„Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“

 

 

Minderheitenseelsorger Pfarrer Peter Tarlinski

 

 

Zehnter Sonntag im Jahreskreis – B
1. Lesung: Gen 3, 9-15
2. Lesung: 2 Kor 4, 13 – 5, 1
Evangelium: Mk 3, 20-35

 

Die Tage vergehen einer nach dem anderen. Worauf wir uns wochenlang vorbereiten, wird in wenigen Augenblicken zum Erinnerungsmoment. Wenn sich die Ereignisse in unser Gedächtnis tief einprägen, bleiben sie in uns lebendig. Sind es gute Erfahrungen, dann tragen sie uns im Leben und machen Mut. Sind es schlimme Erlebnisse oder sogar grausame, werden sie für uns zu einer ungewollten und leider doch gegenwärtigen Belastung. Unser Leben wird von beiden Erfahrungen geprägt. Wir wünschen uns natürlich nur die guten. Mit den schlimmen müssen wir umgehen lernen, was nicht selten sehr mühsam sein kann.

 

Der vergangene Sonntag bescherte uns ein sehr freudiges Ereignis. Es war die Wallfahrt der Minderheiten zum Sankt Annaberg. Nach vielen Jahren hat an ihr wieder ein Bischof aus Deutschland teilgenommen. Der Erzbischof von Bamberg Ludwig Schick folgte der Einladung des Oppelner Bischofs Andrzej Czaja. In seiner Predigt betonte der Gast aus Deutschland, dass es wichtig ist, die Einheit in der Vielfalt anzunehmen. Gott will die Vielfalt und sie gehört zu uns. Deutsche und Polen hatten gute gegenseitige Beziehungen, wenn sie dem Geiste Jesu Christi folgten. Die schwierigen Phasen kamen dann, wenn der Heilige Geist unterdrückt wurde und die Ideologien die Menschen beherrschten. Ebenso deutlich sprach der Bamberger Oberhirte über die Gefahr des Populismus. Jesus achtete alle Einwohner des Landes am Jordan. Die verschiedenen Menschen wollte er zu einer Familie Gottes zusammenführen. Das Pfingstfest zeigt die hohe Anerkennung Gottes, die er den einzelnen Völkern erweist. Er ließ die großen Werke Gottes in ihrer Muttersprache verkünden. Lassen wir uns vom Populismus und seinen Einengungen nicht einfangen. Nur die Einheit in Vielfalt ist die Frucht des Heiligen Geistes. Schließlich wies Erzbischof Schick darauf hin, dass wir einander mit Respekt und Feinfühligkeit begegnen sollten. Als Vorsitzender der Maximilian Kolbe Stiftung ist er jedes Jahr am 14. August, dem Gedenktag des Heiligen Maximilian, in Auschwitz. Dieser Ort lässt erkennen, das die Versöhnung und Einheit unter den Völkern kein Verfallsdatum hat und haben kann. Sie hilft es den Menschen nicht nur sich selbst zu sehen, sondern auch den Anderen mit Hochachtung zu begegnen.

 

Die Gedanken vom Sankt Annaberg werden von den Worten Jesu aus dem Evangelium zum zehnten Sonntag im Jahreskreis bestätigt. Nicht die Herkunft und die Sprache sind für Jesus erstrangig, sondern das Leben nach dem Willen Gottes: „Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“, sprach Jesus zu den Menschen. Das wir leicht von diesem Weg abzubringen sind entnehmen wir der ersten Lesung aus dem Buch Genesis, die den Sündenfall der ersten Menschen schildert. Schon da sind die Ansätze für die späteren Spaltungen unter den Menschen und ihre Abkehr von Gott sichtbar. Die Einheit in Christus baut alle menschlichen Verbindungen wieder auf. Das wünschen wir uns für Schlesien, Polen und Europa.