichtigungen. Da nicht weit von Wernersdorf auch die sogenannte „Welthauptstadt der schlesischen Keramik“ liegt, wurde den Teilnehmern ein Rundgang durch Bunzlau (Bolesławiec) angeboten. Außer der Besichtigung einer Keramikfabrik, wurde ebenfalls ein Besuch in Klitschdorf abgestattet, wo eines der prächtigsten Schlösser Schlesiens liegt. In dem Schloß Klitschdorf war u.a. auch Kaiser Wilhelm II. zu Besuch.

 

 

Auch die Deutsche Minderheit hatte bei der Winterakademie ihre Akzente. Der Vorsitzende der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien, Rafał Bartek, stellte die Situation der Strukturen der deutschen Minderheit vor: „Für viele Teilnehmer war es die erste Möglichkeit, aus erster Hand etwas über die Situation der Deutschen in Polen zu erfahren. Die Gäste waren beeindruckt, dass die Deutsche Minderheit einen jungen, kompetenten Vorsitzenden hat, der obendrein noch sehr gut mit einer multimedialen Präsentation auf seinen Auftritt vorbereitet war“, so Alfred Theisen. Ein wichtiges Fazit der darauffolgenden Gespräche war die Tatsache, dass in der bundesdeutschen Öffentlichkeit viel zu wenig über die deutsche Minderheit in Polen berichtet wird und das sich diese Tatsache unter anderem durch solche Akademien, Ausstellungen oder Publikationen ändern müsse.

 

 

Ein wichtiger Teil der Akademie waren auch Buchvorstellungen, denn auf Bartek folgte ebenfalls ein bekanntes Gesicht in der Volksgruppe. Marcin Wiatr, Mitglied der deutsch-polnischen Schulbuchkommission und Schriftsteller, stellte seine neueste Publikation den „Literarischen Reiseführer durch Oberschlesien“ vor, den er bereits sowohl in Oppeln als auch in Kattowitz unter Teilnahme zahlreicher Mitglieder der deutschen Minderheit präsentiert hat.

 

 

Aufgrund des großen Erfolges der diesjährigen Akademie, ist eine weitere Auflage für das nächste Jahr geplant.

 

 

 

Łukasz Biły