Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Sunday, December 4, 2022

Auf dem Carlshof

Das Schloss Gellenau hat eine lange und wechselhafte Geschichte erlebt. Seine letzte Besitzerin war die deutsche Schriftstellerin Dagmar von Mutius. Ihre Erlebnisse der Flucht und Vertreibung aus Gellenau hat sie in einem Roman festgehalten.

Das Renaissanceschloss in Gellenau (Goleniów Śląski) wurde um 1600 von der Familie von Alten gebaut. Kaspar Alten aus Hermannseifen bei Trautenau beteiligte sich 1618 am Böhmischen Ständeaufstand, weswegen sein Gut 1623 vom Kaiser konfisziert und zunächst dem Glatzer Jesuitenkolleg übergeben wurde. 1625 gelangte das Gellenauer Gut in den Besitz des Freiherrn Carl von Strasoldo. Doch nachdem Kaspar von Alten wieder zum Katholizismus konvertierte und eine saftige Strafe gezahlt hatte, bekam er sein Gut zurück. Ausgebaut wurde das Schloss um 1775 von Johann Wenzel von Haugwitz um einen zusätzlichen Flügel. 1788 wurden Schloss und Gut Gellenau vom Justizrat Franz Bernhard von Mutius erworben.

Der letzte Ausbau des Schlosses fand im Jahr 1850 statt und wurde von Carl von Mutius angeordnet.
Foto: Wikipedia

 

Anschließend erbte es sein Neffe Major Carl von Mutius. Der letzte Ausbau des Schlosses fand im Jahr 1850 statt und wurde von ihm angeordnet. Damals entstand der Westflügel mit einem Turm im italienischen Stil. Das Schloss wurde dann als „Carlshof“ bezeichnet. Noch zu seinen Lebzeiten hatte Carl das Schloss seinem Sohn, dem Rittmeister Hans von Mutius vererbt. Dieser ließ dann vor dem Schloss eine Hirschplastik aus Bronzeguss aufstellen.

Dagmar von Mutius starb 2008 in Heidelberg.
Foto: www.heidelberg.de

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Schloss und Gut von der Schriftstellerin Dagmar von Mutius verwaltet. 1946 wurde sie enteignet und aus ihrem Gut vertrieben. Das Thema Flucht und Vertreibung aus Schlesien, das sie persönlich erlebt hat, verarbeitete Dagmar Multius später in ihren Werken. In ihrem Buch „Wetterleuchten. Chronik einer schlesischen Provinz 1945/46.“ beschreibt sie das Schicksal einiger in der Heimat zurückgebliebener Deutsche. Dafür bekam sie 1963 den Eichendorff-Literaturpreis. Nach dem Krieg war das Schloss eine Zeitlang unbewohnt. Später wurde dort ein Erholungsheim eingerichtet und schließlich wurde das Gebäude zu einem Hotel umgebaut. Danach fiel es einem Brand zum Opfer, infolgedessen der barocke Flügel beschädigt wurde. Danach verfiel es zu einer Ruine.

Anna Durecka

 

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