Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, May 25, 2022

30 Jahre Stiftung für die Entwicklung Schlesiens – Kreativ, mutig, zeitgemäß

Mit Henryk Wróbel, dem Vorsitzenden der Stiftung für Entwicklung Schlesiens, sprach Krzysztof Świerc.

 

Bitte erinnern Sie zunächst einmal daran, zu welchem Zweck die Stiftung für Entwicklung Schlesiens vor drei Jahrzehnten gegründet wurde.

Es gab mehrere Ziele, aber zwei können zu den wichtigsten gezählt werden. Das erste war, dass Deutschland finanzielle Mittel nach Polen schickte, die über die Stiftung zu sehr günstigen Bedingungen vergeben wurden, damit in Schlesien neue Unternehmen und Arbeitsplätze geschaffen werden und die Kommunen ihren Lebensstandard durch Investitionen in die Infrastruktur verbessern konnten. Auf diese Weise sollte die Massenabwanderung deutschstämmiger Menschen aus Schlesien nach Deutschland gestoppt werden, was damals auch gelang. Viele Menschen, die nunmehr die Möglichkeit hatten, sich hier vor Ort zu entfalten und einen angemessenen Lohn zu verdienen, haben sich nicht zur Ausreise entschieden, sondern dazu, ihre Heimat und deren Potenzial zu entwickeln.

Das zweite Ziel: Die Stiftung wurde gegründet, um eine Institution zu werden, die die deutsche Minderheit in Polen, die sich Anfang der 1990er Jahre dynamisch entwickelte, mit Hilfe von Geldern aus Deutschland unterstützt und finanziell fördert.

 

Hat sich die Form der Stiftungsaktivitäten und die Stiftung selbst im Laufe der Jahre verändert?

Ja, und das geschieht die ganze Zeit. Im Rahmen ihrer Tätigkeit hat die Stiftung EU-Mittel in der Woiwodschaft Oppeln verteilt, und zwar mit großem Erfolg. Mit der Zeit umfasste unser Angebot auch zinslose Darlehen für Unternehmer, die mit verschiedenen Projekten verbunden waren. Wir wurden auch zu einer regionalen Finanzierungsinstitution, die unseren Unternehmern Zuschüsse für bestimmte Aktivitäten vermittelte.

 

Vorstandsvorsitzender der Stiftung Henryk Wróbel
Foto: FRŚ

 

Die Zeiten ändern sich und damit auch die Erwartungen der Kunden an Institutionen wie die SES. Wird die Stiftung daher in Zukunft zumindest mit einem Lifting ihrer derzeitigen Aktivitäten konfrontiert sein?

Die Darlehenstätigkeit wird weitergehen! Das wird sie, denn das ist unser Kerngeschäft, das wir seit vielen Jahren absolut professionell betreiben. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, dass sogar das Marschallamt der Woiwodschaft Oppeln aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in der Zusammenarbeit wünscht, dass der größte Teil der Darlehensmittel aus der neuen Perspektive 2021-2027 über die SES umgesetzt wird. Dazu müssen wir natürlich erst einmal Ausschreibungen gewinnen. Was ebenso wichtig ist: Seit einiger Zeit bieten wir Darlehensleistungen auch online an. Das bedeutet, dass unsere Kunden die Möglichkeit haben, ihre Angelegenheiten online zu regeln und nur einmal zu uns kommen müssen, um den Darlehensvertrag zu unterschreiben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass wir den Darlehensvergabeprozess automatisiert haben und ihn auch ständig verbessern. Außerdem bemühen wir uns kontinuierlich, kreativ, mutig und modern zu sein und dem Zeitgeist zu folgen. Und wir führen zudem ständig neue innovative Ideen in verschiedenen Bereichen unserer Tätigkeit ein.

 

Zum Beispiel?

Wir haben ein eigenes Buchhaltungsbüro eingerichtet. Dieses wird von einem gut ausgebildeten Team geleitet, das ständig neue Lösungen einführt, damit wir immer mehr Unternehmen bedienen können. Ich möchte hinzufügen, dass wir derzeit bei der Vergabe von Darlehen an junge Unternehmen auch Finanz- und Buchhaltungsdienstleistungen anbieten. Ich bin zuversichtlich, dass wir auf diesem Weg in den nächsten zwei oder drei Jahren unseren Kundenstamm stark erweitern werden. In erster Linie wollen wir dabei aber natürlich allen Organisationen der Deutschen Minderheit unsere Finanz- und Buchhaltungsdienstleistungen anbieten, denn auch das war eines der Ziele bei der Gründung unserer Stiftung. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Organisationen der Minderheit auch aus externen Quellen finanziert werden, und es ist äußerst wichtig, ihnen einen angemessenen Service zu bieten und über die Gelder, die aus verschiedenen Quellen stammen, Buch zu führen.

 

Businesszentrum der Stiftung für die Entwicklung Schlesiens.
Foto: FRŚ

 

Was ist Ihre Priorität für die kommenden Jahre?

Ich habe viele Prioritäten. Eine davon betrifft das Grundstück, das wir an unserem modernen Hauptsitz in der ul. Wrocławska in Oppeln besitzen und das auch Unternehmern zur Verfügung steht. Ich warte derzeit auf ein Gutachten, das uns sagen wird, was auf dem Grundstück nach den Vorgaben des Flächennutzungsplans gebaut werden kann. Ich denke, dass ich in den nächsten zwei bis drei Wochen über die notwendigen Daten verfügen werde, um mit unserem Rat zu überlegen, wie wir dieses Thema angehen, was wir bauen und was für ein Objekt es sein sollte.

 

Wie kam es zu dieser Idee?

Der Grund dafür ist, dass wir eine beträchtliche Nachfrage nach der Anmietung von Büroräumen verzeichnen, weshalb wir zu dem Schluss gekommen sind, dass wir mit einer Erweiterung das sprichwörtliche nächste „Bein“ bekommen würden, das der Stiftung jedes Jahr einen bestimmten Geldbetrag einbringen würde. Auf diese Weise würden wir uns auch eine sichere finanzielle Grundlage schaffen. Wir haben aber auch Schritte unternommen, um in erneuerbare Energien zu investieren. Kurzum: Wir bereiten uns auf ein Photovoltaik-Projekt vor. Wir haben bereits vorab einen Standort ausgewählt, müssen aber noch auf die Änderung des Flächennutzungsplans warten. Wenn alles nach unseren Vorstellungen läuft, können wir im nächsten Jahr mit der Umsetzung dieses Plans beginnen, und wenn wir ihn abschließen, werden wir damit eine weitere solide finanzielle Grundlage für unsere Stiftung haben.

 

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