Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, December 10, 2022

Wie erinnern sich Deutsche und Polen?

Robert Traba (links) und Adam Krzemiński
Robert Traba (links) und Adam Krzemiński

Am 24. Oktober veranstaltete die Woiwodschaftsbibliothek in Allenstein ein Gespräch zur Publikation „Deutsch-polnische Erinnerungsorte / Polsko-niemieckie miejsca pamięci“. Einer ihrer Initiatoren, Professor Robert Traba vom Zentrum für historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, diskutierte mit dem Deutschlandkenner der Zeitschrift „Polityka“ Adam Krezmiński.

 

Erinnerungsorte – darunter versteht man weniger geographische Plätze als vielmehr historische Ereignisse und Personen, die im kollektiven Gedächtnis wirken. Eine Publikation zu diesem Thema stellte der Autor Professor Robert Traba am vergangenen Montag in Allenstein (Olsztyn) vor. Es umfasst neun umfangreiche Bände, vier auf Polnisch, fünf auf Deutsch. „In keiner bilateralen Beziehung, auch nicht der deutsch-französischen, gibt es solch eine Edition, die die Erinnerungsorte zweier Länder aus Sicht beider Seiten analysiert“, betont Adam Krzemiński.

 

Der Ansatz stammt von dem Franzosen Pierre Nora, der in den 1980er Jahren solche Erinnerungsorte, allerdings nur für Frankreich, thematisierte. Vor zehn Jahren hatten Professor Traba und Professor Hans Henning Hahn von der Universität Oldenburg den Gedanken, polnische und deutsche Erinnerungsorte nicht nur getrennt zu betrachten, sondern diese in Beziehung zueinander zu setzen. „Es ging nicht darum, Mythen zu wiederholen, sondern zu zeigen, warum etwas so wichtig wurde, dass es die Gedanken vieler Menschen prägt“, erklärt Professor Traba.

 

Die Bände „Geteilt/Gemeinsam“ und „Parallelen“ spiegeln wider, wie unterschiedlich oder gleich diese Prägung auf beiden Seiten sein kann. Bismarck etwa wird als Reichsgründer von deutscher Seite geschätzt, ist aber in Polen bis heute ein großes Feindbild. Doch auch Veit Stoß, der in Nürnberg und Krakau gleichermaßen geschätzte Künstler, wird in einem Text behandelt. Essentiell ist der vierte Band, so Professor Traba: „Er beschäftigt sich mit den von uns angewandten wissenschaftlichen Methoden. So wird das Ergebnis nachvollziehbar.“

 

Und der nur in deutscher Version erschienene fünfte Band „Erinnerung auf Polnisch“ präsentiert Texte zur polnischen Erinnerungskultur, die in Deutschland weitgehend unbekannt ist. Für diejenigen, denen das Werk zu fachspezifisch und zu umfangreich ist, soll laut Professor Traba in Kürze eine zusammenfassende einbändige Ausgabe erscheinen.

 

Text: Uwe Hahnkamp

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