Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, October 26, 2021

Zukunftsorientiert, motiviert, engagiert

Der aktuelle Vorstand des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit ist in der Halbzeit seiner Wahlperiode angelangt. Nach einem ereignisreichen Jahr für die Jugendorganisation der Deutschen Minderheit, stellt sich die Frage: „Wie soll es weiter gehen?“

 

Wie soll die zweite Hälfte aussehen? Wer übernimmt nächstes Jahr nach den Vorstandswahlen das Steuer im BJDM? Wie soll die Organisation in der Zukunft funktionieren? Diesen Fragen muss sich der BJDM stellen und Antworten finden.

 

Nicht immer einfach

Seit Juni letzten Jahres hat der BJDM einen neuen Vorstand. Oskar Zgonina übernahm den Vorsitz nach Katrin Koschny, die diese Position zuvor vier Jahre innehatte. Unterstützt wird er von sieben anderen Vorstandsmitgliedern. Der Start in die neue Wahlperiode Mitte 2020 war nicht einfach, denn viele für die Organisation wichtigen Punkte waren vernachlässigt worden. Eines der Ziele war es also, neue Mitglieder zu gewinnen und neue Ortsgruppen zu gründen.

„In der ersten Hälfte unserer Amtszeit ist es uns gelungen, einen guten Weg einzuschlagen, was die Mitgliedergewinnung anbelangt“, meint der BJDM-Vorsitzende Oskar Zgonina. „Da vieles online organisiert wurde, wurden Menschen aus ganz Polen auf unsere Initiativen aufmerksam und haben an verschiedenen digitalen Projekten teilgenommen. Ich nenne hier die besten Beispiele, also die digitalen Jugendkonferenzen oder das „Antidotum“-Schulungsprogramm für Nachwuchsjournalisten. Eine Gruppe Jugendlicher aus Rybnik hat sogar eine eigene Ortsgruppe gegründet. Wir möchten am liebsten unsere Jugendgruppen in ganz Polen haben, ich denke hier vor allen an den Norden Polens, wo auch die deutsche Minderheit ist und ich bin optimistisch, dass wir früher oder später dieses Ziel erreichen werden“, fügt er hinzu.

Der BJDM engagierte sich auch politisch. Vor allem die Kampagne „#wPolsceusiebie #inPolendaheim“ schlug Wellen. Die Jugend setzte sich gegen die Abschaffung der zweisprachigen Ortsschilder an den Bahnhöfen in Chronstau und Dembiohammer ein und erhielt große Unterstützung von Minderheiten aus ganz Europa. Lokal waren die Reaktionen zwiegespalten: Einerseits wurden die BJDM-Mitglieder für ihr Engagement gelobt, andererseits hagelte es auch negative Kommentare, denen sich die Jugendorganisation stellen musste. Trotz der Rückschläge geht der BJDM voran und will sich weiter dafür einsetzen, ein positives Image der Jugend der Deutschen Minderheit zu schaffen.

 

Einen neuen Weg einschlagen

 

Teilnehmer der Strategieschulung des BJDM
Foto: BJDM

 

Innovativ und attraktiv – so soll der BJDM der Zukunft sein, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Der Vorstand hat ihn bereits mit Beginn seiner Amtszeit eingeschlagen. Weg von den traditionellen Projekten, die seit Jahren die gleiche Form haben – stattdessen ein zukunftsorientiertes Denken. Nicht wenig Einfluss auf die letzten Projekte hatte die weltweite COVID-19-Pandemie. Viele Projekte mussten unter beschränkten Bedingungen oder gar online stattfinden. „Das letzte Jahr hat uns gezeigt, dass wir ruhig gegen den Strom schwimmen können und unkonventionelle Lösungen oft den Zeitgeist treffen“, sagt Oskar Zgonina. „Gäbe es nicht die Pandemie, würden solche Projektformate wie Autokino, Online-Konferenzen oder die digitale Deutsche Filmwoche nicht entstehen. Auch in der Themenwahl merkt man deutlich den frischen Wind. Themen rund um das moderne Deutschlandbild wie Ökologie, soziale Nachhaltigkeit oder auch die weitreichenden Minderheitenrechte interessieren die Jugend von heute“, meint der BJDM-Chef.

Wie Zgonina erklärt, wirkt sich die Themenwahl nicht nur auf das moderne Bild Deutschlands aus, sondern auch auf das moderne Bild der Deutschen Minderheit in Polen. Weiter sagt er: „Wir haben gezeigt, dass die Jugend in den Strukturen der deutschen Minderheit eine Stimme und Mitrederecht hat, denn wir sind es, welche die Zukunft gestalten werden. Wir werden endlich wahrgenommen, wenn auch noch nicht in dem Ausmaß, wie wir es für nötig halten.“

 

Fragen und Antworten

Das, wie der BJDM in den nächsten Jahren aussehen soll, ist nicht nur eine Angelegenheit des Vorstandes. Es sind darüber hinaus die vielen Jugendlichen der deutschen Minderheit, welche diese Organisation bilden. Die Vorstandsmitglieder gehen den Jugendlichen, die sich gemeinsam für den BJDM einsetzen wollen, entgegen. Bei einer Reihe von Schulungen soll jetzt eine Strategie für die Jugendorganisation ausgearbeitet werden.

„Jedes Vorstandsmitglied geht mit einer anderen Vision in seine Amtszeit. Wir wollen eine einheitliche Struktur für den BJDM schaffen, sodass der neue Vorstand im kommenden Jahr nicht vor einem großen Fragezeichen steht. Die Vision des BJDMs müssen wir schon heute gemeinsam kreieren“, erklärt der BJDM-Vorsitzende.

Vorstandsmitglieder, Angestellte, ehemalige BJDM-Aktivistinnen und –Aktivisten, Jugendliche, die frisch dazugekommen sind – jeder vertritt eine andere Sichtweise, aber jede davon ist wertvoll, um ein komplettes Bild der Jugendorganisation zu schaffen.

Zwei Schulungen haben die Jugendlichen bereits absolviert. Es kam jedes Mal zu einem regen Austausch, es wurde analysiert, hinterfragt und nach vorne gedacht. Jetzt steht die letzte Schulung an, bei der die Strategie des BJDMs für die kommenden Jahre entwickelt wird.

 

Die erste Halbzeit hinter sich

 

Die diesjährige Delegiertenversammlung des BJDM fand in hybrider Form statt.
Foto: BJDM

 

Der Vorstand des BJDM fing seine Legislaturperiode im Juli letzten Jahres an. In diesem einen Jahr ist vieles geschehen. Bei der Delegiertenversammlung Mitte September wurde die erste Halbzeit noch einmal zusammengefasst. Der Vorstand präsentierte seine Tätigkeit der letzten 12 Monate. Ebenso zeigte das Büro, dass es nicht inaktiv war. Der Vizekonsul der BRD in Oppeln, Kubilay Topal, betonte bei der Delegiertenversammlung die Wichtigkeit der Jugend in der deutschen Minderheit. Ihre Sichtbarkeit durch die zahlreichen Projekte sei es, die noch weitere Jugendliche in die Strukturen der Minderheit locken könne.

Bei der Delegiertenversammlung kam es im Vorstand zu Personalwechseln. Tomasz Polednia legte sein Amt als Sekretär schon 2020 nieder. Mattheus Czellnik, der bislang Vorstandsmitglied war, nahm den freien Posten ein. Szymon Folp verzichtete ebenfalls auf seine Stelle als Vorstandsmitglied im BJDM. Demnach waren nur noch sieben von den neun Plätzen im Vorstand besetzt. Es gab Ergänzungswahlen, in deren Zuge Julia Chrobok und Marek Ozimek nun neue Vorstandsmitglieder in der Jugendorganisation wurden.

„Sowohl Julia als auch Marek sind sehr aktive Persönlichkeiten in der Deutschen Minderheit“, so Zgonina. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihnen, denn beide haben viele neue Ideen und vertreten verschiedene Perspektiven, die wertvoll für unsere Organisation sind.“

Julia Chrobok ist seit einigen Jahren musikalisch in der deutschen Minderheit aktiv. Sie bildet sich auch als Leader aus, erst im polenweiten Programm „Jestem Liderką“ und aktuell bei der Elementarschulung für junge Gruppenleiter ELOm, wo sie verschiedene kleinere Initiativen organisierte. Auch Marek Ozimek hat seinen Weg mit der Jugendarbeit schon angefangen. Er ist Schulsprecher in Groß Döbern, Leiter des Jugendpunktes in Oppeln und ebenfalls wie Julia Teilnehmer der fünften Edition von ELOm.

Vor dem BJDM liegt ein arbeitsreiches Jahr. 2022 sind nicht nur zahlreiche Projekte geplant, sondern auch das 30-jährige Jubiläum der Organisation steht bevor.

Andrea Polański

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