Am 12. Mai fand in den Räumen der Gesellschaft der deutschen Bevölkerung „Herder“ in Mohrungen das Finale des diesjährigen Wissenswettbewerbs „Die Deutschen unsere Nachbarn“ statt. Bereits zum achten Mal präsentierten junge Menschen aus Grundschule und Gymnasium ihr Können, um einen Platz in einem einwöchigen Sprachcamp im Sommer zu ergattern.

 

Die vier Gewinner des Wettbewerbs: v.l. Maks Michalyik, Kuba Wiercińskie, Zuzanna Kryger, Kaja Makar
Foto: Uwe Hahnkamp

 

Die Gesellschaft der deutschen Bevölkerung in Mohrungen, die nach dem großen Sohn der Stadt, dem Philosophen Johann Gottfried Herder, benannt ist, organisiert seit acht Jahren einen Wettbewerb, in dem Jugendliche in zwei Altersgruppen von zehn bis zwölf und von 13 bis 16 Jahren ihr Wissen über Deutschland beweisen müssen. Sie müssen dazu zuerst einen kurzen Text zu einem bestimmten Thema schreiben und einreichen, und dann im Finale zeigen, dass sie die deutsche Sprache auch mündlich gut können.

 

 

Urlaub in Deutschland

Thema der etwa 100 Worte langen Texte war für die Autoren der jüngeren Gruppe diesmal, an welchem Ort in Deutschland sie gerne die Ferien verbringen wollen. Die Älteren sollten beschreiben, wie man im Gebirge oder am Meer in Deutschland die Zeit angenehm verbringen kann. „Wir haben dann die Besten zum Finale eingeladen“, sagt Urszula Mańka, die Vorsitzende der Gesellschaft der deutschen Bevölkerung „Herder“, „zwei Kandidatinnen konnten dann kurzfristig nicht kommen. Allgemein sinkt leider seit ein, zwei Jahren das Interesse an dem Wettbewerb, obwohl als Preis die Teilnahme an einer einwöchigen Sommerfreizeit winkt.“

 

 

Vorstellen, Vortragen, Rezitieren

Das liegt sicher ein wenig an der Unsicherheit der Schüler beim Deutsch sprechen. Während das Schreiben der Texte wenig Mühe zu machen scheint, waren die Kandidaten trotz guter Vorbereitung im Finale nervös. Sie sollten sich dort vorstellen, dann ihre schriftliche Arbeit vortragen und anschließend noch einen Text singen oder rezitieren. Kaja Makar aus der dritten Klasse des Gymnasiums in Schnellwalde (Boreczno) bei Osterode hatte nach ihrer Teilnahme vor einem Jahr etwas Erfahrung und bewies insbesondere bei ihrem Liedvortrag Routine. Für sie langte es am Ende zum zweiten Platz. Zuzanna Kryger und Kuba Wierciński, ihre Schulkameraden aus der zweiten Klasse, waren zum ersten Mal dabei. Sie hatten zwar mit ihrer Aufregung zu kämpfen, aber mit einem Gedicht von Goethe und Eichendorffs „Mondnacht“ auch anspruchsvolle Texte gewählt. Beide belegten den geteilten dritten Platz.

 

 

Schulunterricht und Deutsch in der Familie

Sieger wurde mit Maks Michalzik ein Teilnehmer aus Rastenburg. Sein Auftritt beeindruckte durch seine Souveränität, der auch ein kurzer Blackout zu Beginn seiner Rezitation von „Die Feder“ von Joachim Ringelnatz nichts anhaben konnte. Während die anderen Gewinner schon länger Deutsch an der Schule lernen, kommt bei Maks Michalzik die Sprachkenntnis vor allem von zuhause und von Besuchen der Familie in Deutschland. Diese Sprachpraxis war gerade beim mündlichen Finale spürbar.
Die Wichtigkeit des lebendigen Sprechens ist den Organisatoren auch bewusst. „Wir schicken die Sieger dank Unterstützung des Bundes des Vertriebenen in Thüringen vom 14. bis 21. Juli zu einem Sprachcamp im Feriendorf ´Waldfrieden´ in Suhl“, erklärt der Vizevorsitzende von „Herder“ Waldemar Mańka, „dort wird nur deutsch gesprochen und sie treffen Jugendliche aus Schlesien, Tschechien und Deutschland.“ So können sie neben der Deutschpraxis auch neue Freunde gewinnen.

 

Uwe Hahnkamp