Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, January 18, 2022

Außergewöhnliche Wege

Hedwig Kohn

Dieser Text ist über die Physikerin Hedwig Kohn aus Breslau. Aber er ist auch ein bisschen über Hertha Sponer aus Neiße. Geboren unweit voneinander in Schlesien, kreuzten sich die Wege dieser außergewöhnlichen Wissenschaftlerinnen an der Duke University im amerikanischen Durham. Dorthin flohen sie nämlich beide vor dem Nationalsozialismus.


Hedwig Kohn war neben Hertha Sponer und Lise Meitner eine von nur drei Frauen, die vor dem Zweiten Weltkrieg eine Habilitation im Fach Physik gemacht hatten. Genau wie Sponer entstammte Kohn einer wohlhabenden deutsch-jüdischen kaufmännischen Familie. Ihr Vater Georg war Textilkaufmann in Breslau. Ab 1906 konnte sie als Gasthörerin an den Vorlesungen der Universität Breslau teilnehmen. Eine offizielle Immatrikulation war damals für Frauen tabu.

Hedwig Kohn war eine von nur drei Frauen, die vor dem Zweiten Weltkrieg eine Habilitation im Fach Physik gemacht hatten.
Graphik: Krzysztof Stręcioch

 

Ihre Abschlussarbeit schrieb sie 1913 zum Thema „Über das Wesen der Emission der in Flammen leuchtenden Metalldämpfe“. Anschließend wurde sie Assistentin am Physikalischen Institut der Universität Breslau. Als der Erste Weltkrieg ausbrach und die meisten ihrer männlichen Kollegen in die Armee einberufen wurden, übernahm sie die wichtigsten Arbeiten. Ihre Beiträge, die sie während der Arbeit an einer Neuauflage von Müller-Pouillets „Lehrbuch der Physik“ geschrieben hatte, wurden ihr 1930 als Habilitation anerkannt. Doch schon drei Jahre später wurden alle Wissenschaftler jüdischer Abstammung aus der Universität Breslau entlassen. Kohn reiste zunächst in die Schweiz aus, später emigrierte sie in die USA.

 

Eine ähnliche Reise machte Hertha Sponer durch. Sie emigrierte erst nach Oslo, dann in die USA. Sponer bekam eine Anstellung an der Duke University in Durham (North Carolina). Es gelang ihr, mithilfe anderer deutscher Wissenschaftler, die in die USA ausgewandert waren, für Kohn ein Stipendium zu beantragen. Nur so konnte Kohn in die Staaten einreisen und ihre wissenschaftliche Arbeit fortsetzen. Nachdem sie im Alter von 65 Jahren an ihrem Wellesley College emeritiert wurde, lud Hertha Sponer sie nach Durham ein. Hier forschte und lehrte sie noch weitere 12 Jahre bis zu ihrem plötzlichen Tod 1964.

Anna Durecka

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