Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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„Wie unsere Identität sein wird, hängt von uns ab“

Zuzanna Donath-Kasiura von der Oppelner SKGD (li.) im Gespräch mit der deutschen Konsulin in Oppeln Birgit Fisel-Rösle
Foto: R.Urban/Wochenblatt.pl

 

Über 100 Vertreter der Kreis- und Gemeindestrukturen der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien sowie Kommunalpolitiker der Deutschen Minderheit kamen am vergangenen Montag in Oppeln zusammen. Neben einem Resümee des vergangenen Jahres blickten sie gemeinsam auch auf das Neue Jahr.

 

Die Redner des Abends – u.a. SKGD-Vorsitzender Rafał Bartek, die deutsche Konsulin in Oppeln Birgit Fisel-Rösle und VdG-Vorsitzender Bernard Gaida – dankten zunächst allen engagierten DFK-Mitgliedern und Funktionsträgern für ihre Arbeit im vergangenen Jahr.

 

Nackte Zahlen

Die von Rafał Bartek genannten Zahlen dienten dabei als Beweis der Aktivität der deutschen Minderheit in der Oppelner Region, denn es wurden fast 500 Kulturprojekte in den DFKs realisiert, die aus Mitteln des deutschen Konsulats oder des Bundesinnenministeriums mitfinanziert wurden, mehr als 40 Samstagskurse wurden Kindern angeboten und in 13 Miro Deutschen Fußballschulen konnten die Kleinsten spielerisch Deutsch lernen. Es fanden auch viele Olympiaden und Wettbewerbe statt und die Kommunen und das polnische Innenministerium unterstützten ebenfalls die Kultur- und Spracharbeit der Deutschen in der Woiwodschaft Oppeln.

 

Politik 2018

Im Resümee überwog dann aber doch das Thema Politik, denn „politisch war es für uns in der Region ein durchaus turbulentes Jahr, sagte Rafał Bartek in seiner Rede und fügte hinzu: „Wir sind traditionell mit dem Wählerwahlkomitee der Deutschen Minderheit und mit 605 Kandidaten angetreten. 269 davon sind gewählt worden und tragen nun in den nächsten fünf Jahren nicht nur die Verantwortung für die Region, aber auch die Verantwortung für das weitere Überleben der deutschen Kultur, Sprache und Tradition“.

 

Superwahljahr 2019

Das Jahr 2019 verspricht nicht weniger wahlorientiert zu sein, wie der Sejmabgeordnete Ryszard Galla unterstrich. „Es warten auf uns nicht nur die Europa- sondern auch die Parlamentswahlen in Polen und es ist wichtig genau zu wissen und mit zu entscheiden, wer uns in Brüssel oder Warschau vertreten wird.“

Für die Minderheit in der Oppelner Region sind aber auch die verbandsinternen Wahlen in die Vorstände der Strukturen, die bereits jetzt beginnen und mit der Wahl des neuen Woiwodschaftsvorstandes im Mai 2019 abgeschlossen werden, nicht weniger von Bedeutung, meint SKGD-Chef Rafał Bartek und appellierte an die Versammelten: „Stellt euch nicht gleichgültig den Herausforderungen gegenüber. Geht nicht davon aus, dass es schon irgendwie gehen wird, dass am Ende doch irgendjemand gewählt wird. Interessiert Euch dafür, wer in den Strukturen gewählt wird, ergreift das Wort, zieht junge Menschen in unsere Gesellschaft, in unsere Aktivitäten hinein. Wie unsere Identität, unsere Kultur und unsere deutsche Sprache hier in fünf, zehn oder 30 Jahren sein wird, hängt doch von uns selber ab.“

Daher sei um so mehr Aktivität und Kreativität gefragt, um die erfolgreichen Projekte wie Samstagskurse und Fußballschulen weiter zu entwickeln und neue Ideen für die Mitglieder und interessierte Außenstehende zu erarbeiten. Dabei werde, wie die deutsche Konsulin Birgit Fisel-Rösle sagte, die Bundesregierung die Deutsche Minderheit auch weiterhin unterstützen, weil sie sich der Bedeutung bewusst sei und die Förderung auch in den Koalitionsvertrag dieser Regierung aufgenommen habe.

 

Jubiläen

Doch nicht nur Wahlen und die Kulturarbeit werden das Jahr 2019 bestimmen. Die Deutsche Minderheit steht auch vor einer Reihe von Jubiläen, deren einige keineswegs konfliktfrei ablaufen können, sagte in seiner Ansprache VdG-Vorsitzender Bernard Gaida, der auf seinen Neujahresbrief (publiziert bei uns in der letzten Ausgabe) verwies. So müsse man sich neben Feiern zum 15. Jahrestag des Beitritts Polens zur EU, dem 30. Jahrestag der ersten deutschen Messe in Oberschlesien auf dem St. Annaberg und der sog. Versöhnungsmesse in Kreisau auch auf solche Festakte einstellen wie den 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges oder den 100. Jahrestag des Ausbruchs der polnischen Aufstände in Schlesien. „Vor allem mit dem letzten richtig umzugehen wird eine große Herausforderung sein“, sagt Bernard Gaida.

Rudolf Urban

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