Die Debatte zur deutschen Minderheit war besonders gut besucht Foto: Büro Hartmut Koschyk

Während man in Polen 2016 das Jubiläum des deutsch-polnisches Nachbarschaftsvertrags feierte, stehen die Deutschen in Rumänien ein Jahr später vor einer ähnlichen Feier. 2017 wird nämlich 25 Jahre deutsch-rumänischer Nachbarschaftsvertrag begangen. Dazu fand in der zweiten Aprilwoche eine Podiumsdiskussion statt, in deren Fokus die deutsche Minderheit stand.

 

Im Rahmen der Diskussion debattierten der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk, der Staatssekretär im rumänischen Außenministerium George Ciamba, der deutsche Botschafter in Rumänien Cord Meier-Klodt, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien Dr. Paul-Jürgen Porr sowie die Angehörige der deutschen Minderheit Ursula Fernolend.

 

Die Debatte, die unter dem Titel „Situation der Deutschen Minderheit – Gegenwart und Zukunft“ organisiert wurde, hielt man auf eine etwas unkonventionelle Weise. Impulse zur gemeinsamen Diskussion gaben vorab zwei Filme des Goethe-Institutes, welche über die Enkelgeneration der Deutschen in Rumänien berichtet haben. Gleich nach ihrer Vorführung wurden die Anwesenden dazu angeregt, sich zu Fragen der Jugend der deutschen Minderheit zu äußern. In Anspielung darauf versicherte Botschafter Meier-Klodt, dass, so wie es auch bisher gewesen war, auch in Zukunft die deutsche Minderheit in Rumänien auf die Unterstützung des deutschen Staates bauen kann, damit die Zukunft der Volksgruppe gesichert sei. Diese Aussage bekräftigte auch der Bundesbeauftragte Koschyk, der meinte, die Deutschen in Rumänien seien „ein integraler Bestandteil der Zivilgesellschaft“ und dass es wichtig sei, dass sie „frei und ungehindert ihre Sprache, Kultur, Tradition sowie ihre offene Identität pflegen können“. Für Staatssekretär George Ciamba sei die Pflege der Sprache, die Hartmut Koschyk angesprochen hat, aber nicht nur für die Minderheit, sondern auch für die Mehrheit wichtig. Die Zusammenarbeit mit Deutschland habe nach Ciamba einen großen Einfluss auf die rumänische Wirtschaft, deswegen entspricht das deutsch-rumänische Bildungssystem im Land auch den Erwartungen des modernen Arbeitsmarktes. Ein positives Ergebnis dessen ist, dass sich damit die Interessen der Minderheit und des Rests der rumänischen Bevölkerung überschneiden.

 

Daran, dass rund um die deutsche Minderheit nicht immer alles positiv ist, erinnerte hingegen in der Diskussion Dr. Paul-Jürgen Porr. Er sprach über die unfairen Beschuldigungen gegenüber der deutschen Minderheit am Rande der letzten beiden Wahlkampfperioden in Rumänien. Alle Teilnehmer der Diskussion waren sich einig, dass zu einer weiteren fruchtbaren Partnerschaft solche Fälle nicht gehören dürfen.

 

Łukasz Biły