Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, December 7, 2021

Zwei Monate später

Am vergangenen Samstag (17.08.) trafen sich Vertreter der Deutschen Minderheit in Polen mit dem Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Prof. Bernd Fabritius. Es wurde vor allem über die zwei Monate zurückliegende Beratung des sog. deutsch-polnischen Runden Tisches diskutiert.

 

Beauftragter Bernd Fabritius mit dem VDG-Vorsitzendem Bernard Gaida, dem SKGD-Vorsitzenden Rafał Bartek und Regierungsdirektor Norbert Wagner (BMI) Quelle: Bernard Gaida/facebook.com

Bei den Gesprächen des deutsch-polnischen runden Tisches im Juni in Berlin haben sich beide Regierungen auf konkrete Schritte für die deutsche Minderheit in Polen und die in Deutschland lebenden Polen festgelegt. Für die Minderheit spielen dabei zwei Punkte eine gravierende Rolle.

“Ein für uns besonders brennendes Problem geht auf den Deutschunterricht in den siebten und achten Klassen der Grundschulen zurück. Das ist im Prinzip kein Thema des Runden Tisches gewesen, aber durch die Verschlechterung der Lage mit der neuen Interpretation des Ministeriums hat man das als eilig betrachtet”, erklärt VdG-Vorsitzender Bernard Gaida. Das polnische Bildungsministerium ordnete nämlich bereits vor mehr als einem Jahr an: entweder wird Deutsch als Minderheitensprache unterrichtet, dann muss der Schüler allerdings eine weitere Fremdsprache erlernen, oder die Kinder verzichten auf Deutsch als Minderheitensprache und lernen diese nur als Fremdsprache. Diese Änderung der bisherigen Herangehensweise an den Deutschunterricht für die Minderheit sieht die Volksgruppe kritisch und unterstreicht, sie sei überdies rechtswidrig. “Wir stehen nun wenige Tage vor dem Beginn des neuen Schuljahres und obwohl die polnische Seite beim deutsch-polnischen Runden Tisch versprach, das Thema bis dahin zu erledigen, sehen wir keine Ergebnisse. Dazu haben wir das Bildungsministerium angeschrieben und wollten nun auch die deutsche Seite informieren”, sagt Bernard Gaida.

 

 

Bei der deutschen Minderheit komme der Eindruck auf, von polnischer Seite werde den Rundtisch-Gesprächen kein großer Wert beigemessen.

 

Auch in einem zweiten beim Runden Tisch-Gespräch besprochenen Punkt sieht die deutsche Minderheit den Bedarf nach Konkretisierung seitens der polnischen Regierung. Es geht um das Versprechen der Finanzierung des Umbaus des zukünftigen Sitzes des Dokumentations- und Ausstellungszentrums der deutschen Minderheit in Polen. “Seit Jahren erinnern wir an diesen längst überfälligen Punkt aus den vorherigen Rundtisch-Gesprächen, nun haben wir auch ein geeignetes Haus. Was fehlt, ist eine klare Information, wie wir die benötigten Gelder beantragen können und dass sie uns in absehbarer Zeit überhaupt zur Verfügung stehen werden”, sagt Bernard Gaida.

 

Bei der deutschen Minderheit komme zum einen damit der Eindruck auf, von polnischer Seite werde den Rundtisch-Gesprächen und den dortigen Versprechen kein entsprechend großer Wert beigemessen. “Außerdem sehen wir , dass die von der polnischen Regierung seit einiger Zeit lancierte “Symmetrie” bei der Förderung der Minderheit und der Polonia in Deutschland nun ganz offen gefordert wird. Erst sollen neue Schritte für die in Deutschland lebenden Polen gemacht werden, bevor sich die polnische Seite an unsere Forderungen begibt”, meint Bernard Gaida enttäuscht und betont zugleich, dass das Gespräch mit dem Bundesbeauftragten Fabritius keineswegs ein Jammerkonzert war, sondern eine aktuelle Einschätzung der Lage und beidseitige Feststellung, dass die und andere Projekte der DMI, besonders im Bereich Bildung und Schulwesen, trotz Schwierigkeiten und Enttäuschungen eine neue Dynamik bekommen müssen. “Nach dem Gespräch dürfen wir eine entsprechende Handlung erhoffen”, meint Gaida.

 

 

Rudolf Urban

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