Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

Monday, September 20, 2021

“Wir trauen das den Jugendlichen zu.“

Comics sprechen die Sprache der Jugendlichen. Das war auch die Idee der dreiteiligen Comic-Reihe „Aufbruch in die Zukunft. Schlesische Lebenswege“. Seit Kurzem stehen drei neue Comics für ältere Jugendliche zum Download bereit. Lehrer können die Comics für ihren Unterricht auch gedruckt bestellen.

 

Die neu erschienenen Comics sind ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Bildungsgesellschaft in Oppeln, der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau und dem Goethe-Institut Krakau. Federführend beteiligt an dem Projekt waren drei Kulturmanagerinnen des ifa, des Instituts für Auslandsbeziehungen: Madelaine Hartmann vom DSKG in Breslau, Daria Leduck, Vorgängerin von Madelaine Hartmann beim DSKG in Breslau, und Rosa Marie Wesle von der Deutschen Bildungsgesellschaft in Oppeln.

 

Die drei Comics der Reihe „Aufbruch in die Zukunft. Schlesische Lebenswege“ Foto: Leon Schwarzenberg

 

Breslaus Sehnsucht nach dem „Weltenraum“

In dem ersten Comic „Von Breslau zum Mond“ geht es um die beiden Schlesier Johannes Winkler und Max Valier. Winkler und Valier gründeten 1927 in Breslau den „Verein für Raumschiffahrt“. Beide vom Typ her ein bisschen wie Elon Musk heute. Und beide waren sie elektrisiert von der Idee, in den „Weltenraum“ vorzustoßen. Mit dieser Idee waren sie nicht allein. In den 1920er faszinierten sich viele für die Eroberung des Weltraums. So zum Beispiel auch Fritz Lang, der Regisseur von „Metropolis“ (1927), der dem Thema einen ganzen Film widmen wollte – und das auch tat: Der Film „Frau im Mond“ erschien 1929 – unter Mitwirkung von Mitgliedern eben jenes Breslauer „Vereins für Raumschiffahrt“. Das ist der erste Band der Comic-Reihe, die sich außergewöhnlichen Schlesierinnen und Schlesiern widmet.

 

Auszug aus dem Comic „Emin Pascha – Grenzgänger zwischen den Welten“
Illustrator: Mikołaj Ratka

 

„Frau Doktor, bitte!“ und „Emin Pascha“

Der zweite Comic widmet sich der schlesischen Chemikerin Clara Immerwahr. Immerwahr war die erste Frau in Deutschland, die einen Doktor in Chemie (1900) erhielt. Sie war verheiratet mit Fritz Haber, der 1918 den Nobelpreis in Chemie bekam und der im Ersten Weltkrieg eine sehr prominente Rolle spielte in der Entwicklung chemischer Waffen.
„Clara Immerwahr war dagegen. Sie war eine Pazifistin“, erzählen Madeleine Hartmann und Rosa Maria Wesle.

 

Der dritte Band spürt dem Leben des Abenteurers und Afrikaforschers Emin Pascha nach. Emin Pascha, 1840 geboren als Eduard Schnitzer in Oppeln, diente zunächst als Arzt im Osmanischen Reich. Später wurde er Gouverneur der Provinz Äquatoria, heute Teil der Republik Südsudan.

 

Autor des ersten Bandes ist der Berliner Schriftsteller und Journalist Wolf Kampmann. Zeichnerin ist Bea Davies, die u. a. in New York an der „School of Visual Arts“ studiert hat. Die weiteren Comics sind von polnischen Künstlern: Der zweite Band wurde von Katarzyna Witerscheim gezeichnet, und der dritte Band von Mikołaj Ratka. Die jeweiligen Textbücher schrieb der Comicautor Tomasz Kontny.

 

Auszug aus dem Comic „Von Breslau zum Mond“ Illustratorin: Beatrice Davis

 

„Wir trauen das den Jugendlichen zu“

„Die Comics sind an Jugendliche ab 15 Jahren gerichtet“, erzählt Rosa Marie Wesle. Das habe zum einen den Grund, dass die Comics ein relativ hohes Sprachniveau voraussetzten. Zum anderen gehen es um nicht ganz einfache Themen wie deutsche Kolonialgeschichte, Sklaverei oder Selbstmord. Die Frage, ob diese Themen den jungen Lesern zugetraut werden können, wurde im Vorfeld der Comics mitunter kontrovers diskutiert, so Rosa Marie Wesle. „Aber wenn man bedenkt, was man ab 16 Jahren für Filme schaut, was für Themen auch im Geschichtsunterricht besprochen werden, dann sind das ja auch Themen, die man auch mal mit Jugendlichen besprechen kann. Das sind Herausforderungen, aber wir trauen das den Jugendlichen zu.“

 

Comic-Workshops für Lehrer

Mitte Mai wird zusätzlich einen Workshop für Pädagogen und Kulturmanager angeboten, der das Medium Comic als pädagogisches Instrument vorstellt. Denn vor allem in Deutschland sei das Medium Comic noch immer eine Nischenerscheinung in der Pop-Kultur, erzählt Rosa Marie Wesle. Ganz anders sehe das in Frankreich aus, wo die Kunstform Comic auch unter Erwachsenen schon lange einen hohen Stellenwert genieße.

 

Leon Schwarzenberg

 

Die Comic-Reihe wurde realisiert aus finanziellen Mitteln des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland, durch das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) sowie durch das Goethe-Institut Krakau. Alle drei Comics sind digital kostenlos erhältlich unter: http://www.bildung.pl/de/komiks/ 

 

Mehr dazu lesen Sie hier:

„Einfach sehr gelungen“

 

Show More