Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, December 7, 2022

Wichtiger denn je

Dieser Tatsache ist man sich nicht unbedingt bewusst, doch in der größten Religionsgemeinschaft der Welt passiert gerade Historisches: Zum ersten Mal in der Geschichte sind in Deutschland die Christen in der Minderheit. Der Glaube steht vor einer Herausforderung. Die deutsche Volksgruppe in Serbien zeigt, wieso es gerade die Minderheiten sein können, die eine Schlüsselrolle spielen werden.

Die Zahlen zeigen es klar und gerade haben sie uns einen Meilenstein vor die Tür gestellt: Die Zahl der gläubigen Christen geht drastisch zurück, die Religion verliert immer mehr an Bedeutung. Nach neuesten Angaben sind zum ersten Mal, seit solche Daten erhoben werden, Christen in der Bundesrepublik in der Minderheit. Noch vor Jahren konnte man Menschen der katholischen und evangelischen Konfession zusammenfassen und somit eine Mehrheit bekommen. Heute hilft alles nicht mehr: Nach einem Rückgang vom letzten Jahr ist die Christliche Gemeinschaft unter die 50%-Grenze der Bevölkerungsmehrheit gerückt. Prognosen sind noch weniger optimistisch. Sollte der Trend anhalten, werden es 2060 weniger als 30% sein. Gründe für diesen Sachstand sind vielfältig: ökonomische Probleme, bei denen sich viele gegen die Kirchensteuer entschieden, die Transformation der Gesellschaft, in der viele vom spirituellen Weg abkommen und nicht zuletzt auch die Mehrzahl an anderen Aktivitäten, die das Leben des Menschen in Anspruch nehmen.

Rudolf Weiss ist fest von einer Zukunft des Christentums überzeugt.
Foto: Deutscher Volksverband.

Gerade in einer Zeit, in der die Kirche nun Persönlichkeiten braucht, die den Sinn im Glauben darstellen können, sind wohl die deutschen Minderheiten gefragt. Die Volksgruppen in Mittel-und Osteuropa sind traditionell an den christlichen Glauben gebunden, ihre Identität darin stark verwurzelt. In Serbien beispielsweise, gibt es einen separaten Kreis der Christlichen Intellektuellen, der Vorträge zum Thema der Bedeutung der christlichen Bräuche und Traditionen organisiert. Rudolf Weiss, Präsident des Deutschen Volksverbandes in Serbien hielt selbst schon eine solche Vorlesung als Mitglied des Vereins und gläubiger Christ: „Ein Baum ohne Wurzeln wird leicht vom Wind umgeworfen. Ein Mensch ohne Respekt vor seinem Glauben, seinen Traditionen, seiner Sprache, seiner Kultur und seinen Bräuchen verliert sich wie ein Baum ohne Wurzeln in einem Sturm“, sagte Weiss in seinem Vortrag, was auf die jetzige Situation des Christentums in Deutschland wohl wenigstens zum Teil zutrifft. Der Prozess der Evolution des menschlichen Bewusstseins ist nicht aufzuhalten. Unser Verständnis von der Welt und somit auch von Gott ändert sich und wird sich auch in Zukunft ändern. Die Menschen, die jedoch eine spirituelle Bindung an Gott haben, tun gut daran, an dieser festzuhalten. Genau diese Rolle spielen die deutschen Minderheiten seit Jahrzehnen und werden gefragt sein, diese Denkweise auch weiterhin zu fördern. Sollte man dies umsetzen können, so wird es auch in Zukunft einen Platz für das Christentum in der Welt geben: „Die Europäische Union ist als Staatengemeinschaft noch immer ein Zusammenschluss christlich geprägter Länder. Robert Schuman sagte: Europa wird christlich sein, oder es wird nicht mehr sein!“, sagte Weiss.

Łukasz Biły

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