Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, August 8, 2022

Appell an die EU

Am vergangenen Wochenende hielten die Delegierten der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten ihre jährlichen Kongress ab. Neben einer Resolution zu Minderheitenrechten in Europa sprachen die Vertreter der Volksgruppen u. a. auch über das Bildungswesen.

 

„Dies war eine außergewöhnliche Zeit, die uns außergewöhnliche Anstrengungen und Flexibilität abverlangt hat“, sagte FUEN-Präsident Loránt Vincze auf der FUEN-Delegiertenversammlung 2021 am Samstag, 11.09., im italienischen Triest. Auch die Vertreter der deutschen Minderheit in Polen, Bernard Gaida und Rafał Bartek, betonen die Rolle einer Präsenzveranstaltung, bei der man nach mehr als einem Jahr wieder von Angesicht zu Angesicht diskutieren könne.

 

Delegierte des FUEN-Kongresses
Foto: FUEN

 

EU-Minderheitenschutz

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Versammlung zählt Bernard Gaida die Hauptresolution über die Zukunft der autochthonen nationalen und sprachlichen Minderheiten in der Europäischen Union. Diese begrüßt die von der EU-Kommission geplante Konferenz über die Zukunft Europas als einen dringend benötigten Prozess der Bürgerbeteiligung und bekräftigt ihre große Enttäuschung über die Ablehnung der „Minority SafePack-Initiative” durch die Europäische Kommission. Sie fordert gleichzeitig die Konferenz über die Zukunft Europas auf, den Schutz nationaler und sprachlicher Minderheiten und ihrer Kulturen und Sprachen ausdrücklich als eindeutige Zuständigkeit und Verpflichtung in die Verträge der Europäischen Union aufzunehmen. Zudem soll die Einhaltung der Kopenhagener Kriterien, die auch die Achtung und den Schutz der Minderheiten vorsehen, nicht auf die Beitrittsländer beschränkt sein, sondern eine Verpflichtung für alle Mitgliedstaaten darstellen.

 

„Wir fordern die Europäische Kommission also ganz offen auf, die für uns wichtigen Fragen der Minderheitenpolitik während der Konferenz über die Zukunft Europas mit aufzunehmen und sie nicht stiefmütterlich zu behandeln, damit Minderheitenrechte kohärenter Teil der EU-Politik sind“,

 

sagt Bernard Gaida.

 

Deutsche in Europa

Die Konferenz in Triest nutzten die Arbeitsgemeinschaften der FUEN, darunter auch die der Deutschen, zu separaten Treffen. „Hier muss ich vor allem betonen, dass ich mich über die Teilnahme eines Vertreters aus dem Elsass gefreut habe, der zwar keine guten Nachrichten über die Situation der deutschen Sprache in Frankreich hatte, die dortige Gemeinschaft aber hat zum ersten Mal seit Jahren wieder überhaupt an einer Sitzung der AGDM teilgenommen. Damit gab es Raum zur Diskussion über eine Vertiefung der Zusammenarbeit“, berichtet Bernard Gaida.

 

Während des Kongresses tagte auch die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten.
Foto: FUEN

 

Im Rahmen seines Berichtes bei der Vollversammlung der Delegierten konnte Bernard Gaida dann auch über das vergangene Jahr und die wegen des Coronavirus erzwungene Digitalisierung einiger Projekte sprechen. Besonders betonte er dabei aber die Tätigkeit der Jugend der AGDM. „Am Rand der Tagung erfuhr ich auch von Vertretern der Organisation Jugend Europäischen Nationalitäten, dass unsere jungen Vertreter mit ihrer Tätigkeit zu den aktivsten innerhalb der JEV gehören. Das freut mich besonders im Hinblick auf unsere AGDM-Tagung, die wir mit unserer Jugend gemeinsam in Dänemark planen“, sagt Bernard Gaida.

 

Bildungswesen

Vor der eigentlichen Delegiertenversammlung diskutierten die Vertreter der FUEN-Mitgliedsorganisationen u. a. über das Bildungswesen der Minderheiten. Ein Baum muss starke Wurzeln haben, um gut zu gedeihen. Mit der Minderheitenbildung sei es nicht anders: Man müsse auf eine gute Sprachbildung in den Kitas setzen – später könne man daran arbeiten, auch die Baumkrone, also die Gymnasien und Universitäten, entsprechend auszubauen. Mit diesem Vergleich über die Bildungssysteme der Minderheiten in Europa machte Igor Giacomini, Präsident der Regionalkommission für slowenische Bildung im italienischen Friaul-Julisch Venetien, die Relevanz der Früherziehung deutlich.

 

“Familienfoto”
Foto: FUEN

 

Daneben mache sich der Fachkräftemangel im Bildungsbereich bei den meisten Minderheiten bemerkbar. Muttersprachliche Lehrkräfte gibt es immer weniger, beklagten alle auf dem Podium. Auch am Unterricht als Gesamtpaket aus Sprache und Kultur müsse noch gearbeitet werden, denn häufig bleibe es bei der reinen Sprachvermittlung.

Welche Bedingungen herrschen dort, wo Minderheitensprachunterricht gut funktioniert? Mit dieser Frage hat sich Prof. Dr. Paul Videsott wissenschaftlich befasst und drei Antworten gefunden:

 

„Wo die Minderheitensprache von der Kita bis zur Uni verpflichtend ist, wo Lehrerinnen und Lehrer die Minderheitensprache gut beherrschen und wo Minderheiten und Mehrheiten gemeinsam gut nebeneinander leben.“

 

Deshalb plädiert er für eine fundierte Universitätsbildung der angehenden Lehrkräfte.

Rudolf Urban

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