Wort zu Weihnachten von Minderheitenseelsorger Peter Tarlinski

1. Lesung: Jes 9,1-6
2. Lesung: Tit 2,11-14
Evangelium: 2,1-14

 

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Schon einige Wochen vor dem 1. Adventssonntag wurde die Werbetrommel in Bewegung gesetzt, um zum Fest der Bescherung, des gegenseitigen Beschenkens hinzuführen. Hunderte von Produkten werden angeboten, um uns Weihnachten zu verschönern. Diejenigen, die von den Medien als „prominent“ eingestuft werden, beschreiben ihre Weihnachtstraditionen, zu denen ausschließlich das gute Essen, das Glas Wein, die Weihnachtsgans, die Wärme am Kamin, die Familie am Tisch und die Geschenke unter dem Christbaum gehören. Hohe Rabatte, Sonderangebote, Einkäufe in den Geschäften und besonders im Internet locken die Kunden zunehmend. Schön, gemütlich und reichlich soll es sein. Die Weihnachtsmärkte in großen wie in kleinen Städten haben von früh bis in die späten Abendstunden geöffnet. Alles dreht sich um Einkäufe. In diesem öffentlichen Konsum-Karussell geht das Wesentliche verloren. Weihnachten mutiert zu einem inhaltslosen Fest, zu gesellschaftlicher Freizeit und Entspannung nach dem selbsterzeugten Stress.

 

Die Botschaft von Weihnachten wurde fein mit Lichterketten, Glitzerzeug, Essen und Glühwein ausgegrenzt. Dies sieht man besonders an den Weihnachtsmärkten. Sie werden oft vor den Toren der christlichen Kirchen aufgebaut, die aber kaum jemand besucht. Innehalten, zu sich kommen und den eigenen Geist auf die Geburt Jesu einzustimmen, braucht der scheinbar moderne Mensch nicht. Am Rande, hinter den Verkaufsständen, baut man gelegentlich eine Figurengruppe mit Maria, Josef und dem Kind in der Krippe auf. Davor bleiben die Besucher nicht stehen. Uninteressant und nicht zu Erwerben. Nur ein einsamer Esel kreist um „das traute, hochheilige Paar“ und „den Knaben im lockigen Haar“. Das der Mittelpunkt der weihnachtlichen Festzeit der Sohn Gottes als Retter der Menschheit ist, wird nicht thematisiert. Trotz des hohen Energieverbrauchs und der zusätzlichen Beleuchtung ist es doch dunkel um die menschliche Seele.

 

Die internationalen Konflikte bleiben ungelöst, die Flüchtlinge in den Übergangslagern gefangen, die Rüstungsindustrie freut sich über höhere Umsätze, die Klimakonferenz in Madrid geht ergebnislos zu Ende, der Hunger in der Welt bleibt, die Not der Armen setzt sich fort. Die Wohlhabenden geben etwas von dem, was sie im Überfluss haben, an die Bedürftigen ab. Das war´s. Wesentliche Umbrüche werden vermieden. Aber dieses gegenwärtige Lebensbild könnte dennoch geändert werden, wenn wir nur aufmerksamer hinschauen und hinhören würden.

 

Der Text des Propheten Jesaja wird in der Eucharistiefeier der Heiligen Nacht gelesen. „Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude. Man freute sich vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte. (…) Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird das vollbringen“. Aufmerksam hinhören und hinschauen sollten wir schon, um das Wesentliche von Weihnachten nicht zu verpassen.

 

Als Christen sollten wir uns ebenfalls die Worte aus dem Brief des Apostels Paulus an Titus zu Herzen nehmen. „Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus. Er hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und für sich ein auserlesenes Volk schaffe,
das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.“

 

Wir werden in der weihnachtlichen Festzeit unsere Kirchen besuchen. Dort wird uns die Botschaft der Engel erreichen und auf das Jesuskind aufmerksam machen. „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“. Möge uns das Jesuskind ansprechen. Nehmen wir es an. Das in Schlesien auch heute noch gern gesungene Weihnachtslied unterstützt uns dabei mit den Worten: „Komm in unsere Herzen. Und dann bleibe auch darin, dass nun fromm wir werden! Mach` aus uns mit reinem Sinn Schäfchen deiner Herden!“ Freude, Frieden, Zusammenhalt, Liebe und Hochachtung allen Menschen gegenüber – mögen uns in und mit Christus weltweit erreichen! Gesegnete Weihnachten und ein gnadenreiches Neues Jahr!