Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, November 29, 2021

Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Pter Tarlinski

 

 

31. Sonntag im Jahreskreis – B

1. Lesung:Dtn 6,2-6
2. Lesung:Hebr 7,23-28
Evangelium: Mk 12,28b-34

Die Lesungen des 31. Sonntags sprechen für sich und sprechen den Leser an. Zwei der wichtigsten Bibeltexte stehen im Zentrum der katholischen Liturgie. Der erste kommt aus dem Buch „Deutoronomium“(übersetzt: Zweitschrift), welches auch das 5. Buch Mose genannt wird. In diesem erklärt Mose den Israeliten den Willen Gottes. Er selbst hat das Buch nicht verfasst. Ein späterer Autor verfasste es als ein Nachlass (Testament) des sterbenden Mose, der seinem Volk noch einmal die wichtigsten Gesetze und Weisheiten mitteilt. Dabei geht es nicht um einen Rückblick oder eine Erinnerung an das Vergangene. Das Buch „Deutoronomium“ zeigt den Israeliten den Weg in die Zukunft. Dieser besteht aus dem Hören auf Gott. Das auserwählte Volk hörte nicht immer auf die Worte Gottes. Es verließ hier und da seine Wege und schwenkte zu den Göttern der damaligen Welt hinüber, weil sie als viel attraktiver empfunden wurden. Das zerlegte allerdings den Glauben an den einen Gott, untergrub den Zusammenhalt, verwässerte die Moral, entzog den Israeliten ihre Identität. Die „Zweitschrift“, bzw. das 5. Buch Mose, erinnert an die Grundgesetze, welche das Volk erneuern und ihm ein gutes Leben ermöglichen können. Die Voraussetzung dafür ist jedoch: „Wenn du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, indem du auf alle seine Gesetze und Gebote, auf die ich dich verpflichte, dein ganzes Leben lang achtest, du, dein Sohn und dein Enkel, wirst du lange leben. Deshalb sollst du hören, Israel, und sollst darauf achten, sie zu halten, damit es dir gut geht und ihr so unermesslich zahlreich werdet, wie es der Herr, der Gott deiner Väter, dir zugesagt hat. (…) Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, der Herr ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.“

 

Im Neuen Testament wird Jesus danach gefragt, welches Gebot Gottes nun das größte sei. Er antwortet dem Schriftgelehrten auf seine Frage mit dem oben genannten Bekenntnis. Dieses gibt der Evangelist Markus in folgender Fassung wieder: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Als zweites kommt hinzu:Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

 

Was heißt es, Gott, sich selbst und die Menschen zu lieben? Professorin Ingeborg Gabriel, von der Universität Wien, schafft da eine Abhilfe: „Es geht bei der christlichen Liebe (agapé) nicht zuerst um Gefühle. Es geht um mehr. Um die Bereitschaft, andere Menschenin ihrer Verschiedenheit zu achten und ihr Wohl wirklich zu wollen. (…) Lieben kann man meist nicht aus dem Stand. Gerechtigkeit, Tapferkeit (Bereitschaft zum Leiden) und ein guter Selbstbezug sind wichtige Voraussetzungen, um effektiv lieben zu können. Das ist ein täglicher, auch spannender Prozess, ein lebenslanger Weg“, der gegangen werden möchte.

 

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