Georg Brylka
Foto: privat

Georg Brylka wurde am 24. Juli 1929 in Guttentag geboren und galt in der Anfangszeit der Deutschen Minderheit in Oberschlesien nach 1989 als einer ihrer einflussreichen Vertreter. Am vergangenen Freitag ist er nun verstorben.

 

Der Name Georg Brylka ist heute nicht mehr allen Mitgliedern der Organisationen der Deutschen in Oberschlesien ein Begriff, doch gehörte er vor allem in der Anfangszeit zu denjenigen, die die Richtung der Deutschen Freundschaftskreise und ihres späteren Dachverbandes vorgegeben hatte. In seinem Heimatort Guttentag war er es, der die Gründung der organisierten deutschen Minderheit mitvorangetrieben hatte und wurde daher im September 1990 als Vertreter der damaligen Woiwodschaft Tschenstochau in das Präsidium des ersten Koordination-Dachverbandes deutscher Gesellschaften in Polen gewählt. Aus diesem Dachverband entstand wenige Monate später der Zentralrat der deutschen Gesellschaften in Polen, in dessen Präsidium Georg Brylka ebenfalls vertreten war und als daraus der bis heute bekannte Verband deutscher Gesellschaften entstanden ist, wurde eben Brylka zu dessen ersten Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis 1994 und wurde dann von Prof. Gerhard Bartodziej abgelöst.

 

Zwischen Guttentag und Warschau

Über die ersten Jahre der offiziellen Tätigkeit der Organisationen der Deutschen sagte Georg Brylka einmal, es seien keine leichten Zeiten gewesen, doch er freue sich, dass sich die deutsch-polnischen Beziehungen soweit entwickelt haben. Für die Anliegen der Deutschen in Polen stritt Georg Brylka aber nicht nur innerhalb des Dachverbandes der Deutschen. Seit der Sejmwahl im Oktober 1991 war Georg Brylka einer der damals sieben Abgeordneten der Deutschen Minderheit und hatte das Amt bis zu seinem Aussscheiden ein Jahr später inne.

Im Sejm arbeitete Brylka, der von Haus aus Ingenieur gewesen ist und an der Tschenstochauer Technischen Hochschule studiert hatte, im Ausschuss für Minderheiten und dem Handels- und Dienstleistungsausschuss. Im letzteren engagierte er sich für die Öffnung Polens für ausländische Investoren, um so die wirtschftliche Situation des Landes zu verbessern. Während einer Sejmdebatte im Jahr 1992 mahnte er dabei an, man müsse in Polen neben rechtlichen Grundlagen für die wirtschftliche Freiheit auch an der Menthalität arbeiten und eine gute Atmosphäre schaffen, in der nicht z.B. von einem “Ausverkauf des Landes” die Rede sein dürfe.

Im Bereich der Minderheitenrechte meldete sich Georg Brylka ebenfalls im Sitzungssaal des Sejm zu Wort, als das polnische Parlament die Menschenrechtskonvention ratifizieren sollte und stellte dabei fest, die Grundrechte seien ein wichtiges Instrument nicht nur für die polnische Mehrheitsgesellschaft sondern auch für die Minderheiten. Die Vertreter der deutschen Minderheit würden allerdings ungern von dieser Konvention Gebrauch machen, wenn die polnische Politik so schnell wie möglich einen umfassenden Minderheitenschutz garantiert. Auf die Realisierung dieses Postulates musste man allerdings noch weitere 13 Jahre warten, denn erst im Jahr 2005 wurde das polnische Minderheitengesetz verabschiedet.

 

Schattenseiten

Der Beginn der 90er Jahre war allerdings nicht nur von einem politisch-wirtschaftlichen Umbruch geprägt, sondern auch von einem gesellschaftlich-historischen Spagat. Die einen hielten es wie der erste nichtkommunistische Premierminister Tadeusz Mazowiecki, der für einen kompletten Neubeginn plädierte und daher einen Schlussstrich unter die sozialistische Zeit Polens setzen wollte. Andere wiederum wollten die einstigen kommunistischen Verbrecher und Mitläufer an den Pranger stellen. Daher wurden bereits 1991 und 1992 Listen von Sejmkandidaten und später Abgeordneten erstellt, die von der polnischen Staatssicherheit als Mitarbeiter oder Informanten geführt wurden, erstellt. Darin fand sich auch der Name Georg Brylkas, der somit sofort zu einem Agenten des kommunistischen Staatsapparates gezählt wurde, ohne nachzuprüfen, dass es sich bei der Liste nicht um aktive Informanten und Mitarbeiter handelte, sondern eher um Personen, die in den Registern des Apparates geführt wurden.

Zur Sejmwahl im Jahr 1993 trat Georg Brylka nicht mehr an, blieb aber weiterhin Vorsitzender des Verbandes Deutscher Gesellschaften mit Sitz in Oppeln. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des VdG-Chefs wurde es still um ihn und Georg Brylka engagierte sich nunmehr eher lokal, bis er kurz darauf nach Deutschland ausgereist ist.

Am Freitag, den 17. November, starb Georg Brylka im Alter von 88 Jahren während einer Auslandsreise.

Rudolf Urban